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Im Film

Beim Einchecken nach Koh Samui gerate ich heute nachmittag plötzlich mitten in ein Filmset: eine Crew dreht Szenen für eine thailändische Soap - und das mitten in der Abflughalle von Bangkoks Airport Suvarnabhumi! Die Szene, die ich gerade miterlebe (und deren Teil ich wohl auch als Statist unfreiwillig in einigen Sequenzen schon unwissend geworden bin) wird im Film wohl nur auf wenige Sekunden zusammegeschnitten: Die Hauptdarstellerin marschiert zügig den Check-In-Schaltern entlang, bleibt stehen, schaut auf die Uhr und blickt sorgenvoll auf ihren Partner zurück, der immer noch suchend vor der Anzeigetafel steht. Die Szene wird wohl an die 30- bis 40mal neu gedreht, denn der Drehort ist nicht abgesperrt, teilweise verdecken die ahnungslosen Passagiere die freie Sicht von der Kamera aus auf die Hauptdarstellerin und zu ihrem Partner im entscheidenden Augenblick. Die Situation wird für die Crew immer schwieriger, weil plötzlich so saublöde Handyfotografen auf die Möglichkeit aufmerksam geworden sind, ein geiles Föteli machen zu können. Jajaja - ich schäm mich ja!

Aber mich fasziniert die Arbeit der Crew, die Ruhe des Regisseurs (links im Bild), der dauernd Anweisungen in ein verborgenes Mikrofon in seinen Hemdkragen flüstert. Und wer ist da nun Schauspieler, gezielt eingesetzter Statist oder ahnungsloser Passagier? Die Hauptdarstellerin flieht nach jeder Sequenz zu einem Pannel der Klimaanlage, um Körper und Gesicht abzukühlen und damit Transpiration auf ihrem Porzellangesichtchen und unter den Armen im Keim zu ersticken. Extrem spannend zu verfolgen. Eigentlich wäre ich auch gerne noch mal in meinem wohl zur Neige gehenden Leben in diese faszinierende Welt eingetaucht, wäre gerne ein Rädchen in so einer Crew gewesen...

Doch - Jesses - ich muss ja zu meinem Flug PG169 an die Gate B1!

(Update 18.09.2018)

 


 

Angekommen

Wenn ich nach den trotz den drei wacker verteidigten Sitzen im Flug TG971 zerknittert in aller Hergottsfrühe in Bangkok lande, danach im Hotel etwas Schlaf reinziehe, beginnt für mich so richtig das Ankommen hier. Unter anderem mit dem obligaten Znacht am ersten Abend im Suda Restaurant an der Sukhumvit mit Chicken in Pandanus, Reis und Gemüse. Ich weiss, dass ich mit diesem Coming Out wieder ein paar Kollegen nerve, aber das ist mir so was von wurscht. Andere Erwartungen enspringen kranker Phantasie...

(15. September 2018)

 


 

Adrenalin

Wenn einer eine Reise tut, dann kann das Adrenalin ganz schön verrückt spielen. Dieses Erlebnis wird natürlich sehr individuell empfunden. Je reiseerfahrener ich werden sollte, je adrenaliniger wird's. Spürbar schon beim Packen, das schon Wochen vor dem eigentlichen Termin eingesetzt hat. Demonstrativ vollzogen, damit meine geschätzte Raumpflegerin meine Absichten im Ansatz durchschauen und sich auf freie Wochen vorbereiten kann.

Am Abreisetag nach einer verhagelten, fast schlaflosen Nacht Tagwache in aller Herrgottsfrühe: Packen, umpacken. Abwägen und entscheiden, verzichten, den Koffer neu einteilen, 10 Kontrollgänge durchs Haus, Kühlschrank leeren, Kehrichtsack in den Kontainer, Schlüssel bei Nachbars abgeben. Jesses, ich habe ja noch vergessen zu... Adrenalin pur.

Auch im ÖV nach Zürich Flughafen - in Schweiss treibender Nähe mit Reisenden selbst in der 1. Klasse. Adrenalin. Einchecken bei einer Swiss Lady am Schalter. Ihre Unkompliziertheit ist allerdings ansteckend und fordert keine zusätzlichen Adrenalinausschüttungen.

Rein in die Büchse! Meine Strategie beim Webcheckin zeigt erneut Erfolg. Schon die Swiss Lady hat mir am Desk prophezeit, dass ich wahrscheinlich einen Dreiersitz ganz allein für mich haben werde. Dankedankedanke. Aber bei jedem Fluggast, der durchs Vorhängli gegen meine Sitzreihe nach hinten schreitet, die ich breitbeinig und breitarmig verteidige, fühle ich förmlich Adrenalin durch meine Adern schiessen. Blicke jeden strafend an: Komm ja nicht etwa hierher, du, du, du...! An Schlaf ist deshalb danach auf dem zehneinhalstündigen Direktflug ob all den Schüben nicht zu denken.

Adrenalin schiesst auch bei der Passkontrolle ein: der Thai-Officer massregelt mich, beutelt mich, weil ich auf dem Eintrittsformular beim Flug irrtümlich PG971 statt TG971 geschrieben habe. Lässt mich vor allen Wartenden Bordkarte und E-Ticket hervorklauben. Adrenalin-Einschuss. Dann sagt er: "Uu tuu ey, me too ey - tuugetter foo ey!" Und lächelt. Ein Thai-Officer in Uniform, der lächelt!!!??? Adrenalin mal vorsichtshalber...

Und wen treffe ich zufällig beim Flug TG971 von Zürich nach Bangkok? Grossrätin Barbara Mühlheim, die wie ich ein paar Sitzreihen vor mir nach Bangkok fliegt, dann aber anschliessend nach Laos reist, um für Selbsthilfeprojekte in Laos und Kambodscha ihre HerstellerInnen von Kunsthandwerk zu besuchen. Auf die Schnelle tauschen wir zwischen Flugzeug, Passkontrolle und Warten aufs Gepäck Erfahrungen aus. Eine geteilte Taxifahrt entfällt, weil unsere Ziele in Bangkoks Stadtinnerem wahrscheinlich doch zu weit auseinander liegen.

(Update 14.09.2018)

 


 

Wohltuender Bruch

In einer Abrechnung teilt mir die Cembra Money Bank mit, dass ich ihr noch Fr. 58.30 schulde, irgendwelche Mahngebühren. Da ich nun definitiv die Schnauze voll habe von dieser dreisten Bank, bezahle ich den Betrag und kündige am nächsten Tag per eingeschriebenem Brief sämtliche Geschäftsbeziehungen zu diesem dubiosen Unternehmen. Und vernichte genüsslich die Kreditkarte.

Das ganze Theater hat mir zahlreiche schlaflose Nächte beschehrt, mich unheimlich misstrauisch und unsicher gemacht, mich verändert. Die zuerst untersagten Hilfeleistungen der Bank, dann die häppchenweisen Zugeständnisse sind zermürbend gewesen.

Das Anwaltshonorar ist zwar nicht ganz so hoch ausgefallen, wie ich befürchtet habe, bleibt aber an mir hängen. Der Frust darüber ist gross, dass ich ohne einen Juristen nie und nimmer zu meinem Recht gekommen wäre.

(Update 12.09.2018)

 


 

Abgeschlossen?

In einem Brief teilt mir die Cembra Money Bank mit, dass sie mir die letzten Fehlbuchungen über Fr. 407.04 nun auch gutschreibt. Weshalb erst jetzt???!

Was aber sind die Konsequenzen? Werden die unrechtmässigen Mahngebühren auch getilgt? Gespannt warte ich auf die nächste Abrechnung. Per Internet kann ich die Zahlungsentwicklung nicht verfolgen, denn mein Account ist offenbar gesperrt; wohl auch meine neue Kreditkarte, die ich nie benutz, aber auch nieee mehr benutzen werde!

Wie konfus diese Bank arbeitet, zeigt sich, dass mein Antwalt, über den nun alle Kontakte in diesem Schlammspiel laufen sollten, keine Kenntnis über den Erlass erhalten hat. Oder ist das wiederum Teil der Strategie dieser zwielichtigen Partnerin der Migros?

(Update 30.08.2018)

 


 

Ausser Rand und Band!

Mein Anwalt schreibt das in einem Brief an die Cembra Money Bank richtig: "Es ist in Ihrem (Gross-)Betrieb offenbar leider so, dass die rechte Hand nicht weiss, was die linke tut. Anders kann ich die beiden beiliegenden Mahnungen nicht deuten."

Die Cembra hat mir vollmundig erklärt, dass ich Fehlbuchungen im Werte von über 5000 Stutz gutgeschrieben/erlassen erhalte.

Heute - am 3.8.18 - erhalte ich gleichzeitig zwei Briefe im Briefkasten. Einen datiert vom 27. Juli 2018 mit der Zusicherung des Erlasses mit der Aufforderung, einen Restbetrag innert 3 Tagen zu begleichen. Wie soll ich das tun, wenn ich den Brief erst 6 Tage später erhalte?

Heute - ebenfalls am 3.8.18 - erhalte ich eine Mahnung für den angekündigten Betrag, gepfeffert mit Drohungen von auflaufenden Strafgebühren und so. Und der Ankündigung, dass meine Karte nun ohnehin gesperrt sei. Nichts lieber als das!!! Mit dieser Firma möchte ich eigentlich keinen Geschäftsumgang mehr pflegen. Eigentlich möchte ich nichts so sehnlicher als weg aus den Fängen der Migros und ihrer offensichtlich unfähigen Partnerin in Sachen Kreditkarten, der äusserst aggresssiven Cembra Money Bank.

(Update 03.08.2018)

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Cembra gibt endlich Milch

Eine Mail meines Anwaltes macht mir Freude: die Cembra Money Bank erlässt mir alle Forderungen auf Fehlbuchungen sowie Mahngebühren! Allerdings glaube ich das erst, wenn ich die nächste Abrechnung für meine Kreditkarte erhalte!

Natürlich macht mich das extrem froh. Ein riesengrosser Druck entweicht mit einem Megaknall. Denn seit ich diese Fehlbuchungen auf meiner Kreditkarte von über 6000 Stutz entdeckt habe, hat sich mein Leben schlagartig geändert. Habe kaum mehr durchgehend schlafen können. Habe misstraut, mich verarscht gefühlt, von wem auch immer. Kommen natürlich die Anwaltskosten dazu, die ich selber berappen muss.

Für mich ist klar, dass ich meinen Vertrag mit CuMulus respektive der Cembra Money Bank kündigen werde, sobald ich Gewissheit über meine "Unschuld" auf der nächsten Abrechnung sehen kann.

Längst habe ich bei vertrauensvolleren Unternehmen angedockt: bei einer Kreditkarte über die BEKB respektive Viseca. Da bin ich schon über Jahre mal zufriedener Kunde gewesen.

Habe mich aber leider durch den gebührenfreien Service der Migros ködern lassen. Auf diesen Leim krieche ich der Migros jedoch vermutlich in nächster Zeit kaum mehr.

(Update 29.07.2018)

 


 

Tückisch

Punkto Himmelsfotografie gibt es noch etwas nachzuschieben: Im August 1999 fahre ich mit einer Kollegin rund 650km hin und zurück nach Frankreich, um eine totale Sonnenfinsternis zu fotografieren. In Gros-Rederching machen wir Halt und installieren uns in einer weiten Ebene zwischen vereinzelten Bauernhöfen, direkt auf der Bahn der totalen Finsternis.

Die Tiere werden plötzlich still, als sich der Himmel mitten im Tag zu verdunkeln beginnt. Bevor das Naturschauspiel einsetzt, zieht eine dicke Wolkenbank vor die Sonne, und es beginnt zu regnen. Also beschliessen wir, im Auto etwas zu schlafen.

Plötzlich schrecke ich auf und blicke zum Himmel: Die "Eclipse" ist in vollem Gang! Kollegin wachrütteln, raus aus dem Auto, Stativ installieren, Kamera mit Konverter und langem Tele montieren, Belichtung messen, Alu-Schutzfolie bereitlegen, die bei der totalen Bedeckung vor dem Objektiv befestigt werden muss, um die extreme Lichteinwirkung zu filtern, Belichtung zurücksetzen, auslösen, Schutzfolie entfernen, Belichtung anpassen und weiterfotografieren - ein mega Stress!

Dabei mache ich zwei dumme Fehler: 1. vergesse ich, Kamera und Objektiv mit einem Gewicht zu stabilisieren, und 2. die Schärfe nach all den Hantierungen mit der Folie nachzukontrollieren.

Fazit: nur unscharfe Bilder, auf denen immerhin die "brennende" Korona rund um den Mondschatten erkennbar ist. Aber eben: schlicht nicht brauchbar.

(Update 28.07.2018)

 

 

Jahrhundertspektakel - wo?

Die totale Mondfinsternis wird von den Medien in der Saure-Gurken-Zeit zum Jahrhunderspektakel hochgejubelt. Dem Schalmeienruf kann auch ich Depp nicht widerstehen und fahre zur Strasse zwischen Kirchdorf und Noflen hoch, parkiere in einem abgehenden Weg, warte auf das Spektakel und geniesse vorerst freie Sicht auf Alpen, Ruhe und Alleinsein. Kaum wird dieses vermeintliche Spektakel hinter Eiger, Mönch und Jungfrau erst bei scharfem Hingucken ganz knapp im dunkler werdenden Nachthimmel erkennbar, tauchen aus dem Nichts plötzlich zwei Paare mit ihren doofen, freilaufenden Hunden auf, die ausgerechnet jetzt an meinen Beinen und dem Auto herumschnüffeln. Jetzt wo ich konzentriert fotografieren will! Das ideale Licht für mein Vorhaben dauert nämlich nur ganz wenige Minuten. Genervt und fluchend packe ich zusammen und flüchte auf den nahen Belpberg.

Aus dem Autoradio gibt ein Dummerchen von DRS1 Fototipps und versucht gerade einen Hörer im 14. Stock eines Oerlikoner Hochhauses zu animieren, mit seinem Handy zu fötelen...

Schon bei der Anfahrt zum Belpberg kommen mir auf der schmalen Strasse unzählige Autos entgegen, deren Lenker dem Spektakel offenbar schon wieder den Rücken kehren. Und oben auf der Krete bietet sich mir ein Bild, das mich erschlägt - hunderte von Autos! Überall in den Feldern stehen oder sitzen unzählige Leute, ihre doofen Handys im Anschlag und blitzen in den dunklen Nachthimmel um die Wette!

Grenzenlose Dummheit eines Teils der Menschheit entschädigt mich etwas für das vollmundige Spektakel, das eigentlich gar kein so grosses ist...

Daheim öffne ich eine Store und mache doch noch einen letzten Kontrollblick gen Himmel: Die beste Sicht auf das Spektakel - den Blutmond zusammen mit dem hellroten Mars - hätte ich vom trauten Heim aus gehabt. Wie gesagt: Dummheit ist grenzenlos.

(Update 27.07.2018)

 


 

Tröpfchenweise

Endlich hat sich die Cembra Money Bank geäussert und mir die beiden letzten Fehlbuchungen in der Höhe von Fr. 961.94 "erlassen", allerdings ohne eine Begründung zu geben, weshalb sie nicht den ganzen Betrag erlässt. Was wiederum meinen Anwalt veranlasst hat, erneut Briefe zu schreiben. Die Cembra bombardiert mich hingegen mit Mahnungen und Drohungen betreffend steigender Strafgebühren. Ein absurdes Theater!

(Update 20.07.2018).

 


 

Dreistigkeit

Meine Kreditkartenstory ist noch längst nicht ausgestanden! Die "Schadensumme" ist inzwischen auf 6'391.54 Stutz angewachsen - 22 Fehlbuchungen, die ich nicht verursacht habe! Und die Cembra Money Bank als Verwalterin des Kreditkartenkontos weigert sich, diesen Fall untersuchen zu wollen. Stellt stattdessen regelmässig finanzielle Forderungen. Eine SLV-Zahlung von über 5000 Franken habe ich in letzter Minute stoppen können. Nun habe ich dieser Bank die Möglichkeit entzogen, mein Bankkonto per LSV zu schröpfen.

Stattdessen habe ich nun die Angelegenheit einem Anwalt übergeben. Er hat inzwischen drei Briefe an die Cembra geschrieben, die alle bis heute unbeantwortet geblieben sind. Eine Frechheit ohnegleichen! Bei denen scheint die rechte Hand nicht zu wissen, was die linke tut...

Unverständlich, dass die Migros über die CuMulus-Karte mit diesem dubiosen Bankunternehmen zusammenarbeitet und weiterhin Werbekampagnen lanciert.

In der Zwischenzeit habe ich eine Dokumentation über all meine Bewegungen während der Zeit in Südostasien zusammengestellt (Stempel im Pass, Hotelrechnungen, Bordkarten aller Flüge usw.), die beweist, wann ich wo wie lange geblieben bin. Ich werde mich auch nicht scheuen, den Fall dem Kassensturz zu melden, falls die Cembra demnächst kein Einrenken zeigt.

(Update 11.07.2018)

 

 

 

Leidenschaft?

Vergleiche die beiden Bilder der Schweizer und der Schweden während dem Abspielen ihrer Nationalhymnen. Was siehst Du? Inbrünstig singen die Schweden ohne Ausnahme gemeinsam. Leidenschaft bei den Schweizern? Nur Sommer, Lang, Zuber und Akanji singen, Rodriguez, Shaqhiri, Behrami, Xhaka, Dzemaili, Djourou und Drmic stehen teilnahmslos da. Verweigern bewusst oder unbewusst eine Identifikation.

Sicher darf die Leistung nicht partout an Mimik und Körpersprache der Spieler während der Hymne gemessen werden. Aber im Spiel gegen die Schweden um den Einzug in den Viertelfinal ist augenfällig, dass diese Mannschaft mit extrem multikulturellem Hintergrund im roten Dress nicht diese Einheit ist, der Teamspirit nicht so überragend ist, wie er von vollmundigen Spielern, Trainer, aber auch von gewissen Medien stets herbeigeredet worden ist. Die Leistung des mit Vorschusslorbeeren überhäuften Teams ist im letzten Spiel eher kläglich. Die Darbietung der sogenannten Leistungsträger - allesamt hochbezahlt - schlicht ungenügend. Sommer, Lang und Rodriguez zusammen mit dem jungen dunkelhäutigen Akanji allein können mit ihrer tadellosen Einstellung keine Sensation schaffen. Die harte Realität holt die Schweizer Fussballwelt jä ein - wieder einmal..

(Update 03.07.2018)

 


 

Ehrung

Damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet, als mich Marco Bianchi, Präsident des Mittelländischen Fussballverbandes MFV, zum alljährlichen "Abpfiff" eingeladen hat.

Im Verlauf des traditionell stattfindenden Abends zum Saisonausklang im Berner "Mappamondo" überreichen mir Präsident und Ehrenpräsident ein Diplom für aussergewöhnliche Leistungen im Bereich des Fussballs, für meine 44jährige Tätigkeit als Sportfotograf! Eine edle Geste des Verbandes, die mich extrem freut und auch etwas stolz macht. Merci Giele!

Vor mir im selben Ehrungsblock wird aber mit einer Standing Ovation mein Kumpel Kurt Feuz als amtsältester Trainer der Schweiz (33 Saisons) und Aufsteiger-Macher in die Promotion League mit dem FC Münsingen ausgezeichnet. Bravo "Feusi"! Ich habe dein Engagement über all die gemeinsamen Jahre stets bewundert - als Spieler bei YB wie als Trainer beim FCM! Deine lautstarke Beteiligung am Spiel mit Unterhaltungswert hat meine beiden Kinder Nadja und Erik vor Jahren schon sonntags hie und da bewogen, das Familien-Programm zu bestimmen: "Gö mer hüt nami chly ga der Feuz lose?"

(Update 02.07.2018)

 

 

Weggeschoben

Tage habe ich es nicht wahrhaben wollen. Bis ich ihn schliesslich zu erreichen versucht habe, um Gewissheit zu erlangen. Per Handy, per Mail. Nichts. Peter Geissler ist nicht mehr erreichbar! Dann eine Todesanzeige in BZ und Bund.

Pedro hat mich während vieler Jahre begleitet. Begonnen hat unsere Freundschaft 2000, als er mir erlaubt hat, von seinem Balkon aus das altehrwürdige Stadion Wankdorf in regelmässigen Abständen zu fotografieren. Dessen Abbruch ist im April 2001 erfolgt. Danach habe ich immer wieder Gast sein dürfen bei Pesche auf dem Balkon, um den Neubau des Stade de Suisse zu dokumentieren.Aber auch, um ein Bierchen oder ein Kafi mit ihm zu trinken. Einfach so.

Pesche Geissler hat die Herausgabe meiner Bücher "Wylerhüsli", "Breitsch u drumum" sowie "Du machen Klickklick!" stets finanziell unterstützt und hat ihren Verkauf gefördert.

Er ist über Jahre auch regelmässiger Besucher auf meiner Website gewesen, hat meine News gelesen, sie gutgeheissen, aber hie und da auch heftig kritisiert. Er ist für mich zum wichtigen Zeitgenossen geworden. Deshalb schmerzt mich sein plötzlicher Tod.

Pesche - merci viumau. Schön, dass es di ggä het!

(Update 26. Juni 2018)

 


 

Fehlurteil

Die FIFA hat reagiert und gestern angekündigt, dass sie die fehlbaren Spieler der Schweizer Nationalmannschaft für ihre Unsportlichkeiten zur Rechenschaft ziehen will. Heute hat der Welt-Fussballverband sein Urteil bekannt gegeben. Stein und Zwirbeli sollen mit je 10'000 Franken gebüsst werden, Hellkletterer mit 5'000 Stutz. Von Spielsperren keine Spur.

Die FIFA hat es damit versäumt, ein Ausrufezeichen gegen unfaire Fussballer zu setzen. Schwach!

Dass beim fahnenflüchtigen Captain Hellkletterer ein milderes Strafmass angewendet wird, ist für mich unerklärlich. Gerade bei seinem nachgeäfften Doppeladler vor der Brust sind ja keine zwei Seelen in seiner Brust als Entschuldigung geltend zu machen. Mit seiner grenzenlosen Dummheit hat er die Stimmung zusätzlich noch angeheizt statt deeskalierend zu wirken, wie es von einem Captain erwartet wird. Er hat versagt, ihm gehört per sofort die Captain-Binde entzogen, die statt ihm von Yann Sommer oder Valon Behrami getragen werden soll.

Nicht zum erstenmal reagiert der Schweizer Fussballverband schwach auf unsportliche Vergehen seiner Spieler: An der EM 2004 ist es Alex Frei gewesen, der für seine Spukattacke zu lange und bis zum Gehtnichtmehr geschützt worden ist. Köpferollen gab es lediglich beim Pressechef, der Frei geraten hatte, alles abzustreiten. Jetzt sind es Generalsekretär Alex Miescher, SFV-Jurist Claudio Sulser, Zentralpräsident Peter Gillieron und selbst Trainer Vladimir Petkovic, die sich vor die Spieler stellen. Petkovic hat vorgestern im TV-Interview nach dem Spiel gesagt: "Ik chhabe nig gesechen!"

Der SFV hätte gut daran getan, seine Spieler schon im Vorfeld effizienter auf das mögliche Szenario vorzubereiten, jetzt auch an die Kandarre zu nehmen. Ich ahne, dass der SFV nun ans Portmonnaie greifen wird und den Spielern die Busse abnimmt. Nach dem Motto: Deckel drauf...

(Update 25. Juni 2018)

 


 

Doppeladler von Volldeppen

Da leisten sich zwei Spieler der Schweizer Fussball-Nati - Stein und Zwirbeli - eine Peinlichkeit ohnegleichen, welche die ganze Welt am TV mitverfolgen kann: Sie zeigen während ihres Torjubels mit den Händen den Doppeladler vor ihrer Brust, das Symbol von Albanien. Ausgerechnet im Spiel gegen Serbien! Als wäre das Verhältnis zwischen den beiden Völkern nicht schon genug belastet. Und festigen damit gleich das Vorurteil gegen Fussballer, die das Hirn nur in den Beinen haben sollen.

Eine Provokation des Gegners und seiner Fans - und das ist diese verabscheuenswürdige Geste - ist ein absolutes No-Go! Politik hat auf dieser Bühne nichts zu suchen. Dass der fahnenflüchtige Captain Hellkletterer auch noch nachäfft, ist das saure Sahnehäubchen obendrauf. Und dass Zwirbel vor den gegnerischen Fans das Leibchen vom Leib reisst und schreiend in Machomanier seine Muskeln zeigt, zeugt ebenfalls nicht von hohem IQ.

He - Leute, ihr seit hochbezahlt und habt Vorbildfunktion! Tausende von Kindern tragen eure Namen auf dem Rücken ihrer roten Shirts! Wo seit ihr zur Schule gegangen, habt Fussballspielen gelernt? Welche Nationalmannschaft gibt euch die Plattform vor der Weltöffentlichkeit zu brillieren? Denkt doch ein wenig nach.

Zu guter letzt mischen sich auch noch zwei Globis aus dem Bundesrat ein - Parmesan und Sirup - und versuchern mit ihrem anbiedernden Geschleime die drei Übeltäter reinzuwaschen. Auch das ist irgendwie peinlich.

Ich werde mir die kommenden Spiele eines FC Albanien jedenfalls kaum mehr reinziehen und konzentriere mich lieber mehr auf die Deutschen...

(Update 24. Juni 2018)

 


 

Vorsicht!

Wer eine Kreditkarte über die Migros bei der Cembra MoneyBank erwerben will oder diese schon nutzt muss folgendes wissen: Diese Bank ist alles andere als kundenfreundlich!

Nach meinem Asien-Tripp studiere ich die Abrechnung meiner Kreditkarte und stelle mit Entsetzen fest, dass da 12 falsche Buchungen registriert sind, die ich nie ausgelöst habe; 10 bei Agoda und 2 bei Vietnam Airlines, mit denen ich noch nie im Leben geflogen bin! Alles im Wert von über 4000 Stutz! Verbucht notabene nach meiner Rückkehr in die Schweiz...

Sofort rufe ich die Hotline von Cembra an und werde nach Minuten des endlosen Musikhörens endlich mit einem Herrn ...vic verbunden, dessen Deutsch ich kaum verstehe. Vic macht mich zur Schnecke. Bestreitet, dass Betrüger meine Karte geknackt haben könnten, sonst hätten sie meine Maximallimite ausgeschöpft. Verwischt all meine Einwände. So ein Scheiss! Selbst mein Argument, dass die Buchungen nach meiner Rückkehr in die Schweiz erfolgt sind, lässt er nicht gelten. So ein arrogantes A...!

Er verspricht mir, ein Schadenformular zukommen zu lassen, auf dem ich die beanstanden Buchungen auflisten könne, aber zur Abklärung einer jeden 80 Stutz locker machen müsse! Von Sperren der Karte sagt er nichts - ich auch nicht, denn ich bin schlicht paff - eine jämmerliche Schnecke eben!

Stunden später versuche ich übers Internet meine Karte vorsorglich zu sperren, aber mein Pin, den ich in den Ferien noch erfolgreich eingesetzt habe, ist ungültig. Das ist für mich der Beweis, dass meine Karte gehakt worden ist.

Erneuter Versuch über die Cembra-Hotline, um meine Karte zu sperren. Musik hören. Fast endlos. Dann nimmt ein Mitarbeiter ab, den ich wenigstens verstehe. Aber auch er wimmelt mich ab. Verspricht mir ein Schadenformular, auf das ich nun schon 5 Tage warte. Sichert mir wenigstens zu, meine Karte zu sperren und mir eine neue zuzustellen, samt Pin. Habe ich heute erhalten, obschon ich die gar nicht mehr will. Denn mit Cembra money bank - ähäh, neimerci!!!

Inzwischen habe ich der Cembra einen eingeschriebenen Brief geschrieben und die falschen Buchungen aufgelistet. Vorsichtshalber. Denn ich traue dieser Bank nicht mehr. Und möchte alle vor ihr warnen! Aber auch von den verlockenden Schalmei-Klängen der Migros, denen ich vor zwei Jahren erlegen bin, als ich mich mit Cumulus-Punkten und gebührenfreier Karte habe über den Tisch ziehen lassen.

Demnächst mehr auf dieser Seite.

(Update 10. Juni 2018)

 


 

Ausklang

Meine Ferien träufeln dahin. Die letzten Tage auf Koh Samui, Überflug und Ankunft in Bangkok sind etwas gar mühsam gewesen: die meiste Zeit habe ich mit Fieber, entsetzlichem Husten und Schmerzen im Bereich des Zwerchfells im Bett verbracht. Nicht gerade die feine Art Ferien zu verbringen.

Dafür habe ich das kurze Wiedersehen mit Hausi Leuenberger, dem Banker aus dem Oberaargau, genossen. Es sind heitere, famose Stunden geworden! Und wir haben versprochen, uns zurück in der Schweiz wieder mal auf halber Distanz in Langnau zu einem Znacht im Goldenen Löwen zu treffen.

Hausi wird aber vorerst mit einem Schweizer Paar zusammentreffen und ein paar Tage erstmals Myanmar bereisen. Ich habe ihm meine verbliebenen Kyat-Banknoten von meinem letzten Trip dahin auf die Reise mitgegeben.

(Update 12. Mai 2018)

 


 

Traurige Nachricht 2

Meine Tochter Nadja versucht mich auf den Schienen zu halten: "All die Leute wären trotzdem gestorben, auch wenn du hier geblieben wärst. Wir alle kommen und gehen wieder." Schreibt sie pragmatisch.

Auch Housi aus Kambodscha versucht zu beruhigen: "Jä lueg, Buddha, mir wärden euter, u de stärben eim d Lüt wäg!"

Ja, vermutlich habt ihr beide irgendwie recht. Aber auffällig ist das schon, dass bei jedem meiner Asien-Aufenthalte jemand aus meinem engeren oder erweiterten Kreis von Bezugspersonen stirbt: Zuerst sind es Aurelie und Camille - Nadjas Zwillingstöchter - gewesen, welche die Geburt im April 2017 nicht überlebt haben. Dann stirbt im November 2017 mein Cousin Ueli ganz plötzlich an einem Herzversagen. In diesen Ferien stirbt Mauz, die Mutter meiner langjährigen Arbeitskollegin Daniela Bacchi.

Schon bei Ferienantritt habe ich mir diesbezüglich natürlich Gedanken gemacht, was diesmal alles geschehen könnte. Und siehe - der schnelle Tod von Alex Tschäppät. Und seit gestern weiss ich auch noch das: Magdalena, eine meiner Cousinen, hat sich im Alter von 59 Jahren nach kurzer Krankheit verabschiedet. So der Wortlaut ihres Ehemannes in einer kurzen Mail. Auch ihr Tod macht mich gerade sehr traurig - weil ich diese Trauer hier mit niemandem teilen und gemeinsam verarbeiten kann. Aber ich habe dieses Exil ja selbst gewählt...

(Update 10.Mai 2018)

 


 

Hilferuf

Krebspatient Roland Käser steckt in einem finanziellen Engpass. Weil er nach thailändischen Gepflogenheiten Arzt- und Spitalkosten vorauszahlen hat müssen - das sind immerhin um die 3 Mio Baht! - ist sein Erspartes sehr geschrumpft. Dies nach einer verkorksten Saison mit seinem Restaurant in Lamai. Der Betrag wird ihm dann teilweise von der Krankenkasse zurückerstattet. Er hat nun über WatsApp einen Hilferuf an seine Freunde versendet.

Am Mittwoch werde ich mit Roland und seiner Frau Kanja nach Bangkok fliegen zur Nachkontrolle im Spital. Klar, dass ich ihm da ein Kuvert mit etwas Geld zustecken werde.

Meine Schwester Marianne, selbst genesene Brustkrebspatientin, habe ich von Roland und seiner Not erzählt. Spontan, obschon sie Roland nicht kennt, hat sie gesagt: "Gib em Roland es Hunderternötli vo mir!" Das ist sehr edel von ihr. Empfielt sich zur Nachahmung.

Klar kann man Rolands Nöte hingerzi u fürezi hinterfragen und sich herausreden. Aber damit ist Roland nicht geholfen. Deshalb Leute - spendet!

Hier seine Koordinaten: Roland Kaeser, IBAN 800 2 05955 0, Kasikornbank, 1 Soi Ratburana 27/1, Ratburana Road 10140, Bangkok, Thailand; Swift- Adresse (BIC-CODE): KASITHBKXXX

(Update 8. Mai 2018)

 


 

Roland ist zurück!

Heute abend betritt er nach einer 8stündigen Magen- und Speiseröhrenoperation und einem über 40tägigen Spitalaufenthalt erstmals wieder sein Restaurant "Karo" in Lamai. Mit halbiertem Magen, verkürzter Speiseröhre und 16 kg Gewichtsverlust.

Der Gastwirt aus Wünnewil klagt zwar über Kraftlosigkeit und äusserst kurzen Atem, ist aber nach erfolgreicher Krebsoperation wieder zum Scherzen bereit.

Alle Stammgäste, aber auch seine Ehefrau Kanja und die Servicefrau Nojna sind froh, dass Roland seinen Stuhl am Stammtisch bald wieder einnehmen wird - wenigstens zeitweise.

(Update 4. Mai 2018)

 


 

Nüsse

Fast etwas vulgär prangen diese Kokosnüsse in ihren Palmkronen vor meinem Balkon. Wie hochhängende Hoden der Natur. Diese tropischen Früchte werden auf diesem Areal nicht geerntet, weil sie schliesslich das Markenzeichen des Coconut Beach Resorts sind, meiner langjährigen Bleibe in Lamai Beach auf Koh Samui. Marketing eben. Kurz vor oder während der high season lässt man "kritische Nüsse" von dressierten Äffchen oder wagemutigen Arbeitern aus Burma oder Laos herunterholen. Aber jetzt löst man dieses Problem auf thailändisch - man lässt der Sache ihren freien Fall und wartet ab. Schliesslich ist die Wahrscheinlichkeit nun viel geringer, dass es während der low season einen Farang direkt auf die Birne trifft.

Alle paar Tage sehe ich irgendwo eine neue, überreife und ungeniessbare Nuss am Boden liegen. Kürzlich habe ich mal eine aufgehoben, nachdenklich in beiden Händen gewiegt und mich gefragt, wie das wohl wäre, von einer Kokosnuss erschlagen zu werden. Nicht dass ich's mir oder andern wünsche, aber es gäbe wohl noch viel üblere Arten zu sterben...

(Update 4. Mai 2018)

 


 

Peinlich

Morgen früh ruft mich Kollege Housi aus Kambodscha an: "Du, was dys Online da bietet, isch absolut pynlech!" Er ärgert sich über all die verwackelten, unprofessionellen Videos - und ich mich über zu viele nichtssagende Fötelis. Von den 57 Helgen sind lediglich 3 Bilder von eigenen Fotografen gemacht. Der Rest sind Agenturbilder, die man allesamt von anderen Online-Portalen schon kennt, und Föteli von Schreibenden, die es nicht lassen können. Von Qualität keine Spur! In einem Punkt muss ich Housi, dem ehemaligen Kameramann widersprechen: Das ist nicht MEIN Online!

(Update 29. April 2018)

 


 

Held Marco

Natürlich ist das ganze YB-Team eine Truppe von Helden. Kleineren und grösseren. Schliesslich sind die Young Boys Schweizer Meister geworden, nach einer Durststrecke von 32 Jahren.

Aber einer ist für mich DER Superheld - Marco Wölfli! Nicht nur wegen seines parierten Elfmeters, im Spiel gegen Luzern, mit dem er YB wieder auf Meisterkurs hält. Er ist ein Held mit seiner professionellen, sportlichen Einstellung über Jahrzehnte, während seiner ganzen Karriere. Von einer kapitalen Verletzung jäh gestoppt, von saudummen Sportjournalisten und Fans abgeschrieben, hat er es allen gezeigt, wer Meister werden kann.

Und eines freut mich erneut ganz besonders: Im Abschiedsvideo nach meinem 44jährigen Job bei der BZ hat mir unter anderen Sportlern Marco Wölfli mit einem Augenzwinkern alles Gute gewünscht.

Ich hätte diesen Match, diesen Meistertitel im Stadion als Zuschauer nicht ertragen. Zu stark sind meine Emotionen mit diesem Verein verknüpft, der mein Leben geprägt hat. Hätte nicht untätig zuschauen wollen und können. Auch deshalb bin ich nach Südostasien ins Exil "geflohen". Habe mir eigentlich alles am Arsche vorbeigehen lassen wollen. Aber ich schaffe es dann doch nicht. Kurz vor Spielbeginn besorge ich mir von Koh Samui aus über den Laptop zugang zur Live-Übertragung mit einem Monatsabi bei SwissVPN für 6 Stutz. Und darf mit Marco und Co. jubeln!

(Update 29. April 2018)

 


 

Klare Sicht

Nun habe ich meine neue Brille beim Optiker abholen können. Das Rezept dazu hat mein Augenarzt in Bern gemacht. Ich habe Varilux und extra die bestmögliche Qualität an Gläsern ausgewählt. Als Fotograf lohnt sich das - selbst als gewesener... Die Neuanschaffung kostet mich lediglich 311 Franken! In der Schweiz würde eine Brille in dieser Ausstattung gut und gerne das doppelte, wenn nicht dreifache kosten. Die letzte Brille, die ich in den letzten zwei Monaten getragen habe, ist wohl mindestens 6jährig und ist als Ersatzbrille gedacht gewesen. Ich bin bas erstaunt, was ich alles plötzlich sehen kann durch die neuen Gläser!

(Update 27. April 2018)

 


 

Füdleläi

Gestern habe ich von einem guten Kollegen eine gelbe Karte gekriegt, weil ich nun schon seit 5 Tagen nichts mehr habe verlauten lassen auf dieser Website. Der Grund: Ich erlebe schlicht nichts Bewegendes, Erwähnenswertes mehr! Verlasse mein Zimmer direkt am Meer nur noch zur zweimaligen Nahrungsaufnahme um 10 und um 18 Uhr, was allerdings Richtzeiten sind..

Wie wohl überall in Südostasien, selbst auf Koh Samui ist es zurzeit brätschheiss. Kaum ein Lüftchen, was an sich untypisch auf der Insel ist. Selbst die Samuianer klagen, die ausgewanderten Expats sowieso - die jammern immer...

Für einen Test mit einer Unterwasserkamera bin ich kurz ins Meer, aber auch in den Swimmingpool gestiegen. Keine Spur von Erfrischung - das Wasser ist überall "füdleläi"! Und erst das Duschwasser am Pool - fast kochend! Kommt dazu, dass ich die Hitze schlicht nicht mehr so gut ertrage wie auch schon.

Ich sitze hier momentan meine Zeit ab. Warte auf eine neue Brille, die ich vorgestern bestellt habe, nach einem Rezept von meinem Augenarzt in Bern.

(Update 23.04.2018)

 


 

Senkel vom Enkel

Gestern erhalte ich endlich ein Lebenszeichen von Sohnemann Erik, der mit seiner Frau Änni und den Kindern Allen, Levin und Eileen in Jordanien weilt. Sohn und Schwiegertochter leisten dort freiwillige humanitäre Dienste im Flüchtlingslager Asraq. Ich habe mir Sorgen gemacht, weil meine Kontaktaufnahmen allesamt unbeantwortet geblieben sind. Nun weiss ich auch warum: die Familie hat ein paar Tage Ferien im Beduinenzelt in der Wüste gemacht. Die Kiddies sollen begeistert gewesen sein, wie das Bild von Allen zeigt.

Nun aber haben Erik und Änni ihren Dienst aufgenommen, sie wechseln sich täglich ab mit Kinderhüten in Amman und Einsätzen im Flüchtlingscamp mit Betreuung von Familien. Erik ist vor einiger Zeit schon mal da gewesen, hat geholfen Internet einzurichten und mit den Flüchtlingskindern Sport getrieben.

Als ich auf die Sprachnotiz über WhatsApp endlich mit Erik sprechen kann, hat er gerade Kinderhütedienst und ist mit dem 7jährigen Allen am Rumalbern, während Levin und Eileen noch den Nuck nehmen. Zum Schluss des Videoanrufs sage ich unbedacht: "So, jitz wott i ändlech öppis ga frässe!" Doch Enkel Allen stellt mich sofort in den Senkel: "Grosspäpu! Frässe seit me nid!"

(Update 18.04.2018)

 


 

Aufwärtstrend

Krankenbesuch heute bei Kollege Roland Käser im Bumrungsrad International Hospital in Bangkok. Nach erfolgter Magenkrebs-Operation vor über drei Wochen erholt sich Role langsam und mag sogar wieder scherzen. Obschon eine unerwartete Lungenembolie zusätzliche Schwierigkeiten gebracht hat. "Wiisch, as saftigs Steak mit Häpperastock u Salad we haut scho guet!" sagt er im deutschfreiburger Dialekt, leckt seine Lippen und lächelt verschmitzt. Wer versteht ihn nicht. Schliesslich ist er während 14 Tagen künstlich ernährt worden, darf seit kurzem aber zumindest pürierte Suppe essen. Glücklicherweise liebt er Suppen in allen Varianten.

Während der meisten Zeit wohnt seine Thai-Partnerin Kanja bei ihm im Spitalzimmer, wie das in Thailand üblich ist. Roland, mit Wurzeln in Wünnewil, sollte nächste Woche das Spital verlassen können, bleibt aber vorerst noch in Bangkok in einem Hotel zwecks Nachkontrollen. Die Ärzte haben ihm erfreulicherweise in Aussicht gestellt, dass ihm eine Chemotherapie erspart bleiben wird.

(Update 16.04.2018)

 


 

Planungsfehler

Songkran, das Wasserfest zum asiatischen Neujahr, wird in Kambodscha, Laos und Thailand etwa gleichzeitig gefeiert. Allerdings manchenorts um ein bis zwei Tage in der Intensität verschoben.

Nachdem ich mich gestern in Siem Reap masslos über die saublöden Touristen geärgert habe, die Songkran mit ihren Plastik-Wassergewehren zur Sau machen, gerate ich heute in Bangkok volles Rohr nochmals in die Wasserschlacht, als ich kurz um die Ecke einkaufen gehen will! Habe sofort keinen trockenen Faden mehr am Leib. Man besäuft sich, schmiert sich Kreide ins Gesicht und bewirft sich mit Wasser, eisgekühlt und meist mit Hochdruck. Das finden die Deppen lustig. Dabei hätte dieses Fest einmal einen tieferen Sinn gehabt - wie etwa der Berner Zibelemärit...

Wie kann man Songkran entgehen? Indem man Vorräte kauft und sich danach mindestens drei Tage einschliesst - oder Asien um den 15. April meidet!

(Update 15.04.2018)

 


 

Chinesische Invasion

Heute morgen früh um 4.45 Uhr lasse ich mich zum Ankor Wat tuckern. Will nochmals den Sonnenaufgang hinter dem Haupttempel sehen und fotografieren. Dass ich nicht der einzige bin, weiss ich von früheren Besuchen. Aber was mich da antrifft, ist eine chinesische Invasion! Wohl zu Tausenden werden die Leute aus dem Reich der Mitte mit Bussen und Tuktuks herangekarrt und nehmen laut und rücksichtslos Besitz von Ankor Wat.

Vorbei sind die stillen, besinnlichen Momente in der grössten Tempelanlage der Welt aus dem 12. Jahrhundert, das Auftanken zwischen den energiegeladenen Ruinen. Ich schaffe es gerade noch, mich 15 Minuten lang von chinesischen Reisegruppen durch das Gemäuer des Bayon-Tempels schubsen zu lassen - dann ergreife ich panisch die Flucht, bitte meinen Tuktuk-Driver Reth, mich schleunigst ins Hotel zu führen und schliesse mich im Zimmer ein. Den ganzen Tag. Angkor sieht mich nicht so schnell wieder. Und was gäbe es sonst für Gründe, überhaupt nach Siem Reap zu reisen?

Dabei ist der Bayon mit seinen rund 200 fast 2m grossen Gesichtern an seinen Türmen schon in meiner Kindheit wichtig gewesen: In einem Bilderbuch "Alle Rätsel dieser Welt" hat mich ein doppelseitiges Bild dieses Bayon dermassen in Bann geschlagen, dass ich mir geschworen habe, diesen mal zu besuchen. Heute ist es schon zum fünftenmal gewesen. Zum letztenmal?

Mein Brüetsch Ruedi hat es mit seiner Frau Susy allerdings schon viel vor mir hierhin geschafft: 1967. Weshalb ich das so genau weiss? Ruedi hat nämlich damals vor der Abreise nach Kloten beide Flugtickets auf dem Küchentisch liegen lassen! Das ist damals noch ein Problem gewesen. Kein Ticket - kein Flug! Der Brüetsch hat mich per Zufall daheim telefonisch erreicht und hat mir eilends Anweisungen in den Hörer geschrien. So bin ich denn mit dem Velo zum Bahnhof geradelt, habe einem Taxichauffeur die Billette in einem Umschlag in die Hand gedrückt und ihn angefleht, sofort nach Kloten loszufahren. Nach einem Kontrolltelefon an den Flughafenschalter ist er dann losgebrettert. Das Flugzeug ist wegen dieses Lapsus mit über 30 Minuten Verspätung gestartet. Nun, wenigstens haben die beiden die Tempelanlage noch vor der chinesischen Invasion erlebt...

 

(Update 14.04.2018)

 


 

Schyssigriff

Ein Fotografenkollege, Sven Thomann vom Blick, hat sich vorgenommen, in jedem Hotel seine Aussicht aus dem Fenster zu dokumentieren. Ich tue das zwar auch manchmal, aber nicht so konsequent wie er.

Sind die Ausblicke in Bangkok, Koh Samui und Kampot bemerkenswert gewesen, habe ich hier in Phnom Penh etwas die Arschkarte gezogen! Von meinem Fenster aus sehe ich direkt an eine hässliche Fassade, die gleich 2m vor meinem Fenster hochragt. Dabei habe ich im Silver River Hotel schon mal ein anderes Zimmer mit Weitblick auf die Stadt belegt. Okay, ich bleibe ja nur eine Nacht da. Aber der Ärger mit dem Internet! Der Laptop hat nur draussen im Gang unter dem Router verwertbare Signale gefunden. Das Handy hingegen zwar im Bett und am Schreibtischchen auch nichts, nur auf der Toilette sitzend und leicht abgedreht kann ich eine einigermassen stabile Verbindung aufrecht erhalten.

Housi ruft morgens an, will sich nach meinem Befinden erkundigen und mir gute Weiterreise wünschen. Ich schildere ihm meine Situation, was die Kommunikation betrifft. Entsetzt schreit er: "Wasss?! Du hockisch uf der Schyssi, während du mit mir telefoniersch?"

Der kurze Flug von Phnom Penh nach Siem Reap ist auch von Nebengeräuschen begleitet: Neben mir sitzt ein kleines asiatisches Mädchen, das zuerst quengelt und mich dauernd tritt. Als ich mit ihr spreche und sie anlache, findet sie das lustig. Hält mir dann ihre Kotztüte und die Notfall-Anweisungen hin, die sie vor ihrem Sitz herausgeklaubt hat. Ich bedanke mich und stecke das Zeugs nach gespieltem Interesse wieder zurück. Das Ritual wiederholt sich aber nun zigmal, bis ich es nicht mehr lustig finde und mich demonstrativ abwende.

Eine Kotztüte hätte wohl jemand anderes gebraucht: Neben dem Band der Gepäckausgabe kotzt sich eine Khmer lauthals - wirklich lauthals - leer. Drei einheimische Frauen eilen ihr zu Hilfe, wollen ihr Wasser geben und sie fürsorglich auf die Toilette begleiten, aber die andere würgt laut weiter, zum Entsetzen vieler. Die nun auch plötzlich zu würgen beginnen - was nun wiederum ich lustig finde...

Dafür erlebe ich beim Zimmerbezug in Siem Reap eine wohltuende Überraschung: allein das Badezimmer mit freistehender Designer-Badewanne ist sicher grösser als mein "Schuhschachtel-Zimmer" in Pnohm Penh.

(Update 12.04.2018)

 


 

Gute Zeiten

Meine 16 Tage in Kampot sind eine angenehme Zeit gewesen. Zwar habe ich einiges, das ich mir vorgenommen habe, nicht tun können. Etwa eine Motorbike-Fahrt auf den Bokor Mountain. Das Wetter ist nie unzweifelhaft gewesen. Ich habe da oben schon mal ein Gewitter erlebt - puah! Und klare Fernsicht ist halt schon faszinierend, wenn du vom Gipfel auf Vietnam rüberschauen könntest.

Was soll's. Ich habe die Stunden mit dieser seltsamen "Patchwork-Familie" mit Housi, Kanitha und Kanchena genossen. Einer Gemeinschaft, die sich liebt, neckt, lacht, manchmal streitet, auf den Sack geht, sich versöhnt und trotzdem kaum zertrennlich ist. Der Abschied von den drei Freunden fällt mir deshalb auch wiederum recht schwer und bildet einen Kloss im Hals...

(Update 12.04.2018)

 


 

Halbwegs gute Kunde

Heute morgen erreicht mich eine Message von Kollege Roland, dem vor 18 Tagen im Spital in Bangkok ein Krebsgeschwür aus dem Magen entfernt worden ist. Vor zwei Tagen habe er endlich wieder mal etwas essen dürfen, zwar nur Suppe. Die Schmerzen seien erträglich. Aber er könne nicht umhergehen, weil er kaum Atem habe. Offenbar haben ihm die Ärzte zwei Rippen auftrennen müssen, um an Magen und Speiseröhre zu kommen.

(Update 11.04.2018)

 

 

Kampot - lea!

Sollte ich mich entscheiden, mal wirklich längere Zeit am selben Ort in Südostasien leben zu wollen, wäre Kampot ganz weit oben auf der Wunschliste. Dieses kleine Städtchen zwischen Kambodschas Hauptstadt Phnom Penh und Sihanoukville hat es in sich: es ist recht ruhig, sauber (für kambodschanische Verhältnisse jedenfalls) und überschaubar. Da fühle ich mich wohl. Mir imponieren die Häuser, die zumeist im Stadtkern im Stile der französischen Kolonialzeit gebaut sind.

Ansonsten hat das Städtchen nicht viel Spektakuläres zu bieten - vielleicht ausser dem Besuch des Bokor Mountain, aber der hat sich während meiner Zeit dieses Jahr stets im Dunst zu verstecken versucht. Und abends läuft hier nix, ab 23 Uhr bewegen sich fast nur noch die Ratten in den Strassenrinnen...

Trotzdem: Stundenlang könnte ich hier sitzen, einen Avocado-Shake schlürfen, den spielenden Kindern auf Kampots Flaniermeile zuschauen, mit den beiden Jungs und ihrer Drohne herumalbern. Oder der Bäuerin im typischen "Khmer-Pyjama" zuschauen, die ihre Produkte per Velo in die Stadt bringt und vor den Restaurants lautstark feilbietet.

Nur der Töffliverkehr ist - zumindest während des Stossverkehrs - gewöhnungsbedürftig. Hier gilt zwar Rechtsvortritt, aber so eng sieht das kaum einer. Erstaunlich, wie sich die Khmer mit Blicken und Kopfneigen im Chaos verständigen, ohne dass es Zusammenstösse gibt.

Die Aussicht von meinem Eckzimmer-Balkon im Little Garden Guesthouse auf den Preaek Tuek Chhou ist schlicht genial. Auch heute abend geniesse ich den Blick auf den Kampot River, der seine Laufrichtung mit den Gezeiten wechselt.

Morgen ziehe ich per Taxi mit Housi, Kanitha und Kanchena weiter nach Phnom Penh. Die drei werden Kanithas Familie besuchen; die kleine Kanchena wird wieder mal ihre leiblichen Eltern und ihren Bruder sehen. Ich werde gleich anderntags nach Siem Reap fliegen und mir zum x-tenmal Angkor Wat reinziehen...

Deshalb heisst es morgen: Kampot - lea! Byebye Kampot!

 

(Update 10.04.2018)

 


 

Vogelkotze 2

Wohl tausende von Mauerseglern schwirren allabendlich über Kampot. Viele Einheimische halten sich auf ihren Dächern grosse Vogelhäuser mit Kollonien dieser Tiere, die mittels Vogelgezwitscher über Lautsprecher angelockt werden (siehe Video). Mit herausgewürgtem Schleim bauen die Vögel, voneinander animiert, emsig Nestchen, die regelmässig von den Menschen "geerntet", gereinigt und für gutes Geld als Suppeneinlage vor allem nach China und Japan verkauft werden. Denn die Reichen aus diesen Kulturkreisen schwören auf die heilende Wirkung dieses Vogelschleims auf Gehirn und Libido und sind deshalb dazu bereit, für die spleenige Delikatesse Bird Nest Soup ein Heidengeld hinzublättern.

Ich verzichte gerne auf die teure "Leckerei". Ob sie was bringen würde - allein, mir fehlt der Glaube.

(Update 08.04.2018)

 


 

Im falschen Film

Was der SCB während meiner Abwesenheit in Südostasien so werkelt, ist mir nicht egal. So kann ich es mir nicht verkneifen, nach dem Wasserlassen morgens kurz nach 5 Uhr (Zeitverschiebung 5 Stunden), den Laptop anzuwerfen und zu schauen, wie es um den SCB im Halbfinal steht. Und was lese ich da auf der ersten Seite des Online-Portals der "Berner Zeitung" gleich unter dem Logo? Von einem Massaker in Münster - und daneben, dass die Zürcher Kantonspolizei ein gepanzertes Fahrzeug kriegt. Erst an vierter Stelle finde ich "Der ZSC steht im Final und trifft auf Lugano"! Aber das interessiert mich so formuliert nicht. Ich will den SCB in einem Titel lesen können!

Schon bei den vorangegangenen Playoff-Spielen habe ich mich masslos geärgert (aber eigentlich schon lange zuvor), dass die Bildstrecken mit Agenturbildern bestückt gewesen sind - Fotos, die auf jedem anderen Portal längst gesehen und "abgeguckt" worden sind. Erst anderntags sind die Serien jeweils halbherzig durch Bilder der eigenen BZ-Fotografen ergänzt worden.

Ihr Zürcher Obermedienstrategen: Seit längerem ist so offensichtlich, dass ihr die beiden Berner Tageszeitungen an die Wand fährt und ihre Onlinerei gleich mit dazu. Suppenkasperli, Toneli und euer Gefolge, es gibt tausende von Leuten, die kein "Züüri-Züügs" wollen, die für einen Service aus Berner Sicht bezahlt haben - noch...

(Update 08.0.2018, 05.15 Uhr)

 


 

Rabbit Island

Die kleine Insel vor Kep, die eigentlich Koh Tonsay heisst und lediglich 1,7km2 gross ist, erreichen wir nach einer 40minütigen Rumpelfahrt auf den Motorbikes und einer 25minütigen Bootsfahrt. Dabei gleichen die letzten Strassenkilometer vor Kep Beach mehr einer kaum befahrenen Autobahn oder einer Flugpiste! Was hat das Regime um Minsiterpräsident Hun Sen denn da wieder im Sinn? Weitere Landverpachtung und Bau von Spielkasinos en masse für die Chinesen? Und damit Vernichtung von Agrarland und "normalem" Tourismus wie in Sihanoukville und im Norden von Kampot? Eine Rechnung, die über kurz oder lang nicht aufgehen wird. Nichts desto trotz werden all die Deppen am WEF in Davos dem Despoten beim nächsten Besuch wieder zujubeln und sein zweifelhaftes Tun beklatschen! Wird nun auch Kep und selbst das malerische Rabbit Island den Chinesen zur Invasion dargeboten? Mir graust.

Noch macht Kanchena in einer Hängematte ein Mittags-Nickerchen. Aber was hier in diesem Land zurzeit abgeht, ist ihre Zukunft, Herrschaft nochmal!

Zuvor ist sie allerdings einem Irrtum aufgesessen: Als nämlich ein Schiffchen mit einer Handvoll Touristen in orangen Schwimmwesten am Strand vorbeigetuckert ist, hat sie sich tief verbeugt, die Händchen zu einem "Wai" zusammengelegt und gerufen: "Bye bye, munch!" Denn das kleine Mädchen hat geglaubt, die Personen auf dem Schiff seien alles Mönche in ihren typischen orangen Mönchskutten!

Mein persönliches Fazit von diesem Ganztagesausflug: ich bereue ihn nicht, Kaninchen habe ich zwar kein einziges gesehen auf der Insel! Dafür sechs gackernde Hühner, zwei aufdringliche Katzen und einen stinkenden Hund. Ein Hund ist aber einer zuviel. Und ich habe wieder mal feststellen müssen, dass ich definitiv nicht für die Seefahrt geschaffen bin...

(Update 05.04.2018)

 


 

Zählen lernen

Der inzwischen 2jährige Wirbelwind Kanchena wächst zweisprachig auf. "Ua, tuu, tee, foo, fä, igg..." rapportiert sie stolz. Und spreizt ihre Fingerchen entsprechend ab. Da ihre Pflegeeltern Kanitha und Housi gezwungenermassen miteinander englisch sprechen, bekommt das kleine Mädchen natürlich mehr von dieser, als von seiner Muttersprache Khmer mit. Der meist erwähnte Begriffe, den Kanchena neben den Zahlen benutzt, ist zurzeit: "Ice cream", "No!", "Thank you!", "Hello", "Bye bye" und "Now more!". Wenn sie also plötzlich Housi - ihren "Da" (Grossvater) nicht mehr sieht, plappert sie: "Now more Da?" Sie hängt an ihrem Da - und er an ihr, meine Güte! Das ist aber gut so. Natürlich gibt sich Kanitha alle erdenkliche Mühe, dem Mädchen auch seine eigentliche Muttersprache zu vermitteln und wechselt von Englisch auf Khmer und umgekehrt. Ich bewundere sie! Einen weiteren Spruch hat Kanchena in ihr Repertoire aufgenommen "Go seiche." Aber halt, das ist ja Berndeutsch.

Spätestens wenn Kanchena aber schulpflichtig wird, stellt sich die Frage: Welche Schule soll sie besuchen dürfen? Eine einheimische Ausbildung die des Mädchens richtige Eltern in Phnom Penh kaum etwas kostet, oder eine englischsprachige Schulung, die ins Geld geht (selbst in Kambodscha), aber dem "clyne Gschöpfli", wie Housi den Wirbelwind nennt, mehr Chancen eröffnet. Kanchenas Eltern könnten sich diese Ausbildung nie und nimmer leisten! Zumal die Kleine in Phnom Penh extreme gesundheitliche Probleme wegen des Smogs hat und deshalb bei Kanitha und Housi im "sauberen" Kampot lebt.

(Update 03.04.2018)

 


 

Lebenszeichen

Gegen Abend erreicht mich eine kurze, erfreuliche Message von Kollege Roland Käser, zurzeit im Spital in Bangkok mit teilentferntem Magen nach Magenkrebs: "hoi bin auf dem weg der besserung kann aber bis jetzt nichts essen bin auch immer sehr müde und viel schmerzen gruss"

Das knappe Lebenszeichen von Role beruhigt etwas. Gestern habe ich bei seiner Thaifrau Kanja in Lamai nachgefragt. Sie hat verhalten Hoffnung verströmen lassen: "Loland is good every day a little bit better"

(Update 02.04.2018)

 

 

Blumen für Mauz

Wir setzen Danielas Wunsch um und übergeben im Gedenken an ihre vorgestern verstorbene Mutter Mauz Lotosblüten dem Preaek Tuek Chhou, der die Blumen irgendwann ins nahe Meer tragen wird. Housis Partnerin Kanitha hat diese zuvor auf dem Markt von Kampot erworben. Die kleine Kanchena, Pflegekind aus Kanithas Familie, ist vom Blumenstreuen so begeistert, dass sie alle greifbaren Blumen auszupfen und in den Kampot River werfen will. Mauz wäre sicher gerührt, könnte sie ihr zuschauen.

Kanitha hat mich vorgängig belehrt: Lotosblüten sind die Blumen von Buddha. Man übergibt die Blütenblätter einzeln einem Gewässer zum Weitertransport. Und legt damit den Stempel der Blume frei, auf den Buddha erstmals getreten sein soll, als er der Welt erschienen ist.

Sie fragt mich auch nach dem Namen der Verstorbenen. Und wiederholt mehrmals "Mauz - Margrit". Ich vermute, dass die praktizierende Buddhistin Danielas Mutter in ihr nächstes Gebet einbinden wird!

(Update 01.04.2018)

 


 

Traurige Nachricht

Heute empfange ich per WhatsAp eine Mitteilung von meiner langjährigen Arbeitskollegin Daniela, die mich erschüttert: Mauz, ihre Mutter, ist letzte Nacht gestorben!

Daniela ist meine erste "richtige" Freundin gewesen, sie damals 18, ich 19. Hat mir recht bald "Mauzerle" vorgestellt. Die mich offensichtlich in ihr grosses Herze eingeschlossen hat. Und ich sie in meines.

Nachdem Daniela und ich um 1973 beschlossen haben, unsere Wege wiederum getrennt zu gehen, hat Mauzi über ein paar Jahre noch eine Foto von mir auf der Innenseite einer Küchenschranktüre hängen lassen und soll hie und da mit mir geplaudert haben... Das hat sie mir einmal bei einem Schwatz im Coop gestanden.

Daniela hat mich gebeten, in den nächsten Tagen, falls ich mich in Meernähe befinde, zu Ehren von Mauz eine Blume ins Wasser zu legen, denn Mauzi würde sich freuen, wenn Wind und Wasser sie forttragen würde. Das werde ich tun für Mauz!

(Update 30.03.2018)

 


 

Kopfrechnen

Bezahlen in Kambodscha ist nicht ganz einfach: Eigentlich heisst die Landeswährung Riel (= kleines Fischchen). Wird lediglich für kleinere Beträge im lokalen Handel benutzt. Etwa bei Garküchen an der Strasse oder in einfachen Restaurants. Aber meist bezahlt man in Dollar. Was mir grundsätzlich aufstösst. Aber es ist viel einfacher zu rechnen in dieser Ami-Währung.

In der Regel werden Differenzen unter einem Dollar in Riel zurückerstattet. Das heisst: "Usegäut" auf einen Dollar gibt es nur in Riel. Merke: Ein grosses Bier kostet 1$, mancherorts aber 50 US-Cent, also nicht mal 50 Rappen. 50 Cent kann aber keiner in Cent rausgeben. Münzen gibt es in Kambodscha keine. Auf eine Eindollarnote kriegt man somit 2000 Riel retour. Was dazu führt, dass sich die Riels irgenwann im "Gäutsecku" stappeln und auftragen. Die man regelmässig loswerden möchte. 4000 Riel gelten in der Regel als 1 US-Dollar. Aber die Khmer wollen natürlich auch wiederum ihre 100-, 500-, 1000-, 4000-, 10000- und 20000-Noten umsetzen. Und das zu recht! Aber das führt unweigerlich zu Problemen, weil die Einheimischen auch nicht gerne rechnen wie die Barangs (so heissen wir hier). Eine Serviererin ruft rasch ihrem Chef, er dann auch nochmals nachrechnet und sich dabei ausgiebig am Kopf kratzt. Und das kann dauern. Bezahlgänge verzögern sich so regelmässig. Aber das ist Kambodscha. Wer das scheut, braucht nicht herzukommen!

Beispiel? Mein Avocado Shake kostet 1 Dollar 50 Cent. Ich strecke der Serviererin eine Dollarnote und einen Riel-Schein über 5000 hin. Das sind rechnerisch 2 Dollar und 25 Cent. Sie sagt entsetzt: "No!" und gibt mir die Riels zurück. Hätte ich eine zweite Dollarnote hervorgeklaubt oder einen 2000-Riel-Schein, wäre für sie alles nachvollziehbar gewesen. Aber so? Geht nicht! Ist zu kompliziert zum Rechnen.

(Update 28.03.2018)

 

 

Kampot River

In Khmer heisst dieser Fluss eigentlich Preaek Tuek Chhou, aber Kampot River ist eindeutig einfacher auszusprechen als der Zungenbrecher. In den Abendstunden wird die Old Bridge - auch "Regenbogenbrücke" genannt - jeweils farbig beleuchtet. Dieser Farbenzauber lockt allabendlich Ruhesuchende und Verliebte zum Verweilen oder Flanieren an.

Als ich Kampot nach einem 75minütigen Flug von Bangkok nach Phnom Penh und einer zweieinhalbstündigen Taxifahrt erreiche, sind die Lichter schon angeknipst und bleiben es bis in die Morgenstunden. Ich schätze mich glücklich, von meinem Balkon aus freie Sicht auf den Fluss mit seiner Brücke zu haben.

Die Pont Entanou, wie sie ursprünglich geheissen hat, ist während der französischen Kolonialzeit errichtet, von den Roten Khmer im wahnsinnigen Bürgerkrieg aber zerstört, später jedoch wieder restauriert und für Motorbikes, Velos und Fussgänger benutzbar gemacht worden.

(Update 26.03.2018)

 


 

Krankenbesuch

Vorgestern ist mein Kollege Roland Käser nun im Bumrungsrad International Hospital wegen einer Magenkrebs-Erkrankung während einem 8stündigen Eingriff operiert worden. Heute besuche ich ihn ganz kurz auf der Intensivstation. Als ich im Türrahmen erscheine, erkennt mich Roland sofort und hebt kurz die rechte Hand zum Gruss. Aber er ist zu schwach und zu müde, um Besuch zu empfangen. Deshalb verabschiede ich mich augenblicklich wieder. Seine Frau Kanja, die in Lamai das Restaurant "Karo" weiterführt, hat mich gebeten, ihr von Roland eine Foto zu senden. Aber das Fotografieren lasse ich sein angesichts von Rolands bedauernswertem Zustand. Dieser Krankenbesuch ist mir extrem eingefahren! Ich hätte ihn nicht machen sollen - noch nicht; ich werde das Bild dieses sonst so stattlichen Mannes nicht los, wie er da erbärmlich an den Schläuchen hängt.

(Update 25.03.2018)

 

 

Daheim

Selfie in der Tischlampe von Room 191 im elften Stock. Die Aussicht aus meinem Hotelzimmer ist schlicht - atemberaubend! Mir ist relativ egal, wie meine Kollegen darüber denken, dass ich nunmehr seit 10 Jahren im selben Hotel in Bangkok absteige. Aber ihr Gespött ist mir so was von Wurst. Den Preis für etwas Luxus nehme ich in Kauf, denn ich wohne nicht gerne in einer Schuhschachtel! Hier fühle ich mich zuhause. Gehöre dazu. Nicht nur, weil ich jeweils einen Sack mit Ragusa bringe für den Staff. Die Schöggelis müssen sie sich aber verdienen. Einer der Gepäckträger begrüsst mich jeweils mit: "Söl, weucaaam hooom!" Und der alte Cashier will seine Mehrsprachigkeit zeigen und ruft bei meinem Eincheckenl: "Hello! Guten Abend mein Freund. Comment allez vous?"

(Update 24.03.2018)

 


 

Weg - nur weg!

Der Abstecher nach Pattaya ist etwas halbherzig erfolgt. Hätte ich da nicht meine Teilzeit-Reisekumpels Mätthu Anderegg und Jüre Widmer wieder treffen können - ich wäre nie an diese Stätte des Grauens zurückgekehrt.

Mätthu, Sesshafter in einem Vorort von Pattaya, hat uns in seinem Auto herumkutschiert und uns eine bezaubernde Landschaft in der Abendsonne rund um diese Grossstadt gezeigt, aber auch das "Guggitäli" in BanChang, einen seltsamen Ort in der Provinz. Ich wollte nicht, ich hätte diese Erfahrungen nicht auch machen und durch thailändische Hügel fahren können. Aber nun reise ich weiter mit einem Taxi nach Bangkok.

Heute habe ich eine Message von Kollege Roland Käser gekriegt: er wird morgen in einer 8stündigen Operation im Bumrungrad International Hospital in Bangkok an Magen und Speiseröhre operiert! Nach einer zermürbenden Wartezeit von fast einer Woche im Hotel nahe des Spitals. Mir liegt das Wohlergehen des Krebspatienten sehr am Herzen. Denn ich habe den Wünnewiler mit seiner Frau Kanja in den letzten Jahren in mein Herz geschlossen. Seine Thai-Ehefrau wird ihn kaum besuchen können,denn sie wird das gemeinsame Beizli "Karo" in Lamai Beach tapfer weiterführen müssen.

(Update 23.03.2018)

 


 

U-Tapao

Meine Uhr auf Koh Samui tickt unaufhörlich: Gligg, gligg gligg, gligg. Die Zeit hier auf der Insel ist bald abgelaufen. Es hat mir schlicht zu viele Touristen. Vor allem Russenrüppel. Wenigstens halten sich da die Chinesen noch in Grenzen. Das wird in Kambodscha wohl anders sein.

Nur einmal bin ich so früh im Jahr hier gewesen. Meist suche ich die "lowest season", denn da haben die Thais wirklich ein Lächeln übrig für die wenigen Besucher. Aber jetzt während der ausklingenden Hochsaison haben alle etwas genug, läuft so vieles als Routine ab. Und wenn ich die Touris in den Restaurants oder sonstwo beobachte, Paare, die sich mit steinerner Miene schweigend gegenüber sitzen, an ihren doofen Handys herumfummeln und in die Social Medias flüchten, möchte ich eigentlich kotzen. Nix Ferienstimmung, das läuft exakt wie zuhause.

Morgen wird mich eine Maschine zum U-Tapao international Airport bringen, wo ich von Mätthu und Jüre abgeholt werde.

(Update 19.03.2018)

 


 

Auszug

Mein Freundeskreis in Lamai Beach lichtet sich. Gestern sind Mätthu und Jüre weitergezogen, mit der Fähre nach Surat Thani, dann mit dem Zug weiter nach Hua Hin. Da ich nicht gern Schiffli fahre und auch lange Zugfahrten mit viel Gepäck verabscheue, habe ich sie ziehen lassen und vertrödle meine Zeit mit süssem Nichtstun, gelegentlichen Nahrungsaufnahmen, Lesen und so. Ich werde dann in ein paar Tagen wieder zu dem Duo stossen.

Der ehemalige Heimberger Richu Schober ist nach einem Blitzbesuch mit seiner Frau Nok längst wieder nach Maha Salakham zu seinem schmucken Mini-Resort in den Isaan zurückgekehrt.

Auch Hape, der Bäcker/Konditor aus Huttwil, wird morgen abfliegen; seine Ferien sind bald zu Ende. Seinen richtigen Namen kennt kaum einer. Nur so viel weiss ich: dass Hape nicht etwa für Hanspeter steht.

Und Roland Käser, der Wirt vom "Karo", ist ebenfalls seit gestern morgen früh weg, liegt nun im Spital in Bangkok. Er muss sich einen bösartigen Magenkrebs entfernen lassen, der arme Kerl. Während ich meine Füsse ruhen lassen und gegen die Palmkronen strecken kann.

(Update 16.03.2018)

 


 

Überm Berg

Motorbike-Ausflug zu dritt über die Berge von Lamai nach Maenam: Mätthu Anderegg (links) ist zu Jüre (rechts) und mir gestossen. Er lebt normalerweise etwas ausserhalb von Pattaya in einer Mietwohnung, hat vorgestern vormittags spontan einen Flug gebucht und uns schon abends hier in Lamai besucht.

Ein halbes Leben ist er für das IKRK rund um den Globus unterwegs gewesen. Vor zwei Jahren hat er sich frühzeitig pensionieren lassen und lebt nun meist in Thailand, manchmal auch bei seinem Bruder im Seeland. Seine philosophischen Lebensweisheiten sind tiefsinnig, unterhaltsam, bisweilen bildhaft und wohl nicht immer ganz ernst gemeint ("I muess mi doch mängisch chönne a öppisem häbe, süsch flügen i ja eifach dervo!") und könnten Bücher füllen...

(Update 14.03.2018)

 


 

Elektrisch Thai Style

Tagtäglich krabbeln Stromer auf wacklige Bambus-Leitern und hantieren an den typischen Leitungen über den Strassenzügen von Lamai. Ungesichert und inmitten des regen Verkehrs ohne Warnsignalisation. Dabei wird nicht etwa ersetzt, was marod ist, sondern einfach neu gezogen, aufgehängt und verflochten! Was soll's - das Zeuge funktioniert. Jedenfalls meist. Hie und da löst sich eben mal ein arg strapazierter Kabelstrang samt Transformer. Vorgestern haben wir von 6 bis 9 Uhr keinen Strom und auch kein Internet gehabt. Manchmal trifft es halt auch mal die Abendstunden. Wer nicht damit umgehen kann, sollte lieber nicht hierher kommen!

(Update 13.03.2018)

 


 

Jüre ist da

Seit mehreren Jahren bereisen Jüre Widmer und ich Thailand, aber noch nie haben wir einen gemeinsamen Treff in Südostasien geschafft! Einmal planen wir ein Wiedersehen auf dem Airport Phnom Penh, jedoch Jürgis Maschine aus Singapur landet verspätet. Und ich muss meinen Flieger nach Bangkok zwecks Heimreise unbedingt erwischen können!

Uns beide verbindet der gemeinsame Kollege Housi Hauert in Kampot, aber auch gelegentliche Velotouren mit E-Bikes in unserer Wohnregion.

Das Abstimmen unserer Reisepläne ist von einigen Missverständnissen geprägt. Aber was soll's: Jüre erreicht Lamai Beach recht spät am Abend. Treffen uns schliesslich im "Karo", der kleinen sympathischen Beiz von Kania und Roland Käser. Noina, die Zuständige im Service, wirbt natürlich sofort für den Hit auf der Speisekarte: Kutteln! Jüre hingegen möchte nur noch liegen und schlafen. Nach einem Flug von Phnom Penh nach Bangkok und später auf die Insel. Die Kutteln müssen also warten.

(Update 11.03.2018)

 


 

Stiftetreffen

Anna Rohner-Studer, Daniela Bacchi und ich haben von 1969-1972 beim Berner Tagblatt gemeinsame SchriftsetzerInnen-Lehrjahre verbracht. Während der Stifti haben wir recht viel zusammen unternommen, vor allem Daniela und ich... Wir beide haben auch über 15 Jahre in der Bildredaktion der Berner Zeitung BZ im selben Team gearbeitet und während dieser Zeit viele Hochs und Tiefs bewältigt.

Die beiden Frauen reisen seit Jahren fast jedes Jahr nach Thailand in die Ferien, diesmal nach Bophut Beach auf Koh Samui. Schon vor Wochen haben Daniela und ich abgemacht, dass wir uns auf der Insel treffen wollen. Die beiden Frauen besuchen mich heute Abend in Lamai Beach nach einer dreiviertelstündigen Sammeltaxifahrt. Gemeinsam essen wir im Sri Nuan Restaurant einen Fisch, der aber nicht so gut mundet wie wir es aus früheren Jahren gewohnt sind. Aber ein gelungener Abend wird es trotzdem. Ich habe mich jedenfalls riesig auf das Wiedersehen gefreut.

(Update 10.03.2018)

 


 

Zusammenschiss

Heute abend gibt's gleich nach meiner Landung auf Koh Samui währschaft Znacht in Tom's Bakery: Eh und Nestor Stucki-Patama kochen wieder mal für Kollegen Dörrbohnen mit Kartoffeln, Speck, Saucisson Vaudoise, Schüblig und Pfefferschinkli. Werner, ein Bayer, der wie die Stuckis hier in Lamai Beach lebt, steuert einen selbstgebackenen Apfelstrudel mit Vanillesauce bei.

Vor der Leckerei muss ich mir allerdings noch einen grausamen Zusammenschiss von Nestu anhören: "Me schrybt nid ersch zwe Tag vorhär, dass me chunnt!" Er ist stocksauer, weil ich ihm die bestellten Zigarren "Corrida Dominican Republic Toro+" nicht mitgebracht habe. Seine längst fällige SMS als Antwort auf meine Anfrage, was ich ihm mitbringen könne, habe ich erst eine Stunde vor meiner Abreise in Münsingen erhalten. Wenigstens kann ich vor dem Besteigen des Zuges noch schnell vom Bahnhof zur Migros rennen, um wenigstens zwei Päckli getrocknete Morcheln kaufen. Also den zweiten Teil von Stuckis Bestellung auszuführen. Nun - Nestu wird sich wohl irgendwann wieder beruhigen. Hoffentlich dauert das diesmal nicht allzu lange... Das Essen ist übrigens schlicht hervorragend!

(Update 09.03.2018)"

 


 

Fehlstart

Alle Passagiere sitzen dichtgepfercht und angegurtet in der Propellermaschine der Bankok Airways und warten auf den Abflug von PG 153 nach Koh Samui. Da knattert eine Stimme in den Lautsprechern und fordert kaum verständlich die Fluggäste auf, ihre Sachen zu ergreifen und die Maschine sofort zu verlassen. Wir schauen uns ungläubig an und glauben vorerst nicht richtig gehört zu haben. Jetzt erscheint ein verdatterter Steward und bittet uns alle, wegen eines Problems vom Flugzeug auf den bereitstehenden Bus umzusteigen. Wir werden an die Gate zurückgeschaukelt und warten da eine Stunde auf weitere Informationen. Plötzlich heisst es "Boarding!", und wir haben erneut die selbe Maschine zu besteigen. Weitere Informationen gibt es keine mehr ausser einem "Vely solly Söl!" der FlugbegleiterInnen, untermalt von einem süssen Lächeln.

(Update 09.03.2018)

 

 

Parade

Heute skype ich mit meinen Kumpels in Kambodscha, Housi und Jüre. Sie föppeln mich wieder mal aus, weil ich seit Jahren am selben Ort in Bangkok wohne. Stundenlang könnte ich vor dem Hotel an einem Tischchen bei einem Bierchen, Käfeli oder Soda sitzen und Strassenszenen verfolgen, Menschen beim Vorbeigehen beobachten, das pulsierende Leben wie einen Film an mir vorbeiziehen lassen, quasi die Parade abnehmen. Das bunte, laute Treiben ist ein Kontrast zu meinem in der Regel ruhigen, abgeschotteten Leben im Reihenhäuschen der Überbauung Holiday zu Hause. Deshalb brauche ich zum Start meiner richtigen Holidays immer zuerst zwei, drei Tage Bangkok.

Morgen werde ich an den Palmenstrand von Lamai Beach auf Koh Samui fliegen und ganz viele Bekannte treffen: Einheimische, Ausgewanderte und Erholungsuchende aus meiner heimischen Umgebung. Auf die alle ich mich riesig freue. Davon aber wohl später.

(Update 08.03 2018)

 


 

Ausgezwitschert

Bangkoks Chuvit Garden steht vor dem Aus! Bald keine Vogelstimmen mehr, weder echt, noch aus Lautsprechern. Dieses seltsame Fleckchen Erde, eine kleine grüne Lunge Bangkoks, ist mir über all die Jahre ans Herz gewachsen.

Chuvit Kamolvisit hat den Garten 2006 erschaffen. Allerdings nicht ganz freiwillig. Der Parlamentarier ist nämlich Besitzer dieses Grundstückes im Zentrum Bangkoks an der Sukhumvit, das einen Millionenwert hat. Früher haben sich dort um die 120 verschiedenste Geschäfte befunden, meist Massage-Salons und Pool-Bars. In den frühen Morgenstunden des 26. Januar 2003 sind diese Gebäude mutwillig zerstört worden. Chuvit ist danach vor Gericht vorgeworfen worden, die Polizei für diese Räumung "gekauft" zu haben. Nach seinem Freispruch hat er sich verpflichtet, das Areal während 7 Jahren nicht zu überbauen und damit auf erklecklichen Profit zu verzichten. Er hat diesen Termin zu anderer Nutzung während fast 8 weiterer Jahre verstreichen lassen.

Allerdings haben schon vor Jahresfrist dubiose Plakate eine Renovation des "verwunschenen Gartens" angekündigt, dem Eldorado für Jogger und Ruhe Suchende. Die markanten ziselierten Kugeln auf den Zaunpfosten sind in den letzten Monaten verschwunden. Und anderes mehr. Dafür warnen Plakate vor unrechtmässigem Eindringen in das Gelände und verweisen auf rigorose Kamera-Überwachung hin. Eine weitere Info-Tafel besagt, dass der Garten auf unbestimmte Zeit geschlossen sei. Chuvit Kamolvisit holt sich nun schleichend zurück, was er wohl schon 2003 geplant hatte...

(Update 07.03.2018)

 


 

Abheben!

Meine rechte lädierte Schulter macht mit - den ausgiebigen Ferien in Südostasien steht nichts mehr im Weg! Bin ich froh, kann ich dem weissen Dreck, der in der Schweiz noch überall rumliegt endlich entfliehen. Dabei gehört der in die Berge und nicht auf Felder, Strassen, Trottoirs und Dächer.

Kein Flug allerdings ohne zwei "Häfen" Erdinger Bier vor dem Boarding. Das gehört sich so für mich lässt einen so schön dösen während der zehneinhalbstündigen Flugtortur nach Bangkok.

Seltsames erlebe ich vor dem Abflug: Am Vortag ruft mich ex Chefredaktor Andreas Zgraggen aus heiterem Himmel an und will mir einen Bildauftrag für sein neues Buch geben. Sicher 12 Jahre habe ich nichts mehr von ihm gehört oder gesehen. Aber ich winke ab, denn ich habe wirklich keine Zeit mehr dazu. Dafür gebe ich ihm die Handynummer von Ürsu Buume. Der hat sicher Zeit. Als ich heute in Zürich einchecken will kommt mir plötzlich ex Chefredaktor Beat Hurni entgegen. Ihn habe ich wohl 22 Jahre nicht mehr gesehen. In seinem zerknitterten Mantel erinnert er mich irgendwie an Columbo, hat jetzt aber viel längere und ergraute Haare. Er erkennt mich nicht, obschon er mich fast überrennt und strebt dem Checkin 3 der Swiss zu. Ob er wohl nach Italien fliegen will? Ich bin so paff, dass ich nicht mal Piep sagen kann!

Da hätte jetzt nur noch der Michel Hug als dritter im Bunde der ehemaligen Chefs gefehlt...

(Update 06.03.2018)

 


 

Spielverderber?

Die rechte Schulter könnte mir einen Strich durch die ersehnten Ferienpläne machen! In der Nacht vom Sonntag auf Montag meldet sich plötzlich ein unangenehmer Schmerz, der Tage anhält, mich kaum Hemd und Jacke anziehen und schlafen lässt. Auch Autofahren wird zur Tortur. So touchiere ich gestern beim Einfahren in die Migros-Einstellhalle den Pfosten und demoliere den rechten Kotflügel. Sch...!

Untersuchung dann im Orthopädischen Zentrum mit Röntgen und Bewegungstests. Der Arzt runzelt die Stirne: "Soso, Sie wollen am Dienstag nach Asien fliegen? Da kann ich nur eines anbieten - Spritze direkt zwischen Gelenkkugel- und -pfanne!" Eine Helferin muss meinen Arm nach unten zerren, damit der Arzt durch den so entstandenen Spalt den Schuss setzen kann. Die Spritze ist sehr unangenehm. Aber der Schmerz lässt nach Minuten etwas nach.

Nun muss ich bis Montag warten, bis entschieden wird, ob ich tags darauf abheben kann!

(Update 02.03.2018)

 

 

Genug!

Meinen Stimmzettel habe ich längst ausgefüllt und in den Gemeindebriefkasten geworfen. Für mich ist immer klar gewesen: NEIN zu dieser unsäglichen No-Billag-Initiative. Nicht weil ich die SRG so toll finde. Da liegt vieles im Argen. SRF-Programme sind über weite Strecken schlicht peinlich: Etwa die Einschleusung verblasster Pseudo-TV-Stars in Ratesendungen. Massloser Selbstbeweihräucherung sondergleichen. Moderatoren, die stets "etwas machen" und so tun als würden sie helfen, Von Einstein bis Weissichwas. Immer dasselbe Muster. Hartmann am Freitag abend und am Samstag abend. Dazu ModeratorInnen (Tagesschau, 10vor10, Rundschau, Sport usw.), die nicht korrekt Hochdeutsch sprechen können, nach Gutdünken Worte und Sätze betonen, nicht wissen, wann ein Ch rauh oder weich gesprochen wird. Basics eben.

Trotz Ärger mit dem SRF: NEIN zu dieser unsäglichen Initiative aus SVP-Kreisen, die sich stets ausschliesslich populistischer Themen bedient! Alles andere als ein Nein wäre unfair, unsozial, dumm. Anderssprachigen Minderheiten, aber auch Gehörlosen und Blinden gegenüber, die von einem wichtigen Zusatzdienst dank Billag profitieren. Also: sei kein Stinkstiefel und lege ein Nein zu dieser depperten Initiative ein!!!

Ich jedenfalls möchte nicht noch mehr Werbung übers SRF reinziehen: Täglich noch mehr Russis Brillen- und Autowerbung, Fischers Bettwarenfabrik, doofe Klischees von Caritas, rosarotes Widerliches von Siroop etwa bis zum Erbrechen? Meine Schmerzensgrenze ist längst erreicht!

 

Ich sage auch nein zu dieser widerlichen Jahreszeit, zu diesen arktischen Temperaturen und zu all dem weissen Scheiss, der wiederum überall auf Dächern, Strassen und Feldern herumliegt und bestenfalls in die Berge gehören würde. Ich habe einen Flug nach Bangkok gebucht und werde demnächst abhauen. Mehr demnächst in diesem Theater. Aber halt: da ist noch etwas...

(Update 01.03.2018)

 


 

 

Bilanz

Licht und Schatten haben sich gelegentlich zwar abgewechselt. Es hat ein paar düstere Momente auf meiner "Flucht" nach Südostasien gegeben. Gesundheitliche Probleme mit Husten und Drehschwindeln etwa. Ich habe mal sogar erwogen, meinen Rückflug in die Schweiz vorzuverschieben, koste es was es wolle. Habe wohl in jeder zweiten, dritten Nacht immer wieder von verpatzten Bildterminen in meinem früheren Leben als Pressefotograf bei der BZ geträumt, bin schweissgebadet aufgewacht und habe mir nach einer Pinkelpause zurück im Bett die nahtlose Fortsetzung des Traumes aufzwingen lassen müssen. In einem Wellental bin ich mir kurz vorgekommen, als würde ich im Hotelzimmer vor lauter Langeweile auf den Tod warten. So ein Seich! Blatter, du bist ein Arschloch! Reiss dich zusammen.

Doch nun bin ich plötzlich versucht, meine Rückkehr rauszuzögern, Kosten hin oder her. Aber das sind natürlich nur zuckersüsse Fatastereien. Schliesslich habe ich nach dem 9. November, dem Tag meines Rückflugs, Verpflichtungen zu erfüllen: etwa bei der Aaretaler Volksbühne und dem SCB. Wortbrüchig werde ich grundsätzlich nicht.

Fazit: es ist eine super Zeit gewesen, in Kambodscha wie in Thailand, mit unauslöschlichen Eindrücken. Wiedersehen mit Kumpel Housi, seiner Partnerin Kanitha und der kleinen Kanchena (Bild 2. Reihe links, mit Housi als Vortänzer), fotografierende Mönche auf den schroffen Felsen des Bokor Mountain (2. Reihe rechts) etwa. Habe mit extrem spannenden neuen Leute diskutieren können. Etwa mit einem Ladyboy, der sich höflich erkundigt, ob er sich an meinen Tisch setzen darf, bis der starke Regen etwas nachlässt und mir erlaubt, ein Porträt von ihm zu machen (3. Reihe links). Mit Thuri, dem 72jährigen Weltenbummler-Koch; dem ü70er Roland aus Meiringen, der regelmässig den Jungfrau-Marathon macht. Ruedi, dem alleinerziehenden Vater von drei Buben, dem mit 57 gekündigt worden ist, der aber danach erfolgreich nochmals um eine Anstellung in leitender Funktion gekämpft hat. Wiedersehen mit Hape, dem Bäcker aus Huttwil. Dem Wirtepaar Kanya und Roland, den ich kurz vor meinem Abflug im Bumrungrad International Hospitall in Bangkok besuche und der dort auf eine Magenoperation wartet (3. Reihe rechts). All die lieben Thai-Leute in Tom's Bakery (voran Ann, Aom und Nam, deren zukünftiger Ehemann offenbar vor ein paar Tagen eine Hirnstreifung erlitten hat, wenn ich das richtig verstanden habe und seinen Job als Taxidriver zurzeit nicht ausüben kann), bei Wolle im Café 99 an der Lindenstrasse, dem Staff beim Berner Stefan im Samui Pub, den freundlichen Bauern rund um Kampot, die täglich ihre Ernte zu Markte fahren - mit der Ehefrau als Stabilisatorin auf dem wackligen Gefährt (3. Reihe rechts). Am vorletzten Abend in Bangkok lerne ich zufällig im Suda Restaurant noch zwei junge Supertypen aus Basel kennen: Ritchie, Verkaufsleiter und DJ, sowie Stefano, Informatiker, der bald nach Mexiko auswandern wird und zusammen mit einem Kollegen dort ein Business in der Hotellerie aufbauen will. Er wird in einer der nächsten Staffeln der "Auswanderer" im SF eine Rolle spielen. Stefano habe ich mein letztes "Klickklick" geschenkt, das mir im Koffer übriggeblieben ist.

Und einmal während dieser bewegten Zeit habe ich sogar ganz kurz Schmetterlinge im Bauch verspürt...

(Update 8.11.2017)

 

 

Umstritten

Im Thaiboxen gelten eigene Regeln, die ich nicht genau kenne. Normalerweise gewinnt in der wöchentlichen Boxing Night hier in Lamai stets der/die Thai gegen den/die AusländerIn. Heute sind die Ladies an der Reihe. Zufallskollege Ruedi und ich erhöhen das Preisgeld der blonden Belgierin (Bild links) um je 100 Baht, trotz Befürchtung, dass sie gegen ihre Gegnerin, deren Geschlecht nicht eindeutig zu eruieren ist, chancenlos sein wird. Doch gefehlt - die Lady aus Belgium überrascht mit ihrer Schnelligkeit, ausgefeilter Technik und wird zur verdienten Siegerin ausgerufen.

Auch eine ganz junge Thai unterstützen wir finanziell. Seltsamerweise muss sie gegen einen Jungen antreten, der die zierliche Frau dreimal einfach umreisst. Doch eigentlich ist sie ihm technisch und treffermässig weit überlegen. Zu unserem Erstaunen und Ärger wird der Kampf aber unentschieden gewertet.

(Update 4.11.2017)

 


 

Loi Krathong

Für die schüchterne Aom (Bild rechts) und die übrigen Frauen vom Staff in Tom's Bakery ist es Ehrensache, für das thailändische Lichterfest in Handarbeit selbst ein Schiffchen aus einem Bananenstrunk, Blumen, Blättern, Kerzchen, Räucherstäbchen und ein paar Münzen zu basteln, das nach dem Eindunkeln einem Fluss oder dem Meer übergeben wird und sanft davonschaukelt. Anstelle von Bananenstrunks werden zunehmend auch halbe Kokosnusschalen und selbst Brotteig verwendet, der sich im Wasser langsam auflöst und so zu Nahrung für Fische wird.

Für die unliegenden Bauern ist das Lichterfest ein enorm wichtiger Einnahmezweig, weil sie da schon fertig fabrizierte Flösschen und allerlei Leckereien, die ihr Land hergibt, anbieten können.

Loi Krathong gilt neben Sonkran, dem Wasserfest, als einer der wichtigsten Feiertag in Thailand und wird landesweit bei Vollmond im November gefeiert. Dieser alte Brauch stammt vermutlich aus Indien. Die schwimmenden Flöße haben die Bedeutung, allen Ärger, Groll und alle Verunreinigungen der Seele loszulassen, so dass das Leben neu von einer besseren Warte aus begonnen werden kann. Die Thais machen sich mit Verwandten oder Freunden auf, im Sinne eines Volksfestes wird auf den Straßen reichlich gegessen und getrunken. Das Wässern der Flößchen ist auch besonders bei jungen Paaren beliebt, die damit auch ihre Zusammengehörigkeit unterstreichen. Ein friedlicher, schöner Brauch. Der allerdings etwas getrübt wird, weil sich vermehrt auch Touristen beteiligen und sich respektlos den Thais vordrängen. Ich sehe da plötzlich Parallelen zum Berner Zibelemärit...

(Update 3.11.2017)

 

 

Leckereien

Die Küche in Lamai ist vielfältig und hervorragend, vorausgesetzt, Hungrige wissen wo was zu suchen ist: Red Snapper mit Chilli und Basilikum, dazu Gemüsereis bei "Mr Phu's" - Kutteln mit Häpperastock beim Deutschfreiburger Roland im "Karo" - Spicy Green Curry with Seafood and Rice im "Thai Mam Restaurant", Gaisburger Marsch mit Sauerbrot beim deutschen Wirt Wolle im "Café 77" - gebratene Entenbrust an Orangensauce im "Salathai" - Chicken with Cashewnut im "The Kitchen" - das und viel Leckeres mehr gibt es in Lamai zu futtern. Für jedes Budget ist etwas erhältlich. Aber teuerer ist nicht immer zwangsläufig auch gut. Seitenstrassen sind jedenfalls immer vielversprechender punkto Nahrungssuche.

Von Schickimickizeugs halte ich eh nicht viel. Drum halte ich mich ans "Thai Mam Restaurant", denn da wird wirklich richtiger Thaifood gekocht, da setzen sich der thailändische Wirt oder seine kochende Frau noch an den Nebentisch zum Plaudern in Thinglish, wenn gerade wenig läuft. Bei Wolle hingegen wird am und um den Stammtisch deutsch, hochdeutsch, gesprochen zum Verzehr all der schwäbischen Köstlichkeiten. Will man aber kommunizieren, wie einem der deutschschweizer Schabel gewachsen ist, dürfte Tom's Bakery die richtige Adresse sein (Tom ist zwar längst nicht mehr in Lamai, sondern in der Schweiz) oder aber das kleine "Karo" von Roland, dem Freiburger.

Der Touristenort, den ich vor zirka 20 Jahren kennengelernt habe (damals noch ein Geheimtipp für Backpacker), ist trotz vieler Veränderungen überschaubar geblieben. Ich liebe ihn. Deshalb bin ich auch so lange in Lamai geblieben wie noch nie. Nicht nur wegen der kulinarischen Köstlichkeiten! Und ich werde wohl immer wieder dahin zurückkehren wollen.

(Update 28.10.2017)

 

 

Sunset?

Heisst Sonnenuntergang auf Englisch nun sunrise oder sunset? Ich weiss es schlicht nie auf Anhieb. Jedenfalls haben mich gestern Ann und Nam, die tagtäglich zwischen 12 und 22 Uhr in Tom's Bakery Gäste bedienen, eingeladen, heute mit ihnen und Nams Partner, dem Taxifahrer, einen bezaubernden Sonnenuntergang zwischen Lamai und Naton zu bewundern. Da sie beide sieben Tage die Woche arbeiten, haben sie nie Gelegenheit, einen Sonnenuntergang zu sehen. Und da Tom's Bakery wegen der königlichen Trauerfeier heute schon um 14 Uhr schliesst, wollen sie die Gunst der Stunde nutzen. Die beiden jungen Frauen haben mir allerdings eine Auflage gemacht: ich müsse unbedingt in einem schwarzen Shirt erscheinen, wie es an diesem Tag schicklich sei. So sind wir denn gestern zu dritt in aller Eile ein T-Shirt in Nilpferdgrösse kaufen gegangen!

Als wir endlich einen geeigneten Strand finden, erkennen wir sofort: aus dem geplanten Foto-Shooting mit Ann (Bild oben), Nam und ihrem Boyfriend (rechts) vor der untergehenden glutroten Sonne wird heute nichts - eine hässliche Wolkenwand baut sich auf...

(Update 26.10.2017)

 


 

Ein Land nimmt Abschied

Ganz Thailand schaut TV! Die Übertragung der vielstündigen Trauerfeier mit Einäscherung des so beliebten Königs Bhumibol Adulyadej beginnt schon morgens um 9 Uhr. In wenigen Minuten ist Mitternacht - und das thailändische Fernsehen sendet immer noch nonstop. Mehrere Stunden habe ich mir selber reingezogen. Habe live gesehen, wie unser aBR Deiss dem umstrittenen Thronfolger Maha Vajiralongkorn den Talpen geschüttelt hat.

Es soll die weltweit teuerste (rund 80 Mio Franken) und längste Trauerfeier aller Zeiten sein. Banken, Läden, Bars und die meisten Restaurants sind geschlossen. Abspielen von Musik ist verboten. In Bangkok sowieso, aber selbst hier auf Koh Samui, wo vieles etwas unbeschwerter gehandhabt wird. In den ganz wenigen Beizen, die trotz gegenteiliger Empfehlung der Militärregierung geöffnet haben, gibt's keinen Alkohol, und die Bediensteten kleben am Bildschirm. Jeder Thai soll schliesslich Abschied vom König nehmen können! Recht so.

(Update 26.10.2017)

 


 

Stromausfall

Ausgepowered in ganz Lamai Beach auf Koh Samui ab punkt 9 Uhr früh! "No electric all day!" höre ich von der Receptionistin in meinem Hotel. Bravo. Bei einem kurzen Ausflug sehe ich den Grund: zwei Männchen turnen im Kabelsalat über unseren Köpfen vor Tom's Bakery und müssen partout heute einen Transformer auswechseln. Ausgerechnet heute, einen Tag vor dem Tag X, an dem noch so vieles ins Lot gebracht werden sollte, bevor der König eingeäschert wird, alles in Thailand Kopf steht, alle Läden, Restaurants und Bars geschlossen bleiben müssen, sowieso kein Alkohol verkauft werden darf, alle Menschen schwarz gekleidet sein sollten. Aber keiner weiss genau Bescheid, wie lange das Gedenken an den vergötterten verstorbeben Monarchen andauern soll und mit welchen Konsequenzen. Hamsterkäufe in den Filialen von Seveneleven, Family Mart und Lotus haben bereits vor Tagen eingesetzt.

Bis 15 Uhr funktioniert in Lamai kein Bancomat, keine Aircon, kein Fan, es ist brätschheiss, auch für die Einheimischen, die sich mit allem Erdenklichen kühlere Luft zufächeln.

(Update, 25.10.2017)

 


 

Land unter

Die heftigen Regenfälle über Südthailand sind längst angekündigt gewesen. Die Militärregierung hat sogar zu Wachsamkeit aufgerufen. Eine meteorologische Ausnahme-Situation ist angekündigt worden, die sehr wohl erneut zu Überschwemmungen führen könnte. Weil der Anstieg des Wasserstandes vom Meer her die Flussmündungen am Golf von Thailand "blockieren" und ein normales Abfliessen des Regenwassers innert nützlicher Zeit beeinträchtigen könnte.

Heute öffnet der Himmel über Bangkok wie prognostiziert mit Blitz und Donnerschlag hemmungslos all seine Schleusen. Die Soi 4 ist innert Kürze überflutet, auch übrige Strassenzüge. Aber die Menschen nehmen das gelassen. Auch ich. Trinke kurz einen langen Kaffee erhöht sitzend unter dem schützenden Hotelvordach, schaue dem Naturschauspiel fasziniert zu, mache ein paar wenige Handybilder, plaudere mit Hotelangestellten auf Thinglish (=Thai-Englisch). Erledige Bürodienst: beantworte Mails,etwa jenes von Barbara in Steffisburg, nehme Buchbestellungen entgegen und vertröste auf den 9. November, mache monatliche Zahlungen, telefoniere mit Nestu auf Koh Samui und Rösti-Richu in Maha Salakham, skype/whatsappe mit Housi und Kanitha in Phnom Penh, Brüetsch Ruedi in Rothrist, Kathrin in Bern, Sohn Erik in Thun. Und muss mir immer und immer wieder einreden - kein schlechtes Gewissen haben zu müssen, weil ich so faul bin und in den Tag hinein lebe...

(Update 21.10.2017)

 


 

Mogelpackung

Wenn's möglich ist, fliege ich innerhalb Südostasiens seit Jahren stets mit Bangkok Airways. Ist leicht teurer als andere, aber stets perfekt in jeder Beziehung. Schon beim Hinflug habe ich nicht schlecht gestaunt, dass dieser durch die Bulgaria Air durchgeführt wird. Das hat mich damals fast etwas belustigt.

Dass nun aber der Rückflug nach Bangkok ebenfalls durch diese Airline vollzogen wird macht mich stutzig. Als ich die Kiste als einer der ersten Fluggäste betrete und meinen Sitz 13D suche, merke ich kurz vor Reihe 13: Da riecht's aber streng! Ich versuche gelassen zu ignorieren und setze mich. Nach mir folgt eine Frau. Bei Reihe 12 angelangt, wirft sie den Kopf mit gerümfter Nase entsetzt seitwärts. Blickt mich dabei vorwurfsvoll an und schlägt sich ein Foulard vor die Nase. "Sorry, it's not me!" sage ich heiter und hebe entschuldigend die Schultern, um die Situation zu entkrampfen. Aber auch die nachfolgenden Passagiere reagieren beim Passieren ab Reihe 12 mit Nasenrümpfen.

Als nach dem Start das Essen serviert wird, vergessen wohl alle etwas den unangenehmen Geruch. Doch als der bulgarische Pilot schon früh zum Sinkflug auf Bangkok ansetzt, alle längst angegurtet sind (inklusive Cabine Crew), schnellt das hysterische Weib vor mir mit der Hand vorm Gesicht plötzlich auf und torkelt nach hinten. Per Lautsprecher wird sie sofort mehrmals zurechtgewiesen, sich sofort hinzusetzen. Eine Flugbegleiterin führt sie dann zurück auf ihren Sitz, nachdem sich die Hysterikerin wohl irgendwo im hinteren Teil der Maschine leergekotzt hat.

Sink- und Landeanflug dauern endlos. Vermutlich ist der Flugraum über Suvarnabhumi Airport überlastet. Der Bulgare am Steuer dreht wilde Volten - mal nach links, mal nach rechts, mal rauf, mal runter. Also ich bin ja nicht heikel was Turbulenzen beim Fliegen betrifft. Aber verstohlen taste ich nun doch nach dem Kotzsack in der Ablage vor mir... Nie wieder Bulgaria Air!

(Update 20.10.2017)

 

 

Zeitzeichen

Man könnte beinahe die Uhr nach ihnen richten: Pünktlich zwischen 17 und 18 Uhr laufen täglich gegen hundert Fischerboote auf dem Kampot River aus, tuckern mit lautem Geknatter gegen das Meer hin und kehren 12 Stunden später, zwischen 5 und 6 Uhr in der Frühe mit allerlei Meeresfrüchten in den Netzen, zum Teil in Konvois, wieder zurück in ihre Dörfer. Heute morgen bin ich auf die New Bridge geeilt, um dieses Schauspiel zu dokumentieren.

Ein Zeitzeichen auch für mich: mein Visum für Kambodscha wird in wenigen Tagen abgelaufen sein. Heute breche ich mein Zeltchen in Kampot ab und reise per Taxi mit Housi, seiner Partnerin Kanitha und der kleinen Kanchena nach Phnom Penh. Die Kleine wird dabei nach Monaten wieder mal Mama, Papa, ihren Bruder und all die Verwandten von Kanitha sehen.

Es ist eine extrem schöne Zeit zuammen mit meinen Freunden in diesem überschaubaren ruhigen Städtchen gewesen, in dieser "Kleinfamilie auf Zeit".

(Update 18. Oktober 2017)

 


 

Secret Lake

Kanchena geniesst verspielt das Wasser und darf, endlich vom Windelpack befreit, unbeschwert durch das kühlende Nass waten.

Welche Geschichte verbirgt sich hinter dem seltsamen Namen dieses Sees? Im Internet ist wenig über ihn zu erfahren. Er soll aber von den Roten Khmer als Wasserreservoir errichtet worden sein und liegt draussen in der Pampas zwischen Kampot und Kep. Einige Fahrkünste sind schon erforderlich, um mit dem Motorbike die unebenen, heimtückischen Schlickwege zu meistern um ihn zu erreichen.

Auch vor Ort ist wenig über die Geheimnisse des Sees zu erfahren. Eine Frau, die zusammen mit ihrem Mann ein bescheidenes Restaurant unter einem Bambus-Unterstand in Ufernähe betreibt, erzählt zwar, dass ihre Mutter noch mitgeschaufelt habe bei der Errichtung des Sees. Als wir sie auf ihren Vater ansprechen, antwortet sie ausweichend: "No brain."

Gestern habe ich den Schweizer Gastwirt Päscu aus Sihanoukville (aufgewachsen in der Berner Tiefenau) und seinen Küchenchef Dara kennengelernt - einen sympathischen, wachen, interessierten jungen Khmer, der plant, dereinst in Kampot ein eigenes Geschäft eröffnen zu können - mit Hilfe von Päscu. Der Kambodschaner, geboren in Kampot, studiert in jedem Restaurant akribisch die Menükarte, fotografiert sie, diskutiert mit seinem Chef. Und erzählt dann irgendwann von seiner Mutter, die unweit von Housi und Kanitha am Fluss wohnt. Als wir ihn auf seinen Vater ansprechen sagt er nach einem kurzen Zögern: "My brain not good, because I was boy fel down from roof." Was nichts anderes heisst, als dass sein Vater wohl aktiv bei der Schreckensherrschaft der Roten Khmer mitgewirkt hat! Und er nicht über die Vergangenheit seines leidgeprüften Volkes sprechen will. Nicht mit uns.

(Update 13.10.2017)

 


 

Glühwürmchen

Wir erstehen uns Tickets für eine abendliche Fahrt auf dem Kampot River. Allerdings wundern wir uns, dass das Boot erst kurz vor dem Einnachten ausläuft, denn schon nach wenigen Minuten wird es rundum zappenduster, kaum ist am Ufer mehr etwas auszumachen. Nach halber Fahrt bleibt das Boot plötzlich stehen und alle Lichter an Bord gehen aus. Man erklärt uns, hier im Oberlauf des Flusses würden Glühwürmchen leben. Tatsächlich: soeben schwirrt ein einzelnes Exemplar vorbei. War's das? Nach minutenlangem angestrengtem in die Dunkelheit spähen, ist zwischen den Bäumen eine kleine Ansammlung von leuchtenden Punkten auszumachen. Aber viele sind es nicht. Oder sind das gar Lichter einer fernen Siedlung, die durchs Gehölz schimmern? Vermutlich haben die übrigen Tierchen flugs Reissaus genommen und sind vor der ohrenbetäubenden Musik (Khmer-Rapp) auf dem Boot geflohen. Ich buche die zweistündigen "TorTour", die immerhin 5 Dollar gekostet hat, als gröberen Flop ab. Housi hat den Kopf auf den Tisch gelegt und ist längst eingeschlafen.

Nur einmal amüsiere ich mich einen kurzen Moment lang köstlich: nämlich als die Passagiere auf dem Schiff bei der Ankündigung der Glühwürmchen wie auf Kommando ihre doofen Handys zücken und wie wild in die Dunkelheit blitzen...

(Update 12.10.2017)

 

 

Bokor Hill Station

Die Ruinen auf dem Bokor Mountain fesseln mich - versuche mehr über die "töteligen" Ruinen zu erfahren. Das Hotel-Casino (rechts) wurde von den Franzosen während ihrer Kolonialherrschaft ab 1921 erbaut, ebenso wie die katholische Kirche (links) und andere Bauten. Die Anlagen waren bei Offizieren und ihren Familien in Freizeit und Urlaub wegen der kühleren Temperaturen auf 1081m Höhe sehr geschätzt. In den späten 1940er-Jahren gaben die Besetzer die Gebäude auf, die nach Zwischennutzung allmählich zu verlottern begannen. Ab 1972 wurde Bokor Hill zwar zu einem wichtigen Stützpunkt der Roten Khmer unter ihrem Schreckensdespoten Pol Pot. Hier erzählt man sich, die vietnamesische Armee hätte sich bei ihrem Eingreifen in den kambodschanischen Bürgerkrieg von der Kirche aus erbitterte Schiessgefechte mit Truppen der Roten Khmer im wenige hundert Meter entfernten ehemaligen Hotel-Casino geliefert.

Verständlich, dass die Ruinen 2002 im Film "City of Ghosts" mit Gérard Dépardieu in einer Hauptrolle als morbide passende Kulisse dienten. Die Bokor Hill Station wird zurzeit restauriert.

(Update 11.10.2017)

 

 


 

Begegnungen

Gestern haben uns zwei Schweizer Kollegen besucht, die in Sihanoukville beheimatet sind, zumindest zeitweilig: Guido und Hans, ein Flugzeugmech und ein SBB-Lokführer, beide in Frühpension. Housi kennt die beiden schon länger. Sie führen uns in ihrem klimatisierten Lexus sehr feudal in der Gegend herum. Habt Dank, Leute.

Ein ausgesprochen unterhaltsames Duo. Von ihnen erfahre und lerne ich extrem viel. Geschichtliches, Kulturelles, Visatechnisches, über das Leben als Barang (= Fremder) in Kambodscha allgemein. Dabei wird viel gelacht. Und Erstaunliches erfahre ich: dass es Leute gibt, die sich grundsätzlich weigern, eine WC-Brille zu benutzen und sich stattdessen auf den nüchternen Keramikrand der WC-Schüssel setzen - entsetzlich! Ich kann das nicht teilen. Ich habe nichts gegen Brillen. Weder auf meiner Nase, noch an meinem Arsch - vorausgesetzt, es sind meine eigenen...

(Update 09.10 2017)

 


 

Bokor Mountain 2

Heute erwischen wir einen Bombentag, um nochmals auf den Bokor Mountain zu fahren. Und erst jetzt erkenne ich den Irrsinn dieser geplanten Spielhölle auf dem Gipfel, mitten in einem einzigartigen Naturreservat. Die Regierung hat 2008 einen Pachtvertrag über 99 Jahre mit Sokimex Group abgeschlossen, der mächtigsten kambodschanischen Mineralöl-Gesellschaft mit Verbindungen nach Vietnam, die ein wahnwitziges Projekt in Angriff genommen hat: Für mehrere Milliarden Dollar soll hier eine Spielerstadt mit Villen, Hotels, mehreren Spielkasinos und einem Golfklub für reiche Asiaten entstehen. Ein Eingriff in Natur und Landschaft riesigen Ausmasses. Die Ruine des alten Casinos soll renoviert werden. Das Strassennetz auf dem Hochplateau ist bereits ausgebaut. Woche für Woche werden neue Häuser hingeklotzt. Ein riesiges Modell in einem Hangar veranschaulicht den Irrsinn. Mich macht dieser dekadente Blödsinn echt wütend, hilflos und auch traurig!

Wie lange noch können Mönche und spärlich aufsteigende Besucher diesen mystischen Ort mit der atemberaubenden Aussicht, umgeben von dichtem Dschungel, noch so hingebungsvoll geniessen?

(Update 08.10.2017)

 

 

Aberglaube

In Thailand, Kambodscha, Vietnam, vermutlich aber auch im übrigen asiatischen Raum, ist es verpöhnt, einer Mutter zu sagen, ihr Kind sei hübsch, denn so würden die bösen Geister auf es aufmerksam und würden es nicht selten ihren Neid spüren lassen. Rutscht dieses Lob trotzdem mal raus, soll ein Gang der Mutter zum Tempel Abhilfe schaffen.

Das habe ich von Kanitha, Housis Partnerin, über ihre Kultur erfahren. Sagt die Khmer deshalb vorbeugend, das süsse, gut 18 Monate alte Pflegekind würde wohl wegen ihrer Stupsnase einst kaum eine besonders schöne Frau werden?

Mir fällt es offen gesagt schwer, Kanchena mit den grossen, staunenden Augen als wüst bezeichnen zu müssen, nur um die Bösewichter zu verscheuchen...

(Update 07.10.2017)

 

 

Ins Pfefferland gewünscht...

...das habe ich mich selber! Nach meinem ersten Kurzbesuch in Kampot vor zirka 5 Jahren habe ich mir vorgenommen, nochmals eine Pfefferplantage zu besuchen. Nach einem Abstecher an den Strand von Kep rumpeln wir zur Sothy's Pepper Farm, die zertifizierten Kampot Pepper anbaut, zirka 22km ausserhalb von Kampot. Dank den idealen Bedingungen - lehmhaltiger, mineralstoffreicher, leicht abfallender Boden, Meernähe - reift hier der wohl weltbeste Pfeffer heran. Die Ernte erfolgt in Etappen und deren Zeitpunkt bestimmt mit auch die Farbe der Pfefferkörner, rot, schwarz und weiss. Jede Farbe steht für ein anderes Aroma. Dabei werden die Körner handverlesen und mittels Pinzette sortiert! Deshalb ist echter Kampot Pepper auch so teuer. Die beste Qualität erhält das anerkannte Gütesiegel, der Rest ist für den lokalen Markt bestimmt.

Der Anbau von Pfeffer hat in Kambodscha Tradition, ist allerdings durch Vietnam- und anschliessendem Bürgerkrieg unter der Schreckensherrschaft von Pol Pot verschwunden respektive gänzlich verboten worden. Der irre, brutale, mordende Despot hat die Bevölkerung gezwungen, in seinem angestrebten Bauernstaat primär Reis und nicht mehr "dekadente" Produkte anzubauen, deren Ursprung in der Kolonialzeit gelegen haben. Glücklicherweise wird heute in Kambodscha wieder Pfeffer angepflanzt. Das schafft Arbeitsplätze - und der Genuss von Kampot Pepper einen ganz speziellen, fruchtigen, einzigartigen Abgang im Gaumen...

(Update 06.10.2017)

 

 

Missverständnis

Der Thmor Tada Sach-Chaing Waterfall liegt im Quellgebiet des Prek Tuek Chhou Rivers. Housi und ich haben ihn in einer gut einstündigen Motorbike-Fahrt von Kampot aus über grösstenteils schmierige Naturstrassen durch den Dschungel erreicht. Ein imposantes Fleckchen Erde. Hier lernen viele junge Khmer aus der Region schwimmen.

Bei der Rückfahrt passiert uns ein Missgeschick: wir stoppen zwar auf einer Brücke, um nochmals hinter uns zu schauen, fahren dann los; dummerweise wähle ich eine Einbahnstrasse durch den Wald, merke, dass der Kollege nicht folgt und halte vor dem letzten Kassenhäuschen an und warte. Nach 15 Minuten Weg zurück hinauf zu unserem letzten Stopp - von Housi keine Spur! Wieder retour zum Kassenhäuschen. Da schellt mein Handy. Housi hat mich übers thailändische Netz erreicht (ich habe keine kambodschanische SIM-Karte!). Die Verbindung ist grottenschlecht, weil hier im Dschungel eh keine Handy-Antennen stehen. Ich gebe ihm meine Position durch: "I warte bi der letschte Zahlsteu!" Housi versteht aber "Tanksteu" und sucht eine solche viel weiter talwärts. Die Sache gefällt mir nicht mehr. Irgendwann kriegen wir wieder Verbindung, und wir können das Missverständnis klären. Housi kehrt zum Kassenhäuschen zurück. Offenbar haben wir beide gleichzeitig aufeinander gewartet - nur etwa 25m voneinander getrennt - ich auf der In-Strasse, er auf der Out-Strasse, dazwischen nur etwas Dickicht. Eigentlich hätten wir uns beim Telefonieren sogar hören müssen...

(Update 04.10.2017)

 

 

Gute Küche

Wenn Kanitha zum Kochlöffel greift, dann schmeckt es hervorragend! Heute zaubert sie einen riesigen White Snapper, dazu Gemüse nach Khmer-Art und Reis auf den Tisch. Die fröhliche Partnerin von Housi bittet mich, einmal in den nächsten Tagen auf ihrem Herd Tom Yam zu kochen, ein Thai-Gericht, das sie nicht kochen könne, aber schon viel davon gehört habe. Welche Ehre! Kanitha ist sonst ganz typische Asiatin und lässt keinen Mann an die Töpfe ran, das weiss auch Housi. Aber da ich vor zwei Jahren, als die beiden Freunde nach der langen Reise ganz ausgehungert in der Schweiz angekommen und alle Läden längst geschlossen gewesen sind, spontan mit Spaghetti al olio mit Thunfisch und Chilli bekocht habe, geniesse ich nun dieses Sonderrecht. Sie weiss auch, dass ich regelmässig Thaifood koche.

Nun muss ich also ran an den Topf. Jesses - wie beschaffe ich die Zutaten auf dem Markt? Ich kenne ja nicht mal die englischen Namen, geschweige denn jene in Khmer...

(Update 03.10.2017)

 


 

Bokor

Wir haben einen denkbar schlechten Tag für unsere Motorbike-Tour auf den Bokor Mountain erwischt. Der Gipfel liegt auf 1081 Meter Höhe im Preah Monivong Nationalpark. Hier sind unter anderem Teile des Films "City of Ghosts" (2002) gedreht worden. Beim kurvigen, steilen Aufstieg auf den Gipfel setzt starker Regen ein, und alles ist in dicken Nebel gehüllt. Nix von Aussicht aufs Meer und die umliegenden Städte. Da oben ist es mindestens 15 Grad kälter als in Kampot. Trotz der Widerwärtigkeiten bereue ich nicht, dass wir trotzdem da rauf gefahren sind - es muss eine bezaubernde Landschaft sein! Hätten da nicht hirnlose geldgierige Investoren ein riesiges, gelbgrünes, chotzhässliches Spielcasino samt immensen Hotelunterkünften reingepflastert.

(Update 01.10.2017)

 


 

Schoppen bei Da Hosi (Opa Housi)

"Hätsch nie dänkt - ig i denen aute Tage no schöppele, gäu?" sagt Housi. In der Tat: vor noch Jahresfrist hätte ich mir diese friedliche Szene nicht ausdenken können. Diese "Familienkonstellation" wird wohl aber befristet sein, denn Housi und Partnerin Kanitha werden in zirka 6 Wochen zusammen mit Housis Schwester Marianne und ihrer Kollegin Züsle ihr Häuschen in Kampot vorübergehend verlassen und Laos bereisen. Und deshalb Kanchena zu ihren Eltern nach Phnom Penh zurückbringen. Der kleine Wirbelwind verträgt das heisse, stickige Klima in Kambodschas Hauptstadt zwar schlecht. Housi vermutet, dass Kanchena im heissen, engen Haus mit Blechdach (in der 6 Menschen in zwei Räumen leben) in einem verwinkelten Quartier mit schmalen Gässchen und fehlenden Grünflächen einfach zuwenig Auslauf hat und deshalb unter Stress leidet.

Wie es danach weiter gehen wird, ist ungewiss. Sollte der Gesundheitszustand des kleinen Mädchens, nach Genesung ihrer Atemwege stabil bleiben, dürfte sie wohl in Phnom Penh bleiben. Andernfalls... Eine schwierige Entscheidung!

(Update 1.10.2017)

 

 

Prek Tuek Chhou

Seine Schreibweise gibt Rätsel auf. Es gefällt mir jedenfalls, direkt an Kampots Fluss zu wohnen. Von der Lobby aus drei Stufen runter, über das Trottoir, den Fussgängerstreifen - und schon stehe ich an dieser Mauer, die den Fluss säumt.

In den frühen Abendstunden schlendern auffallend viele junge Mütter mit ihren Kindern hierher um miteinander zu plaudern, während die Fischerboote vor ihnen Richtung Meer auslaufen.

Das Leben hier läuft wohltuend entschläunigt ab, der Verkehr auf den Strassen rollt langsam, mit Rücksicht aufeinander. Ist aber trotzdem nicht ganz ungefährlich für Uneingeweihte. Denn Regeln werden häufig missachtet, aber mit Handzeichen, Kopfhaltung oder Augenbewegungen Absichten mitgeteilt. Für mich ein Dauerstress, denn im Gegensatz zu Thailand wird hier wiederum ganz "normal" rechts gefahren.

Massentourismus gibt es hier kaum. Es sei denn, ich würde ihn schlicht übersehen. Allenfalls Freaks jeder Altersgruppe suchen Kampot heim - junge und alte. Das passt mir. Heute morgen frühstücke ich zwar in einem Restaurant einen "Strammen Max", der im Wettstreit gegen ein Khmer-Frühstück mit Reissuppe obsiegt hat. Am Nebentisch sitzt ein Deutscher in meinem Alter, der sich vermutlich vor einiger Zeit einen halben Teppich in sein schütteres graues Haar zu einem Zopf bis runter über seinen Arsch hat knüpfen lassen - und löffelt Reissuppe... Abends futtere ich einen Khmer-Asok mit Reis inmitten von ganz jungen Engländern, die offenbar das Entschleunigen suchen, ruhig miteinander plaudern und nicht dauernd auf ihren Handys rumfummeln. Da gefällt es mir!

(Update 30.09.2017)

 

 

Wiedersehen mit Freunden

Housi hat unser Taxi beim Eintreffen in Kampot auf dem Motorbike eskortiert und zum Hotel direkt am Tuek Chhou (auch Prek Thom River genannt) geführt. Nun ist gemeinsames Nachtessen mit ihm, seiner Partnerin Kanitha und dem eineinhalbjährigen Pflegekind Kanchena in einem schmucken Restaurant am Fluss angesagt. Die lebhafte Kleine - Tochter von Kanithas Cousine - zieht sofort ihre Tanzshow stehend auf dem Kindersitzli ab. Weil das süsse Mädchen Hitze und Smog in Phnom Penh bei ihrer Familie sehr schlecht verträgt, haben Housi und Kanitha sie vorübergehend zu sich genommen. Kanchena hustet seitdem auch nicht mehr.

Housi hat weniger Erbarmen mit dem jungen Russen. Der sei in Sihanoukville bei seinesgleichen bestens aufgehoben. Zu hunderten haben Russen, vor allem aber Chinesen, die beliebte Stadt am Meer in Beschlag genommen. Zuvor hat sich schon Taxidriver Vibol bei mir über die Unverfrorenheit dieser beiden Gruppen beklagt. Das hordenweise Einfallen von Russen und Chinesen sind denn auch mit ein Grund, dass Housi und Kanitha ihr Miethäuschen in Sihanoukville nach zwei Jahren aufgegeben haben, vor ein paar Tagen nach Kampot gezogen sind und sich hier vorläufig niedergelassen haben.

(Update 29.09.2017)

 


 

Nasser Empfang

Als ich den Flufhafen von Phnom Penh heute nachmittag verlasse regnet es sintflutartig. Vibol, der Taxidriver, bemerkt lachend: "Longtime no rain, today too much rain!" Housi hat ihn mir organisiert. Pünktlich ist er beim Ausgang des Terminals mit seinem Schildchen - Mr. Blatter - bereitgestanden. Am Ende des Parkplatzes steigt noch ein junger Russe zu, der kein Wort englisch spricht. Er ist furchtbar nervös. Bei einem Halt an einer Tankstelle dreht er sich zu mir um, lächelt schwach, zeigt mit dem Daumen auf seine Brust und sagt: "Russia." Mein "Switzerland." Versteht er nicht. Er sagt zwar: "Da." blickt mich dabei fragend an. Ich versuche es mit Suisse, Suissa, Swiss, Svizzera, Elvetia. Derselbe hilflose Blick. Dass Schweiz auf Russisch Shveytsariya heisst, erfahre ich erst viel später auf Google. Er deutet auf sich: "Sihanoukville." und zeigt fragend auf mich. Ich sage, dass ich nach Kampot will, aber das hat er wohl noch nie gehört. Panik scheint ihn zu bemächtigen. "Google map?" sagt er unsicher und deutet auf das Handy des Drivers. Ich winke ab, zeige auf meiner offenen Handfläche wo Phnom Penh, Kampot und Sihanoukville liegen und verbinde die drei Punkte mit einer Linie. "Da!" sagt er jetzt beruhigt. Als ich nach zweieinhalbstündiger Fahrt vor meinem Hotel in Kampot aussteige, will mir der Russe unbedingt kräftig die Hand schütteln. Meine Güte, tut mir der arme Kerl leid!

(Update 28.09.2017)

 


 

Aussitzen

Was sich schon in Lamai Beach angekündigt hat, sitze ich nun in Bangkok gnadenlos aus: Folgen des leichtsinnigen Genusses eines Stücks Sahnetorte mit Käse und Pfirsichstücken, also Quarktorte, das mindestens zwei Tage nach seiner Herstellung noch im Frigo geruht hat. Aber das ist wohl eindeutig zu lange in den Tropen! Erst recht, wenn noch Eier im Spiel sind. Dabei bin ich rechtzeitig von Insidern gewarnt worden. "Friss das Züüg nid, überchunsch de garantiert der Schysser!"

Im Flugi habe ich zwar dicht bleiben können - schliesslich dauert der Flug von Koh Samui nach Bangkok lediglich gut 50 Minuten. Doch nun arbeite ich mir den Genuss dieser Leckerei Sitzung für Sitzung ab - und zähle wieder mal rund um mich herum Keramik-Plättchen...

(Update 24.09.2017)

 

 

 

Take off

Drei Wochen am Stück bin ich noch nie in Lamai Beach auf Koh Samui geblieben. Die ersten zwei Wochen haben sich dahingezogen. Durchsetzt von allgemeiner Erschöpfung, mangelnder Bereitschaft endlich loslassen zu können, schleichender Langeweile gepaart mit etwas Einsamkeit, schlechtem Gewissen wegen dem Nichtstun. Habe mir fast den Arsch durchgelegen und -gesessen. Dabei geschlafen, geduscht, gegessen, gelesen, geschlafen, geduscht, gegessen, gelesen, nachgedacht, geschlafen, gedöst, gegrübelt, geskypt, geschrieben, gegessen und wieder gelesen. Und ich habe mir zwischendurch zureden müssen: He, du darfst! Du bist niemandem mehr Rechenschaft schuldig, allerhöchstens dir selber und deinem Bankkonto... Daneben habe ich zweifelsohne viele lichte Begegnungen erlebt. Wiedersehen mit meinen Freunden hier: Nestor, Wolle, Fu, Urs, Roland etwa. Oder den Leuten aus Tom's Bakery, O, Ja, Aom, An, Nam sowie Maeli und Yu. Habe neue Bekanntschaften gemacht. Leute gelöchert: Wie lange lebst du schon hier? Weshalb ausgerechnet da? Wo und wie wohnst du? Was bezahlst du da? Was fehlt dir am meisten? Langweilst du dich nicht zu Tode? Und so Zeugs eben.

Aber ich habe auch Widerwärtiges erlebt: Attacke einer Hundebestie auf mein Motorbike und mich und andere hündische Aufdringlichkeiten dieser widerlichen, dekadenten Viecher, Dörflitratsch in Lamai, Neidereien, Besserwissereien, Einschleimereien bei der örtlichen, sturzbetrunkenen Polizei. Und immer wieder diese ständig aufgetischten nervigen Alkoholgeschichtchen. All das lasse ich morgen hinter mir und fliege vorerst nach Bangkok, denn ich muss Thailand in fünf Tagen verlassen, weil meine Genehmigung ablaufen wird. Aber vor meinem Weiterflug nach Phnom Penh, der kambodschanischen Metropole, will ich die Stimmung auf den Strassen Bangkoks reinziehen, wenn der geliebte verstorbene König nach einem Jahr wohl endlich eingeäschert wird.

(Update 23.09.2017)

 

 

Stucki zieht bei Stuckis ein

Im Wohnzimmer von Nestor und Eh Stucki-Patama in Lamai auf Koh Samui hängt seit heute ein neues Bild an der Wand - jenes von Unspunnen-Sieger Christian Stucki! Mein Freund Nestu, ein absoluter Schwingfan, hat es sich gewünscht. Glücklicherweise führe ich mein digitales Bildarchiv auf einer externen Festplatte im Gepäck mit in Asien. Vor wenigen Tagen habe ich die Foto von Stucki Chrigu mit Siegermuni "Gottlieb", die ich in Interlaken gemacht habe, hier auf der Insel printen und rahmen lassen und sie Nestu zum Geburtstag geschenkt.

Chrigu erhält einen Ehrenplatz gleich neben dem vor einem Jahr verstorbenen König Bhumibol Adulyadej. Die neue Anordnung der Bilder ist allerdings nicht ganz unproblematisch: nach strengen, thailändischen Sitten darf über dem Bild des Königs kein anderes Bild aufgehängt werden.

Übrigens: Chrigu und Nestu Stucki sind einander nicht verwandt. Trotzdem ist der ausgewanderte "echte" Berner Wylergieu mächtig stolz auf den Schwinger mit demselben Familiennamen aus dem Seeland.

Ich hingegen bin nie stolz gewesen, wenn ich auf Flughäfen, in Hotels, an Sportveranstaltungen oder sonstwo auf den ehemaligen FIFA-Seppli gleichen Namens angesprochen worden bin! Habe dann immer panisch beide angewinkelten Hände abwehrend von mir gestreckt und entschieden widersprochen: "Oh, he is not member of my family!"

(Update 20.09.2017)

 

 

Tom's Bakery

Die Bäckerei mit Restaurant in Lamai ist mir schon bei meinem ersten Besuch 2001 zum Begriff geworden. Für gutes Essen, feines Gebäck, zackigen Service und viel Herzlichkeit.

Nun: Tom ist mit seiner Ehefrau O und Tochter Nina schon vor Jahren zurück in die Schweiz nach Aarburg gezogen, weil er Nina das Schweizer Schulsystem bieten will. Kommt aber zweimal im Jahr nach Lamai zurück. In der Zwischenzeit ist Ja (jaja, die heisst so), die Tante seiner Ehefrau O, die Chefin (links auf dem Bild), ein Ausbund von Anständigkeit und Wertschätzung. Sie wird im Restaurant von Aom, Nam und Ann unterstützt. Ja's Sohn ist inzwischen für die Backstube zuständig, Nachfolger von Nam's Partner, der nun Ja's Taxi fahrenden Ehemann in der anderen Schicht ergänzt. Kapiert? Familienclan nach thailändischem Muster eben. Ich bin fast sicher, dass auch die extrem scheue, aber willige Aon, die umtriebige Nam (wohl die künfige Chefin) und auch die junge,freundliche Ann irgendwie mit Ja, O und damit Tom verbandelt sind.

Hinech zeigt Letsu, so nennt man mich hier, sein good heart, und spendiert den Frauen einen Drink für ihre gute Arbeit. Der zuerst für die drei Damen im Restaurant gedacht ist. Sofort fragt Nam:"Osoo fo' bi'bo' ding tuu?" Drink auch für die Bossin? Sicher! Wenn sich die Angestellten so für die Chefin ins Zeug legen, lässt das doch etwas herausspüren - nicht nur Geschäftssinn!

(Update 18.09.2017)

 

 

"Gaggetöönli" bei Maeli und Yu

Erstaunlich, was die beiden Thai-Frauen in ihrer Mini-Imbissküche innert Minuten herzaubern können. Sie sind die guten Seelen in Lamai. Früher haben sie als Köchinnen im Swiss Chalet gearbeitet, sich dann aber mit dem Schweizer Chef Willy überworfen und aus Trotz gleich ennet der Strasse eine winzige Imbissbude eröffnet, in der sie ein paar Spezialitäten aus dem Swiss Chalet anbieten. Dieses früher bekannte Lokal ist nach Halterwechseln, nach Krankheit und Tod von Willy, zweimal wiedereröffnet worden, aber jeweils mit kurzem Atem - zurzeit wird es erneut umgebaut! Maeli's Bistro hingegen existiert weiter. Dank dem unbändigen Arbeitswillen der beiden Frauen und ihrer zwei jüngeren Helferinnen.

Sie bieten unter anderem "Gaggetöönli" an, wie die zirka 55jährige Chefin Maeli (links) Ghackets mit Käse und Hörnli nennt, das es bis morgens um 6 Uhr zu futtern gibt. Auf der Speisekarte ist das allerdings schwer zu entziffern (jedenfalls der deutsche Text) und wohl nur Insidern bekannt. Es ist das beste seiner Art, das ich je gegessen habe. Echt. Der allerbeste Absacker. Gäste müssen jedoch aufpassen, dass ihnen während des Essens der Arsch auf den 5 Barhockern und am winzigen Tischchen an der Strassenecke zwischen Had Lamai Road und Zubringer zur Ringstrasse nicht abgefahren wird...

(Update 16.09.2017)

 


 

Hochzeitsfotografie

Werner, der ausgewanderte Deutsche, will mich als Hochzeitsfotografen engagieren. Ausgerechnet mich, den Versager in dieser Sparte! Seine thailändische Frau organisiert Hochzeiten auf der Insel, die in der Regel mehrere Tage dauern. Leichtsinnigerweise habe ich Werner vor kurzem zumindest meine Bereitschaft signalisiert, gelegentlich etwas dazuverdienen zu wollen, ohne mir die Konsequenzen überlegt zu haben.

Plötzlich überrumpelt mich der Deutsche aber mit einem nie so rasch erwarteten Angebot: "Am 23./24. hot mai Frau en Auftrag für so an Wedding. Wuist du des fodografian?" Jesses! Damit habe ich nicht gerechnet. Nicht so überstürzt.

Wolle, der liebenswerte Gastwirt vom Café 77 an der Lindenstrasse (jaja, die gibt's hier in Lamai tatsächlich) warnt mich: "Pass uf, Res, dass de nicht in ne Falle trittst. Du hast keene Arbeitsbewilligung hier. Und nimmst einem Thai die Arbeit weg. Sei deshalb vorsichtig." Die Meinung von Wolle nehme ich ernst. Ich schätze den Kumpel seit Jahren extrem.

So gebe ich meinem Auftraggeber Werner "Abchabis" und lege meinen Rückflug nach Bangkok gezielt auf den 24 September. So verliert "keena det Jesicht". Eben nach asiatischer Manier.

(Update 15.09.2017)

 


 

Lamai Blues

Der Himmel über Lamai, dem südöstlichsten Strand auf der thailändischen Insel Koh Samui, malt in den Abendstunden oft phantastische, bizarre, aber extrem rasch vergängliche Wolkenbilder. Jedes ein Unikat, keines ist gleich wie das andere. Und nirgendwo auf der Welt in gleicher Fasson noch jemals so zu sehen. Sie laden zum Innehalten, Geniessen, aber auch Nachdenken ein.

Und dafür habe ich nun wirklich ausreichend Zeit. Manchmal fast beängstigend viel. Das bisher gelebte Leben auszuleuchten. Zwischenbilanz zu ziehen. Was habe ich aus den mir gebotenen Chancen gemacht: als Fotograf, als Vater, Grossvater, zeitweiliger Lebenspartner, Kollege, Mitmensch?

Was momentan nach dem Zusammenzählen unter dem Strich übrig bleibt, ist zumindest recht ernüchternd, scheint es mir. Und zum ersten mal beschleicht mich ein schales Gefühl, wenn ich daran denke, dass nach meiner, zwar noch recht fernen Rückkehr in die Schweiz so vieles anders sein wird...

(Update 11.09.2017)

 


 

Reussers

Nicht zum erstenmal treffe ich die beiden auf Koh Samui, wohl aber fast an jedem Schwingfest in der Schweiz: Josef "Seppu" Reusser, den ehemaligen 71jährigen Kranzschwinger, und seine thailändische Ehefrau Daen. Die Thailänderin sitzt dann jeweils mit ihrem ausladenden, asiatischen Strohhut direkt am Geschehen am Boden, angelehnt an einen Holzpfosten der Abschrankung und futtert Apfelschnitze.

Die beiden sind nun schon seit 20 Jahren verheiratet und eine bemerkenswerte Symbiose. Sie nennt ihn "Seppeli", er sie "Muetter". Er befiehlt in Homberg, wo er als selbständiger Metzger arbeitet, und sie sagt während den alljährlichen dreimonatigen Ferien in Thailand, wo es lang geht. Und sie unterhalten sich in einem Chauderwelsch von Berndeutsch, etwas Englisch und wenig Thai.

Als der Koloss von Mann erzählt, dass er letzthin plötzlich Wasser in den Hoden gehabt habe, das der Arzt mit einer Kanüle habe absaugen müssen und das höllisch weh getan habe, doppelt Daen nach: "Seppeli Snabeli wie Muni Swinge!" Formt die Hände zu einer ansprechenden Glockenform. Und lacht ihr ansteckendes, herzliches, lautes Lachen. Um Reussers geht es ohnehin laut zu und her. Weil Seppu "öppis hert ghört", aber partout kein Hörgerät tragen will, weil das nichts bringe und nur "Gringweh" mache, wird halt etwas lauter gesprochen.

Daen mache aktiv in der regionalen Trachtengruppe mit, tanze und singe, sagt Seppu. Eine Nachbüüri habe ihn zwar vor mehr als zwei Jahrzehnten gewarnt: "Chasch doch nid eifach e Paume so verpflanze!" "Heiligdonnerwätter! Gäbet ere doch Zyt!" habe er entgegengehalten. Heute gäbe sie in Homberg keiner mehr her - am allerwenigsten Seppu!

Unsere Gespräche drehen sich fast auschliesslich ums Schwingen: Seppu plaudert viel Spannendes aus dem Näichäschtli aus. Dass er zweimal um ein Vierteli den eidgenössischen Kranz verpasst habe - Himuheiligdonnerwätter - und gegen den Blatter Wäutu und den Meli Käru stets verloren habe. Dä Souhung habe praktisch jeden Kampf am Rand des Sägemehlrings entschieden - manchmal auch ausserhalb, als das Schyssreglemänt noch nicht gegolten habe.

(Update 09.09.2017)

 


 

Traurige Nachricht

Heute morgen erreicht mich eine schockierende Mail von meinem Brüetsch Ruedi: unser Cousin Ueli Fankhauser ist letzten Sonntag wenige Tage vor seinem 62. Geburtstag einem Herzinfarkt erlegen! Obwohl ich mit Ueli in den letzten Jahren nicht viel Kontakt gehabt habe, macht mich die Nachricht unsäglich traurig. Um so mehr, weil ich nicht erst jetzt bedaure, dass wir den Zusammenhalt unter uns Cousins und Cousinnen (mit einer Ausnahme) nicht sehr gepflegt haben.

In den 80er Jahren ist Ueli nach Ausbildung an der Accademia Teatro Dimitri in Verscio TI, danach an der Budapester Artistenschule als Clown "Milo" unter anderem mit dem Zirkus Nock auf Tournee gegangen. Eine Saison lang auch im Trio mit den Clowns Gaston und Pipo, den früheren Partnern von Rolf Knie. Die drei Clowns waren denn 1987 auch auf dem Plakat sowie auf der Titelseite des Programmheftes abgebildet (Milo unten).

Wir sind alle sehr stolz auf Ueli gewesen, vor allem meine Kinder Nadja und Erik. Meine Mutter, das Blatter-Grosi, hat Enkelin Nadja zu Weihnachten mal eine Puppe genäht, die Milo aufs Haar geglichen hat. Ich werde die leuchtenden Augen meiner Tochter nie vergessen, als sie "Milo" ausgepackt hat.

Einen Moment lang überlege ich, ob ich mein Zelt in Koh Samui abbrechen und die Heimreise antreten will. Aber da mir noch niemand hat sagen können, wann die Trauerfeier stattfinden wird, werde ich das wohl sein lassen müssen.

(Update 06.09.2017)

 


 

Phu's Geduld

Abends mit Flugverspätung auf Koh Samui eingetroffen. Nach Hotelbezug dann sofort zu Mister Phu's Seafood Restaurant. Da habe ich vor 16 Jahren zum erstenmal "Massaman Curry" - muslimisches Curry - gegessen. Traditionsgemäss tue ich das auch jeweils am ersten Abend nach dem "Stranden" in Lamai Beach.

Vorerst bin ich der einzige Gast. Es ist halt Low Season. Schön für mich - schlecht für Phu. Da bleiben zwei russische Ehepaare vor der reichen Auslage stehen, die Nasen gerümpft, die Kinne etwas hochgereckt. Phu wirbt für seinen Food. Die Russen blicken verachtend auf das Seegetier. Phu's Frau Mimi eilt dazu, um zu vermitteln. Da Phu bisweilen stottert, wenn er aufgeregt ist, kann ihr klareres Englisch manchmal klären. Nicht aber bei den vier Russen. Die kennen höchstens zahlen von 1 bis 10, sonst nix. Aber sie tun heikel. Lassen sich während 15 Minuten allerlei Getier zeigen, einen Red Snapper gegen einen White Snapper ersetzen, diesen "Gaagger" gegen jenen "Gaagger" austauschen. Dann doch lieber wieder ein Red Snapper - nein, nicht mehr diesen, sondern jenen. Die "Gaagger" sind schon fast in der Küche zum Kochen, da müssen sie wieder ausgewechselt werden. Phu beherrscht sich und versucht Wut und Enttäuschung, aber auch seine Sprache in den Griff zu kriegen. Ich hätte dem überheblichen Russenpack längst alle Fischleiber samt Eiswürfel um die Ohren gehauen und sie zu Teufel Putin geschickt. Aber Phu und Mimi können sich das nicht leisten. Sie leben auch von solchen Kunden.

Als sich die Aufregung etwas legt, die Russen endlich Platz nehmen, der Koch endlich Fische ausnehmen und zusammen mit den Gaaggern aufs Feuer legen kann, Phu und Mimi durchatmen können - der Clou: die Russen stellen eine Tüte aus dem Supermarkt "seveneleven" auf den Tisch, entnehmen ihr drei Fourpack thailändisches Bier und eine Brandyflasche - und erdreisten sich dazu noch 8 Gläser zu verlangen!

Irgendwann schleicht Phu hinter meinem Rücken durch und flüstert mir unthailändisch offen ins Ohr: "Danke, dass wenigstens du bei uns Bier bestellst und auch bezahlst!"

(Update 04.09.2017)

 


 

Midda' Dong

Den Taxidriver mit der Igelifrisur kenne ich schon seit Jahren. Irgendwie mögen wir uns. Immer wieder lasse ich mich von Mister Dong mit einem alten geräumigen Schlitten vom Hotel in Bangkok zum Airport Suvarnabhumi kutschieren. Wie in jedem Taxi wird auch bei ihm small getalkt. Er erzählt mir, dass er noch vor Jahren einen Doppelstöcker-Bus besessen habe, der aber vor über 10 Jahren bei der grossen Überschwemmung aus dem Norden bis runter nach Bangkok im Morast abgesoffen sei. Er habe danach eine Krise durchlebt und sich die Knarre an die Schläfe setzen wollen. Dann seien ihm aber mahnende Worte seines inzwischen verstorbenen Vaters eingefallen: "Wenn du Herz, Hirn und gesunde Hände hast, kannst du alles erreichen!" Mr Dong hat sich aufgerafft und mit Krediten ein Taxi gekauft, mit dem er Farangs wie mich chauffiert und nun so seine Familie, Frau und zwei jüngere schulpflichtige Kinder, ernährt. Aber er beneidet mich um meine Rente und fragt mich lachend, ob ich nicht mit ihm tauschen wolle. Ich will ihm erklären, dass das mit der Rente so eine Sache sei, gebe dann aber auf. Er denkt, weil ich Schangtairup (= Fotograf) gewesen sei, müsse ich doch Big Money haben.

Irgendwie kommt mir die Geschichte mit dem abgesoffenen Bus bekannt vor. Vor Jahren habe ich mal Wasuma "Kee" Nangngam zwei gebrauchte Nähmaschinen gesponsort, weil sie genau in dieser Überschwemmung in einem Aussenquartier Bangkoks ihr kleines Nähatelier samt Maschinen und damit ihr Auskommen verloren hat. Die Unterstützung war gedacht als Neustart. Nun - die beiden Nähmaschinen stehen längst still oder sind weiterverkauft; und die Thailady lebt inzwischen verheiratet bei Frankfurt...

Den Fahrpreis habe ich mit Mr Dong vor dem Einsteigen wie gewohnt runtergehandelt. Schliesslich muss er mir einen Freundschaftspreis machen, wenn er mich schon als "my vely good flend" bezeichnet. Da bleibe ich stur. Ein Trinkgeld ist ihm jedoch sicher. Das er zuhause in eine Schachtel stecken will - quasi als Altersrente -, verspricht er. Ein Doppelstöcker-Bus wird daraus aber wohl nicht.

(Update 03.09.2017)

 


 

Geldwäscherei zu Pattaya

Soeben hat mir Pius Koller aus Pattaya ein übles Geschichtchen mit gutem Ende erzählt: Nach seiner Rückkehr von seinem Besuch bei mir in Bangkok hat er einer Waschfrau in der Frühe ein paar Kleidungsstücke zum Waschen gebracht. Als er abends die frische Wäsche abholen will, drückt ihm die Wäscherin zwei klatschnasse, zerknitterte 1000-Baht-Noten (umgerechnet 56 Franken) in die Hand, die Pius in der einen Hemdtasche vergessen hat und die den Waschgang mitgemacht haben. Das arbeitssame Fraueli, das jahrein jahraus täglich arbeitet, ohne Ferien zu machen, hätte das Geld ja auch einfach klammheimlich einstecken können, schliesslich entspricht der Betrag mehr als ihrem Wochenverdienst. Tut sie aber nicht. Um Buddhas Lohn nicht. Dafür belohnt Pius ihre Ehrlichkeit mit einem saftigen Trinkgeld.

(Update 01.09.2017)

 


 

Besuch

Gestern hat er seinen Besuch angekündigt, heute nun vollzogen. Pius Koller besucht mich am nachmittag in Bangkok. Ist mit dem Bus aus Pattaya angereist. Fährt aber abends spät mit dem letzten Schlitten auch wieder südwärts. Das ist nun wohl schon unser viertes Fotografentreffen in Südostasien.

Wie es sich gehört, essen wir im Suda Restaurant an der Sukhumvit Soi 14 gemeinsam Znacht. Chicken in Pandanusblättern gebacken, dazu Reis und Gemüse. Wie wir das schon vor Jahren beim ersten Treffen in Bangkok gemacht haben. Unser Selfy vor dem Suda ist - naja - etwas missraten. Ich kann das schlecht. Blöde Handyfotografie!

Pius hat sich kurzfristig entschlossen, aus geschäftlichen Gründen sponti nach Pattaya zu reisen. Am Sonntag wird er schon wieder heim fliegen.

(Update 31.08.2017)

 


 

Weg, weg - nur weg!

Das erfreut des Fluggasts Herz: viele leere Sitze. Obschon das alles andere als umweltschonend ist, zugegeben. Die Maschine der Thai Airways von Zürich nach Bangkok ist nur etwa zu zwei Dritteln belegt. Per Web-Checkin habe ich mir exakt 24 Stunden vor Abflug eine Dreierreihe für mich ganz allein im hinteren Teil des Flugzeugs ergattert - notabene dort, wo kaum einer wirklich sitzen will. Wenige Schritte neben Toilette und Küche, wo stets ein reger Betrieb herrscht. Also auch verschiedensten Gerüchen ausgesetzt. Aber die nehme ich in Kauf, Hauptsache, ich kann meine Haxen strecken. Bezahlt habe ich für ZRH-BKK-ZRH 572 Franken! Soll mir einer sagen, wie das für die Airline noch rentieren soll...

(Update 31.08.2017)

 

 

Im Schlussgang

Es kommt, wie es nicht würdiger hätte enden können: StuckiChrigu gewinnt den Schlussgang am Unspunnen-Schwinget 2017! Die ganze Schwinger-Schweiz mag es ihm gönnen.

Als wir Fotografen nach der Siegerehrung auf das langersehnte Bild vom Festsieger mit dem Siegermuni "Gottlieb" warten, wird es links von mir ganz plötzlich dunkel - Turm StuckiChrigu im "Chüejermuttz" tritt neben mich, legt mir den Arm auf die Schulter und sagt: "Res, jitzt han i gmeint du sygsch pangsioniert?" Journalist Phippu Rindvieh korrigiert subito schelmisch: "Mir wärde dä Cheib drum eifach nid los!"

Nun ja, es war auch mein Schlussgang. Voraussichtlich das letzte Schwingfest, das ich für die BZ habe fotografieren dürfen. Meine lieben Fotografen-Kollegen haben mir das ermöglicht. Aber wie so oft spielt das Online-Team nicht ganz mit. Zwar schalten sie in fast regelmässigen Abständen während des Tages meine Bilder auf, jedoch von der Entscheidung des Events, dem Schlussgang, erhalten Agenturbilder den Vorzug! Bilder, die auf all den anderen Internet-Portalen zu sehen sind. Was soll das?!

Das ist einfach demotivierend! Nun nicht mehr für mich, aber tagtäglich für meine Gspähnlis im Fototeam.

Da kann Schalmei-Spieler Christoph Tonini, Vorsitzender der Unternehmensleitung von Tamedia, im TV und anderswo noch so beschönigen nach der Bekanntgabe von Sparübungen und Zusammenlegungen (sprich: Zürcher Medien-Einheitsbrei): "Entlassungen wird es keine geben. Wir werden noch mehr in den Online-Sektor investieren." Ach ja? Hat Tamedia? Wann denn, wie denn? Wo denn?

(Update 30.08.2017)

 


 

Bielersee

Ewig mag ich nicht von Abschieden berichten. Gestern abend leiste ich schliesslich meinen ersten Einsatz als freier Fotograf der BZ und fotografiere den Fussballmatch Köniz-Yverdon. Ein Neuanfang in ein "neues Leben" also. Ich bin extrem nervös und will meinen neuen Job gut machen. So dass meine neuen "Chefs" - Beat Mathys und Chrigu Pfander - finden: Momol, der darf noch mal ran.

Heute "leisten" Pudi Schneider und ich uns den Bielersee: Umrundung per Bike (ich E-, Pudi ohne E). Haben extrem den Plausch. Reden viel, lachen viel, trinken viel (neinei, keinen Alk!). Schliesslich ist es sauheiss. Machen wir mal wieder. Oder, tapferes Schneiderlein?

Selfies produzieren ist hingegen definitiv nicht unsere Stärke. Schliesslich sind wir beide ja auch recht ordentliche Fotografen und brauchten so Handygewix eigentlich nicht.

(Update 03.08.2017)

 

 

Abschied 6

Dann der Anbschieds-Apero mit meinen ArbeitskollegInnen im Schulungsraum der BZ vor drei Tagen. Trotz Ferien kommen 70 Leute - ich bin überwältigt! Guido Pelli verkürzt sogar seine Camper-Ferien, Thomas Peter verschiebt seine Auszeit mit der ganzen Familie um einen Tag! Zu futtern gibt's Thai Food, Thai-Bier, Wein, Mineral und Orangenjus.

Zuerst meldet sich Chefredaktor Pesche Jost per Internet aus New York, wo er eine Ausbildung macht. Ich bin paff. Dann übernimmt Stevou Adrian Zurbriggen, verdankt und überreicht mir Geschenke: eine Spardose in Form einer Polacam mit viiiiel Geld drin aus einer internen Sammlung, dann ein Kafitassli vom Kanton und eine Sondernummer der BZ mit 6 Seiten voller allerlei Ulkigem über mich. Anschliessend muss ich auch ran. Danke allen und überreiche, jedem, der es will, mein neues Werklein "Du machen Klickklick! Anekdoten aus 44 Jahren Pressefotografie". Muss Büchlein um Büchlein signieren.

Plötzlich melden sich die Sportlis zu Wort: Ädu Ruch übergibt mir ein signiertes YB-Shirt. Dann wird eine fast 20minütige witzige Videobotschaft (Handschrift Reto Kirchhofer und Co.) gespielt mit Statements meiner liebgewordenen Kollegen, vor allem aber zahlreicher Sportler. Ein sehr emotionaler Moment für mich. Ich bedanke mich, verlange nun aber endlich das erste Bier an diesem Abend. Daniela Bacchi, die mir auch sonst an diesem Abend mit Rat und Tat beigestanden ist, trocknet verstohlen meine Tränen der Rührung... Lüt, es het gfägt mit euch! Ihr werdet mir alle sehr, sehr fehlen!

Hier die Links zu Beiträgen zu meinem Abschied:

Telebärn

Radio Bern1

Radio neo1

BZ

(Update 30.07.2017)

 

 

Abschied 5

Dieses Adieusagen hat vor allen anderen Adieus stattgefunden - nur habe ich das bewusst klammheimlich vollzogen, weil es vermutlich in anderer Form zum Schmerzlichsten geworden wäre: Abschied vom Wankdorf!

Beim Spiel YB-Lausanne im April 2017 begleitet mich Tochter Nadja als Assistenz-Fotografin, nachdem sie schon vor Jahren erstmals diesen Wunsch angebracht hat, der aber erst jetzt nach schwierigen Terminabgleichungen hat realisiert werden können. Leider sind auch ihre Bilder bei BZ-Online nicht aufgeschaltet worden. Neu? Nein.

Ihr Lebenspartner Walter schaut in der Zwischenzeit Schreiber Fäbu Ruch über die Schulter und begleitet ihn nach dem Spiel zu den Interviews mit den Spielern.

Ich denke, für mich ist das ein wirklich unvergesslicher Abschluss in dieser denkwürdigen Sportstätte. Monate danach fotografiere ich dann nochmals einen Anlass im Stadion und schaue dabei sehr, sehr wehmütig auf diesen Rasen hinunter - das ist es also nun endgültig gewesen...

Danke dem tapferen Schneiderlein, das Nadle und mich beim Rausgehen fotografiert hat.

Medienchef Albi Staudenmann widmet mir im YB-MAG drei Seiten, würdigt meine Arbeit und bedankt sich. Auch ich bedanke mich - habe ich doch faszinierende Zeiten im Wankdorf mit YB erlebt!

(Update 19.7.2017)

 


 

Abschied 4

Dass mich Telebärn am Bernisch Kantonalen Schwingfest in Affoltern für einen Beitrag zu meinem bevorstehenden Abschied als Pressefotograf begleitet, weiss ich zwar schon seit ein paar Tagen. Dass mich der BKSV jedoch vor 12 000 Zuschauern offiziell verabschiedet, ist hingegen eine riesige Überraschung! Plötzlich erscheint Kantonalpräsident Adrian Affolter mit Mikrofon auf dem Schwingplatz, übergibt mir Schwingerhosen mit den Unterschriften der Berner Schwinger und heisst mich, das sperrige Zwilchding überzustreifen. Da eilt Pressechef Ueli Steffen herbei mit Brett, Nagel und Hammer. Nach Worten der Würdigung werde ich aufgefordert, den Nagel ins Brett zu hauen und die Kamera symbolisch daran aufzuhängen. Ich bin extrem gerührt! Leute - danke vielmal. Das Schwingervolk - Athleten wie Zuschauer - werde ich extrem vermissen. In keiner anderen Sportart habe ich einen Respekt voreinander in dieser konsequent gelebten Form erlebt. Lange habe ich gebraucht, um die Philosophie des Schwingens zu begreifen. Nun aber ist sie in meinem Kopf. Unauslöschlich.

Übrigens: Wer den Telebärn-Beitrag sehen möchte - www.telebaern.tv/118-show-news/17114-episode-montag-10-juli-2017/41452-segment-res-blatter-haengt-die-kamera-an-den-nagel

(Update 13.07. 2017)

 

Abschied 3

Start zur Juni-Session des Berner Grossen Rates. Der scheidende Vorsitzende Carlos Reinhard nutzt die Wartezeit auf das Wahlergebnis zu seiner Nachfolgerin Ursula Zybung, um sich vom Rat zu verabschieden. "Time to say goodbye!" Spricht über seine Regentschaft als mächtigster Berner. Leitet dann über zu mir und meinem Wirken seit 1977 als Fotograf im Kantonsparlament. Obschon ich Tage zuvor ein Windlein von dieser Aktion mitgekriegt habe, bin ich paff - um so mehr, als sich dann alle PolitikerInnen zu einer Standing Ovation erheben. Das ist nun doch... ach - fast zuviel für mich. Danach will der scheidende Präsident noch ein Selfy mit mir machen, das ich Minuten später auf meinem Handy erhalte. Leute - ich bin extrem gerührt! Die Arbeit im Rathaus hat mir über all die 40 Jahre sehr, sehr viel Spass gemacht, echt. Ihr werdet mir fehlen!

(Update 06.06.2017)

 


 

Abschied 2

Ürsu Buume hat sich während 29 Jahren den Arsch für dieses Produkt aufgerissen und organisiert einen Abschieds-Apero zu seiner bevorstehenden Pension im Tierpark - seinem Tierpark. Ausgerechnet da! Und es wird ein schöner Abend. Für alle, die gekommen sind. Leider fehlen die beiden Chefs, weilen im Ausland. Buume hätte sich sicher über eine SMS, eine Videobotschaft oder eine Mail aus den USA oder Hamburg gefreut.

Wir können teilhaben, wie ubl die Bären füttern darf. Plaudern, essen Raclette, trinken. Und geniessen den Abend inmitten all der Tiere, die Ürsu so viel bedeutet haben. Gastgeber ist Tierpark-Direktor Bernd Schildger, der sich Zeit nimmt und geduldig Fragen beantwortet.

Dann der 31. Mai, Ürsus Letztem. Legt mir kurz nach Mittag beide Batches und einen Schlüssel vor die Nase. "Da." Eine Stunde später sagt er: "Muess jitz i d Stadt. Chunnsch o no abe?" Verabrede mich vor dem Lift mit ihm, weil ich vor einem bevorstehenden Job noch kurz Gassi gehen muss, aber der Kollege ist danach schon weg. Finde ihn in der Einstellhalle, klaubt etwas an seinem Auto herum. Dreht sich unvermittelt zu mir um, reicht mir kurz die Hand und sagt leise: "Auso, tschou!" Mit sterbender Stimme und trockener Kehle will ich ich danken für alles, sage ihm, dass ich den Kontakt zu ihm nicht verlieren möchte, dass es mit ihm über all die 29 Jahre "gfägt" habe. Aber der Buumeli steigt schnell in sein Chrutzli ein, setzt rückwärts, dreht ab und fährt einfach weg. So ist der eben! Flüchtig wie ein Gas. Hat niemandem Adieu gesagt. Oder doch: mir. Ürsu, wir werden dich alle sehr vermissen!

(Update 06.06.2017)

 


 

Abschied 1

Weil ich Abschiede nicht gerne mag, laviere ich über den Zeitpunkt meines letzten Heimspiels des SCB. Gehe während den Playoffs sogar in die Ferien, um dem Trennungsschmerz zu entgehen. Aber ich mache die Rechnung ohne den SCB. Der wird Meister in Zug! Der Meisterbecher geht jedoch nicht an mir vorbei. Warte im Tempel auf die Mannschaft, dokumentiere den Freudentaumel und lasse mich zum x-tenmal mit Bier und Champagner nässen. Ist ja schon gut, Jungs.

Tags darauf macht die BZ ein Interview mit Sportchef Alex Chatelain. Während dessen tritt Medienchef Chrigu Dick dazu und reicht Alex ein Shirt zur Unterschrift. An sich nichts Ungewöhnliches. Doch dann dreht sich Chrigu zu mir um, reicht mir das Shirt und dankt mir für alles. Das habe ich nun wirklich nicht erwartet! Auf dem Rücken des schmucken Retro-Shirts prangen mein Name "Resu Blatter", eine riesige Nummer 1 und dazu die Unterschriften sämtlicher SCB-Spieler samt CEO! Hey, merci Giele. Das ist sehr edel von Euch. Zumal ich mich in letzter Zeit immer wieder über das heutige Hockey und seinen unsäglichen Modus ausgelassen habe. Was werde ich zwischen September und April wohl künftig dienstags und samstags am Abend tun?

(Update 06.06.2017)

 


 

Denkwürdiger Tag

Heute genau vor 49 Jahren, am 8. April 1968, habe ich eine Lehre als Schriftsetzer beim Berner Tagblatt begonnen! Das Zeitungsmachen hat mich seither nie mehr losgelassen. Aber in 113 Tagen werde ich pensioniert, ist Schluss damit.

Des schlechten Wetters wegen hier in Südostasien habe ich eine etwas andere Art Ferien verbracht. Die Sonnencreme hätte ich ruhig daheim lassen können. Dafür habe ich in den 18 Tagen viel geschlafen, gelesen und - gearbeitet! Habe meine Familienchroniken neu gestaltet, umgeschrieben, mit mehr Bildern versehen und am Büchlein "Du machen Klickklick!" gefeilt. Allzu viel Zeit bleibt mir ja nicht mehr... Glücklicherweise habe ich vor der Abreise einen ganzen Stapel historischer Fotos neu eingescannt, die Daten mitgenommen und jetzt aufbereitet. Da sind echte Trouvaillen darunter - etwa das Bild von meiner Mutter zusammen mit ihren Zwillingsbrüdern aus dem Jahre 1918. Ich habe grossen Respekt vor diesen Fotografien, sie sind ein Kulturgut par excellence! Ich möchte sie in Ton und Beschnitt so erhalten, wie sie der Fotograf von damals geschaffen hat. Kleine Kunstwerke mit Charakter eben.

(Update 8. April 2017)

 


 

Tropfenweise

Die Regenfälle in Südostasien sind recht dramatisch. Das zeigt dieses Bild eindeutig: Das Dach über der 11. Etage meines Hotels in Bangkok ist undicht geworden. Ist es bei meinem letzten Absteigen vor 14 Tagen noch ein Kübel gewesen, sind es jetzt 6, die unterstellt sind täglich mehrmals geleert werden müssen.

Das Bild steht irgenwie auch symptomatisch für Thailands Umgang mit dem Tourismus: Man hat jahrelang vom Aufschwung profitiert, gnadenlos die Natur ausgebeutet und eigene Kultur preisgegeben. Und jetzt, wo Konkurrenz aus Vietnam, Kambodscha, Laos und Myanmar erwachsen ist, lässt man allem seinen Lauf. Erhöht indessen die Preise (schliesslich verdient man ja weniger), investiert gar nicht oder wenn, dann völlig falsch und konzeptlos.

Das Coconut Beach Resort auf Koh Samui - dort wo ich seit 9 Jahren jeweils wohne - ist ein sehr sauberes, ruhiges Hotel mit riesigen Zimmern direkt am Strand gewesen. Gewesen, denn jetzt ist es nicht mehr ruhig. Ab morgens um 4 Uhr, wenn die letzten übrigen Lokale schliessen, öffnet gleich in der Nähe eine neue Disco (die Vorgängerlärmquelle ist ausgebrannt, hihi!) und deckt die Umgebung mit ihrem lauten Gewummer bis morgens um 7 Uhr ein. Und in dieser Umgebung stehen immerhin ein paar Resorts in gepflegter Umgebung. Und die verlieren nun Monat für Monat Gäste. Wer will schon mit Gehörschutz schlafen? Die Besitzer der betroffenen Hotels bezahlen offenbar kein oder zuwenig Schmiergeld an die örtliche Polizei wie der reiche australische Disco-Betreiber, der inzwischen mehrere Lokale in Lamai Beach am Laufen hat. Schade, dabei hat sich Koh Samui erfreulicherweise schon vor Jahren zur "Familieninsel" zu entwickeln begonnen. Beim Auschecken habe ich gestern den Besitzer des Coconut darauf angesprochen, aber er hat nur hilflos mit den Schultern gezuckt und gelächelt: "Weli, weli solly Sööl! Next taam cän häb luum othel wing!" Ich weiss nicht, ob es für mich ein nächstes Mal hier geben wird... Und wetten, dass die Schliesseinrichtung "meines" Zimmers 2911 im Coconut Beach Resort im Thai Style repariert wird - nämlich gar nicht? Das Zimmer wird wohl einfach nicht mehr vermietet werden!

(Update 7. April 2017)

 


 

 

 

Im Hundehimmel

Natürlich habe ich mich bei meinem Kollegen Nestor Stucki rasch nach dem Wiedersehen nach dem Befinden seiner Familie erkundigt: Tochter Iff wohnt seit kurzem im Isaan bei einer Tante und geht dort weiter zur Schule, bis sie in Khon Kaen eine Ausbildung zur Krankenschwester beginnen kann. Hund Lucky ist hingegen im Hundehimmel, falls es das für Hunde überhaupt gibt. Hat nachts während eines Gewitters nach einem mega Donnerschlag vermutlich einen Herzinfarkt erlitten und am morgen alle Viere von sich gestreckt. Stuckis haben ihn dann bei einem kleinen Tempel in den Bergen von zwei Thais ohne ihr Dabeisein bestatten lassen, weil das beim grossen Tempel von Lamai nicht möglich gewesen sei. Ist es Vorsehung gewesen, dass Nestor und Eh Stucki-Patama ihre noch komplette Familie kurz vorher nach einer Foto haben malen lassen? Jedenfalls steht das Gemälde jetzt auf Augenhöhe mit dem im letzten Jahr verstorbenen hochverehrten König Bhumibol in Stuckis Wohnstube auf Koh Samui.

(Update 6. April 2017)

 


 

Zugeschwemmt

Seit ich hier auf der Insel weile, regnet es Bindfäden, mit nur ganz kurzen Unterbrüchen. So intensiv und lange habe ich das in Thailand noch nie erlebt. Die Ringstrasse ist teilweise schon überschwemmt.

Köbu lässt mich morgens nun meist schlafen und besucht mich kaum mehr, hält sich versteckt im Geäst. Heute ist er kurz zugeflogen, ohne dass ich es sofort gemerkt habe, hat sich kaum 45cm neben meinem Kopf aufs Geländer gesetzt und neugierig in mein Buch geäugt.

Morgen lasse ich mich weitertreiben, bevor mir auf Koh Samui noch Schwimmhäute zwischen den Zehen wachsen. Hoffentlich wird der Flughafen dann noch in Betrieb sein.

Glücklicherweise hat mir der Schneider Pudi einen Krimi von Arnaldur Indridason als Printversion mitgegeben. Zudem habe ich mir den Hochverrat am Buch geleistet und - einen E-Book-Reader erstanden. So kann ich weitere Isländer oder Allgäuer Krimis heruntersaugen, wenn mir der Lesestoff ausgehen sollte.

(Update 5. April 2017)

 


 

Weckdrossel

Das ist Köbu, meine offenbar persönlich zugeteilte Weckdrossel. Er sitzt viel auf meinem Balkon und beäugt mich intensiv. Seit kurzem weckt er mich morgens mit seinem durchdringenden "Gigigigi, gigigigi, gigigigi!" Der gesellige Hirtenstar (Acridotheres tristis) kann menschliche Stimmen imitieren, aber auch ebenso Geräusche des Alltags. Vor ein paar Tagen hat so ein Tubel im Zimmer neben mir den Wecker auszuschalten vergessen. Das Teil hat über eine Stunde Gigigigi gemacht, bis Batterien oder Akkus leer waren. Ich habe fast durchgedreht. Köbi muss die Stimme des Teils vernommen haben und imitiert sie nun wacker. Vor allem morgens übt er: "Gigigigi, gigigigi, gigigigi!" Manchmal könnte ich den Vogel deswegen würgen - aber auch den nachlässigen Tubel, der das alles verursacht hat. Er hat im 2915 gewohnt - zwischen meinem 2911 und meinem 2917...

Vor zwei Tagen und Nächten ist mein Zeitempfinden völlig durcheinander geraten. Ich arbeite wie besessen am PC. Schreibe, recherchiere im Internet, denke nach, überprüfe, bearbeite. Tageszeiten sind mir total entglitten.

Köbu, komm ja nicht zu früh mit deinem "Gigigigi, gigigigi, gigigigi!"

(Update 2. April 2017)

 


 

Netooo oggeee!

Kaum bin ich letzten Mittwoch in Koh Samui gelandet und nach Lamai gefahren, versuchen mich hier ansässige Thais mit einem leichten Schulterklopfen zu beruhigen: "Nestor ok!" Die Köchin von Tom's Bakery sagt's, auch ihre Chefin. Und der Täxeler, der vor Tom's seinen Stammplatz hat, auch. Und beugt sich zu mir hin und flüstert schelmisch halblaut: "Can see Lediiii betel now!"

Nestor ist vor Tagen mit seiner Ehefrau Ea nach Bangkok gereist, um endlich seine Augen operieren zu lassen. Als er zwei Tage später wieder zurück ist, pfeifen es alle Spatzen von den Dächern - Nestor ist den Star los: "Netooo bäääg Samui!" Man nimmt Anteil, sorgt sich. Dörfligeist eben in diesem Touristenkaff. Mich beeindruckt das irgendwie, nein, es rührt mich.

Als Nestor, mein ausgewanderter Freund aus Bern, nach seiner Rückkehr aus dem Spital in der deutschen Kneipe anderntags halt macht, um zum Frühstück einen deftigen Wurstsalat zu kredenzen, fragt Wirt Wolle lachend: "Nestor, siehscht uns jetz endli wida?" Und das thailändische Personal flötet dreistimmig im Chor: "Netooo - ueucaaam!"

(Update 2. April 2017)

 


 

Schwemmholz

Mein Motto für diese Ferien ist Schwemmholz zu sein, mich treiben zu lassen. Weg, gleiten, mal hängen bleiben, dann wieder weiter. Egal was kommt. Klar bin ich mit vagen Vorstellungen aus der Schweiz losgeschaukelt, wie dieses Treiben etwa verlaufen könnte: Endlich mal Vietnam? Doch schnurstraks Kambodscha? Oder wieder mal in den ruhigen Norden? Chiang Mai oder noch besser Chiang Rai? Erneut zu Richu und Nok in den Isaan nach Mahasalakham? Koh Samui steht nicht zuoberst auf meiner Wunschliste - aber trotzdem bin in Koh Samui gestrandet!

Housis Zahnarzt-Termin in Bangkok ist zeitlich nicht einzuschätzen gewesen, auch die Folgen davon nicht. Ebenso die Briefkasten-Leerung nicht, zu der ich mich aus Neugierde einfach habe mittreiben lassen, weil ich schon ein paar Jahre nicht mehr in Pattaya gewesen bin.

Telefoniere von Pattaya aus meinem Freund Nestu in Koh Samui - er ist soeben in Bangkok angekommen, um im Spital den Star operieren zu lassen! Rufe vom Airport U-Tapao/Pattaya Richu im Isaan an - er ist gerade unterwegs nach Pattaya! Das gibt's doch nicht. Beide Freunde reisen mir, unwissend, dass ich Schwemmholz bin, quasi hinterher.

Nun hängt Schwemmholz Blatter in Lamai auf Koh Samui fest. Und beklagt sich nicht mal! Es stimmt so für mich. Nehme am Dörfli-Klatsch in Lamai teil, freue und ärgere mich über dies und das, faulenze, tue kaum was. Oder doch? Davon morgen.

(Update 1. April 2017)

 


 

Mister 2911

Der Chef vom Coconut Beach Resort in Lamai begrüsst mich morgens: "Sawasdee khrap Midda 2911!" und macht einen tiefen Bückling begleitet von einem Wai, dem thailändischen Gruss (die Hände zum Hausdächli geformt). Ist mir fast peinlich. Mister 2911 heisse ich hier, weil ich schon seit über 8 Jahren zweimal jährlich das selbe Zimmer, eben das 2911, belegen will und darf. Es gefällt mir darin. Es ist gross, sauber, hell, funktional, mit Sicht auf Palmkronen, Kokosnüsse und Meer. Da ist auch mein Zuhause. Und ich geniesse zudem Vorzüge des Stammkunden: man macht mir etwa einen Preis weit unter dem saisonalen Tarif. Einfach so, ohne dass ich darum feilschen muss.

Doch diese schöne Tradition wird nun jäh durchgerüttelt: Gestern hat mich MEIN Zimmer ausgesperrt, ist der Schliessmechanismus mit Ritschratsch-Karte an der Tür ausgestiegen. Der herbeigerufene Gärtner und Hauswart erklettert mittels langer, wackliger Bambusleiter barfuss mit einer schweren Werkzeugkiste in der einen Hand (ich kann kaum hinsehen) meinen Balkon im zweiten Stock, dringt ein und öffnet die Tür von innen. Aber da ist nichts mehr zu machen, das Schloss ist futsch - ich muss umziehen! Zwei Türen weiter ins 2917!

(Update 31. März 2017)

 


 

Etwas Wärme

Es regnet auf Koh Samui in Strömen, als ich ankomme, von tropischem Klima ist vorerst nichts zu spüren. Deshalb genehme ich mir zum Znacht bei meinen Freunden Mimi und Phu quasi zum Aufwärmen ein Massaman-Süppchen, auch genannt Muselman-Curry, einer Spezialität aus Südthailand muslimischer Herkunft. Meiner ehemaligen Arbeitskollegin Daniela dürften während dem Verzehr wohl die Ohren geläutet haben.

Massaman koche ich mir zwar daheim regelmässig selber, aber es ist mein Lieblings-Thai-Food schlechthin - und sehr einfach zum nachkochen (siehe Rezept auf meiner Website. Und Massaman ist die erste Speise gewesen, die ich bei meinem ersten Besuch in Lamai Beach 2001 kredenzt habe! Um Bauch und Herz aufzuwärmen hat das heute einfach sein müssen. Jawolll!

 

Chaos zuvor auf dem Flughafen U-Tapao, der ja eigentlich nicht gerade einer der frequentiertesten Airports ist: die Deppen haben doch tatsächlich zirka 120 russische Heimkehrer, etwa 50 Besucher von Koh Samui und noch eben soviele chinesische Heimkehrer - also Passagiere von drei verschiedenen Maschinen und Destinationen - quasi gleichzeitig über die gleiche Gate geschläust! Dafür haben die Flight Attendants permanent wie wild auf ihrem privaten Handy herumgefummelt, herumgezeigt und Social Media ach so lustig gefunden. Nimmt mich nur wunder, ob es da jeder Fluggast wirklich auf Anhieb zu seiner Maschine geschafft hat.

Die Verblödung der Menschheit ist offenbar fast flächendeckend schon sehr weit fortgeschritten. Mir graust vor diesen willenlosen Individuen, die permanent so ein Kästchen wie einen heiligen Gral vor sich her tragen und nicht merken wie sehr sie sich ausliefern...

(Update 28. März 2017)

 

 

Kleiner Abschied

Abschiedsessen mit Housi an Jomtiens Beach Road. Ich geniesse die gebratene Ente an Orangensauce mit Broccoli, Rüebli und Kartoffeln in dieser relativen Ruhe hier gegenüber dem schrillen, lauten, touristisch entarteten Pattaya.

Unsere Wege trennen sich nun bereits wieder: Housi fährt heute morgen früh mit dem Bus nach Sihanoukville zu seiner Partnerin Kanitha und dem Krabbel-Pflegekind Angena zurück. Gerne wäre ich auch mit nach Kambodscha gereist, aber meinem Rücken und so will ich keine 12stündige Busfahrt zumuten. So habe ich gestern in Ermangelung anderer Alternativen in diesen ungewohnt kurzen Ferien einen Flug nach Koh Samui gebucht.

(Update 28. März 2017)

 


 

Briefkasten leeren

Die letzten Tage sind recht ruhig verlaufen - wenigstens für mich. Housi hat in Bangkok vom Zahnarzt eine Schraube für ein Implantat in den Kiefer gekriegt. Ist dann mit allerlei Tabletten und Wässerchen in einer Tragtasche entlassen worden.

Gestern sind wir mit einem Taxi in zwei Stunden nach Pattaya gefahren, wo Housi "seinen Briefkasten" hat leeren müssen. Mein Kollege lässt seit einiger Zeit seine Post zu einem in Jomtien sesshaften Schweizer senden, nachdem er in Kambodscha - mit Domizil in Sihanoukville - mal über 3 Monate auf ein Kuvert mit der Krankenkassen-Karte hat warten müssen. In Kambodscha wird die Post nämlich nicht einfach nach Hause geliefert, sondern muss abgeholt werden - eine mühsame Sache, die nicht immer Erfolg verspricht.

Obschon Pattaya keineswegs mein bevorzugtes Pflaster ist, hat es mich doch gereizt, und ich bin mitgefahren, um mal per Taxi einen Briefkasten zu leeren...

Housi besteht übrigens auf meinem Geständnis an dieser Stelle, dass wieder einmal ich mit meinem zu schweren, voluminösen Gepäck schuld sei, dass er der vielen Treppen wegen eingewilligt habe, nicht mit Skytrain und Bus zu reisen, sondern dass wir ein bequemes, aber teures Taxi (28 Franken) gechartert haben!

(Update 27. März 2017)

 


 

Nicht übel - nein: hervorragend!

Zumindest die Crew der LX 180 macht an diesem Tag einen super Job! Das muss ich nun wirklich posaunen. Selbst der üblicherweise heikle Nachschub nach dem Essen (sprich: noch etwas Rotwein, bitte) wird ohne Massregelungen geliefert. Belege eine Dreierreihe für mich allein. Die halbe Nacht ziehe ich mir immer und immer wieder vom Bordentertainment eine sensationelle Live-Aufnahme von David Gilmour rein. Vor allem "Shine on you crazy diamond". So wird die Flugzeit von über 10 Stunden in der blau beleuchteten Boeing 777 etwas besäuselter und erträglicher - ich fühle mich plötzlich fast schwerelos und 25jährig...

Kollege Housi Hauert meldet sich telefonisch kurz nach meiner Landung auf Bangkoks Airport Suvarnabhumi. Erwartet mich in der Lobby meines Hotels. Er muss morgen früh in ein Spital in Bangkok einrücken! Vor ein paar Tagen hat ihn erneut eine heftige Nierenkolik flachgelegt. Seine Fangemeinden in der Schweiz und in Kambodscha wollen nun, dass er sich unbedingt in einem thailändischen Spital durchchecken lässt.

(Update 23.03.2017)

 


 

Kunde ist König

Rechtzeitig lege ich meinen Rollkoffer aufs Band beim Check-in-Schalter der Swiss in Zürich, hinter mir keine Warteschlange. Schiebe Bordkarte (ich habe gestern per Internet eigecheckt), Pass und Mitgliedkarte von Miles and More über den Tresen. Die Dame in Uniform von Swiss pflaumt mich an: "Stelled Sie de Koffer anders äne!" Und giftelt gleich weiter: "Miles and More müend Sie sälber registriere!" "Wo de?" "Döt hine am Apparat!" und deutet auf die unsäglichen Self-Checkin-Säulen. "Uuuusnahmswys mach ich das für Sie!" Zieht mein blaues Kärtchen - schwupp! - durch den Spalt in ihrer Tastatur vor sich. Uebertrieben überschwenglich bedanke ich mich bei der Schnepfe. Und ärgere mich abgrundtief, dass ich erneut bei Swiss gebucht habe! Bei Thai Airways hätte ich zwar 70 Fränkli mehr bezahlt, wäre aber als Kunde ein kleiner König gewesen...

Da hilft nur ein eiskaltes Erdinger-Bier oder zwei, nein drei, vor dem Abflug mit der Billig-Airline, die sich auf gut Züritüütsch SWISS GLOBAL AIR LINES nennt!

(Update 22.03.2017)

 


 

Gebucht!

Swiss International Air Lines 180, 22. März 2017, Zürich ab 17:55, Richtung Bangkok direkt. Wie's weitergeht? Keine Ahnung. Lasse mich wie ein Stück Schwemmholz schaukelnd einfach treiben... Gebuchter Rückflug mit Flug 181 am 10. April, falls es sein soll. Sonst halt nicht.

(Update 11.02.2017)

 


 

Eileen ist da!

Ein Freudentag. "Die Familie Blaschy ist somit komplett." teilt die tapfere Schwiegertochter Aenni kurz nach der Geburt ihrer Tochter per SMS mit. Schon vor dem Kraftakt hat sie uns immer wieder laufend über die momentane Lage informiert. Wie schaft diese zierliche Person das nur? Ich bewundere sie.

Nach Allen und Levin sei das die wohl leichteste Geburt gewesen, stellt mein Sohn Erik mit nötigem Respekt fest.

Jaja, Grossväter neigen dazu, ihre Enkelkinder stets im schönsten Licht zu sehen. Aber nun ehrlich: Die Kleine in ihrem Häubchen ist doch zuckersüss, gerade wenn sie so herzhaft gähnt! Einfach zum Knuddeln. Oder?

(Update 23.01.2016)

 

Blaschys vlnr: Aenni, Allen, Levin, Erik und Eileen Blatter.

 


 

Lebensweisheit

Letzte Stunden in Bangkok. Ein letzter Blick aus dem Hotelfenster. Während der vergangenen Wochen bin ich immer irgendwie krank gewesen - Fieber, Schnupfen, starker Husten. Das, obschon ich die Klima-Anlagen gemieden habe.

In Thailand entwickelt sich zwischen Taxifahrer und Fahrgast fast immer ein Small Talk, der in der Regel vom Driver gesucht wird. Wegen Verständigungsschwierigkeiten ist der aber nicht immer gleich ergiebig. Auf der Fahrt zum Flughafen - ich muss ja wieder mal zurück in die Schweiz und meine verbleibenden 269 Tage abarbeiten gehen - fragt mich der Fahrer natürlich nach der Airline und wohin ich fliegen werde. In typischem Thinglish (Thai-Englisch) philosophiert er danach nachdenklich, vermutlich ohne eine Antwort von mir zu erwarten: "Oh, you happy, can go eviwe'. Me cannot! Stay Bangkok. When die, can go. Maybe go to Chiang Mai!" Die Bescheidenheit dieses einfachen Mannes haut mich um. Er möchte nach seinem Tode nicht irgendwohin in die weite Welt, ins Universum, sondern einfach einmal nach Chiang Mai. Wann war ich zum letzenmal in Chiang Mai? ich muss unbedingt wieder mal dorthin!

(Update 3. November 2016)

 


 

Rache

Rückblende: Als wir vor 12 Tagen in Myanmar einem Taxiunternehmer für 3 VIP-Bus-Tickets von Bago nach Mandalay 45 Dollar hingeblättert haben, am Abreisemorgen von diesem im Taxi an eine abgelegene Raststätte an eine Art Autobahn gebracht worden sind, aber erst da erfahren haben, dass dieser Bus "wegen eines Missverständnisses" gar nicht fährt (den gibt's gar nicht!) und wir stattdessen notgedrungen mit einem verbeulten Kleinbus weiterfahren müssen, ist Housi ausgerastet, weil der Betrüger kein Geld hat zurückerstatten wollen - und hat während der ganzen Holperfahrt Rache geschworen!

In den Genuss einer VIP-Busfahrt kommen wir dann erst bei der Nachtreise von Bagan nach Yangon (Bild). Unter der blauen Schlafdecke schmiedet Housi einen Schlachtplan:

Am Vorabend seiner Ausreise aus Myanmar bestellt er als Mister Soundso telefonisch beim Betrüger für 7 Personen aus Deutschland und Italien zwei Taxis zum Magic Rock (hin und zurück 4 Stunden Fahrzeit) ab dem renommierten Han Thar Gardens Resort 10km ausserhalb von Bago. Die Stimme des Betrügers wird gleich honigsüss, und er bedankt sich überschwenglich für den lukrativen Auftrag. Housi hat die Abfahrtszeit für die Reisegruppe, die es gar nicht gibt, ab Hotel Dingsbums so terminiert, dass er anderntags die Passkontrolle längst passiert hat und kurz vor dem Abflug nach Phnom Penh steht.

Die Geschichte nimmt ihren gewünschten Lauf: kurz vor dem Boarding ruft der Täxeler Housi aufgeregt an und beklagt sich, dass man im Hotel Dingsbums keinen Mister Soundso kenne. Auch keine Deutschen und Italiener als Gäste habe. Jetzt outet sich mein Kollege triumphierend: "Du hast uns mit den VIP-Tickets verarscht, jetzt habe ich dich verarscht!" Schaltet das Handy aus, vernichtet die burmisische SIM-Karte, besteigt mit Kanitha die Maschine und fliegt zufrieden mit sich und der Welt von Yangon via Bangkok nach Kambodscha in seine Wahlheimat zurück.

(Update 1. November 2016)

 


 

Gaggetöönli

Es gibt Kollegen, die sich furchtbar nerven, dass Arbeitskollegin Daniela und ich jedesmal wenn eines von uns in Thailand weilt, einmal zu Ehren des andern ein leckeres Menü kredenzt. Und dass ich das hier immer wieder breitschlage. Aber das wollen wir beide so. Heute nachmittag springt mir im Sri Nuan Restaurant ein leckerer Red Snapper in Garlic and Pepper auf den Teller, ergänzt mit Morning Glory (Wasserspinat), den ich dann zusammen mit dem Fisch genüsslich "auf Daniela" verspeise. Sie kennt dieses Lokal; wenn ich mich recht erinnere, waren wir sogar mal zusammen da, als wir uns auf Koh Samui getroffen haben.

Da der Nährwert des Fischchens nicht allzu lange hinhält, genehmige ich mir quasi als Absacker vor dem Schlafengehen bei Maeli, einer zirka 55jährigen Thai, die Schweizer Futter anbietet und bis morgens um 6 Uhr geöffnet hat, völlig dekadent "Gaggetöönli", wie die umtriebige Frau Ghackets mit Hörnli bezeichnet. Maeli ist die gute Seele in Lamai; früher hat sie als Köchin im Swiss Chalet gearbeitet, sich dann aber mit dem Schweizer Chef überworfen und aus Trotz gleich ennet der Strasse eine winzige Imbissbude eröffnet, in der sie die Renner aus dem Swiss Chalet anbietet. Dieses früher bekannte Lokal ist inzwischen längst geschlossen - Maeli's Bistro hingegen floriert.

Daniela, hättest du am Ende statt des Red Snapper mit Morning Glory lieber die Gaggetöönli als das dir gewidmete Essen gehabt?

(Update 30. Oktober 2016)

 


 

Regnerische Tage

Die Palmen lassen ihre Wedel hängen.

Kaum weile ich auf Samui regnet es. Zwar nicht dauernd, aber doch immer wieder. Die einen freut das, weil das Wasser auf der Insel offenbar längst knapp geworden ist. Die andern schimpfen. Ich nicht - mir passt das. Nach je einem Krimi von Andreas Föhr und Yrsa Sigurdardottir lese ich gerade einen Arnaldur Indridason, dann wartet ein weiterer Schunken von Yrsa Sigurdardottir; als Letzter in der Warteschlange steht ein Martin Suter.

Lamai Beach ist wie ausgestorben. Kaum Touristen. Die Restaurants und Bars dürfen noch bis auf weiteres keine Musik spielen wegen des verstorbenen Königs. So tut er über seinen Tod hinaus Gutes. Ich glaube, selbst Journalisten-Kollege Clödu könnte sogar hier im Coconut Beach Resort schlafen wie ein Murmeli bei dieser wohltuenden Ruhe...

(Update 29. Oktober 2016)

 


 

Hello! Where are you from?

Immer wieder verfolgt mich diese Frage, die uns in Myanmar fast alle 15 Minuten gestellt worden ist. Nur eine Floskel? Oder ist das burmisische Volk wirklich so wissbegierig? Weil ihm jahrzehntelang Bildung und Wissen entzogen, Kontakte zur "Aussenwelt" unterbunden worden sind? Ich kann das Erlebte einfach noch nicht einordnen. Deshalb schweifen meine Gedanken immer wieder ab in die vergangenen 10 Tage in Myanmar.

Immer wieder taucht das Bild einer flüchtigen Bekanntschaft mit einer vermutlich uralten Frau auf, die bei einer Bushaltestelle in Bago lebt. Als wir an ihr vorbeigehen, steht sie würdevoll da, ruft "Hello!" und salutiert militärisch mit angewinkelter rechter Hand. Betreten bleiben wir stehen. Sprechen sie auf Englisch an, sie antwortet auf Burmisisch. Sprachen helfen da nicht weiter. Mit Schnüren und drei Plastikplachen hat sie sich eine Art Zelt gebaut, das an der einen Säule der Bushaltestelle verankert ist. Housi deutet auf das sonderbare Haus und erhält ein Kopfnicken als Antwort. Er klappt die eine Plache etwas zurück und schaut darunter. Da liegt eine Decke. Die Frau lebt tatsächlich da drin! Ich deute auf meine Kamera und zeige auf die greise Frau. Sie nickt und hält still, damit ich sie fotografieren kann. Zeige ihr das Bild auf dem Display. Sie lächelt leicht und nickt wieder. Kanitha klaubt eine Kyat-Banknote hervor und streckt sie der Frau hin. Nur zögernd ergreift sie die Alte, murmelt etwas und deutet mit dem Kopf auf eine kleine Garküche auf der anderen Seite der kleinen Haltestelle hin. Als wolle sie sagen: Ach, ich bekomme doch von da, was ich zum Leben brauche.

(Update 28. Oktober 2016)

 


 

Le Fondue de Samui

Trenne mich schweren Herzens in Yangon von Housi und Kanitha und fliege vormittags vorerst nach Bangkok. Vor dem Weiterflug nach Koh Samui rufe ich Kollege Nestor Stucki in Lamai Beach an, um meinen Besuch anzukündigen. "Säg nid, du sygsch scho z Lamai?" "Nei, no z Bangkok uf Suvarnabhumi." "Bi üs git's hinech es Fondue mit Gorgonzola. Bisch yglade, mir hei gnue Chäs!" Das passt! Mein geschätzter Hausarzt hat mir vom obligaten Freitagabend-Fondue abgeraten (diesen Ratschlag habe ich seitdem strickt eingehalten, jawolll!) - aber heute ist Dienstag und nicht Freitag...

Da meine Maschine wegen eines Defekts über eine Stunde später startet und demnach auch viel später landet, verpasse ich das "Gäbelitouche" in Lamai. Als ich endlich doch in Tom's Bakery eintreffe, brutzelt nur noch wenig Käse im Pfänni. Aber der gute Nestu verteidigt diesen Resten für mich. "Haut! Kene nimmt me öppis! Dä Bitz u o der Räschte isch für e Resu!" Schiebt mir den feuerheissen Kloss in den Mund. Das ist doch Lebensqualität und auch Freundschaft, oder?

Beim Flug nach Koh Samui erlebe ich vermutlich erneut einen Hörsturz - diesmal auf dem linken Ohr. Neben dem Tinitus auf dem rechten Ohr höre ich links plötzlich nur noch "wellenförmig", an und abschwellend. das ist sehr unangenehm.

(Update 27. Oktober 2016)

 


 

Abschied

Es sind intensive 10 Tage in Myanmar gewesen, in denen Housi, Kanitha und ich mit Schiff, Bus, Taxi und Elektro-Roller mehrere 100km zurückgelegt haben. Bewegende Momente werden in Erinnerung bleiben: an viele freundliche Gesichter von hilfsbereiten Menschen; an die vier Frauen aus vier Generationen etwa, die sich in einer Tempelanlage in Bagan bereitwillig fotografieren lassen; an ein Land, das noch nicht vom Massentourismus zerfurcht ist; an den 10jährigen Jungen, der seine Zeichnungen verkaufen möchte, uns stolz seine Banknoten- und Münzensammlung aus aller Herren Länder zeigt und für den ich mein so nützliches Migroswägeli-Fränkli aus der Hosentasche klaube und es ihm zu seiner Freude schenke; an jenen Hirten, der rücklings auf dem Rücken seines riesigen, friedlich weidenden Wasserbüffels liegt und schläft (davon gibt's leider keine Foto). Bilder aus einer anderen Zeit!

Aber da sind auch weniger schöne Eindrücke: an die einseitige, ölige, schwer bekömmliche burmesische Küche; an grosse Verständigungsprobleme selbst in Yangon, der 5-Millionen-Stadt (ausser natürlich im "Touristenort" Bagan zum Beispiel); an hauchdünnes Toilettenpapier, das grundsätzlich nie dort reisst, wo es sollte; an täglich mehrere Strom- und Internet-Ausfälle; an viel zuviele Hunde und Tauben; an aggressive Taxidrivers; an chaotische Zustände an den Bus-Terminals; an dauernd spuckende Männer, die allüberall ihren roten, von der zerkauten Betelnuss gefärbten widerlichen Auswurf verspritzen; an die Abzockerei durch das Gouvernement, das mit einem Teil des Geldes seine Armee (womöglich immer noch inklusive Kindersoldaten) finanziert und Menschenrechte nach wie vor missachtet; an eine noch längst nicht bewältigte Hinterlassenschaft der Militärdiktatur der letzten Jahrzehnte.

Dass ich ausgerechnet heute für die letzte Nacht in Yangon eine schmuddelige Schuhschachtel von einem Zimmer "eingefangen" habe, verleitet mich zur Aussage, dass mich Myanmar wohl übermorgen nicht schon wieder zu Gast haben wird. Ich freue mich jedenfalls, wieder nach Thailand zurückkehren zu können...

(Update 26. Oktober 2016)

 

 

Bagan

Die historische Königsstadt Bagan besteht aus über zweitausend erhaltenen Sakralbauten aus Ziegelstein, die über zirka 36 km² verstreut sind. Die ältesten von ihnen sind schon im 11. Jahrhundert erbaut worden. Bagan ist damit eine der grössten archäologischen Fundorte Südostasiens.

Kanitha, Housi und ich mieten uns Elektro-Roller und "arbeiten" unsere 25-Dollar-Tickets ab, die wir gestern beim Anlegen am Flussufer haben zwangskaufen müssen... Bagan ist auch einer der wenigen "Touristen-Hochburgen" Myanmars: Täglich besteigen hunderte von Touristen einen der dafür geeigneten Tempel, um von da aus Sonnenauf- oder untergang zu bewundern. Auch ich, natürlich barfuss, wie das so Sitte ist. Housi, dieses Kamel, versteckt inzwischen meine Schuhe in einem Busch und lässt mich nach dem halsbrecherischen Abstieg von der zweitobersten Plattform eine Weile suchen.

(Update 24. Oktober 2016)

 

 

Ayeyarwaddy River

Die Bootsfahrt von Mandalay nach Bagan den Ayeyarwaddy flussabwärts dauert 9 Stunden. Verpflegung auf dem Schiff. Obschon es unterwegs ausser einigen Dutzend Lastkähnen und ein paar Hotelbooten wenig zu sehen gibt - das Ufer ist meist zu weit weg - ist die Reise recht entspannend. Dann nach dem Anlegen in Bagan das übliche Theater mit den Taxidrivers, von denen natürlich jeder ein fettes Geschäft machen will. Sahnehäubchen ist die Entrichtung einer obligatorischen Taxe von 25 Dollar an das Gouvernement für den Besuch der Bagan Archaeological Zone, einem Gebiet mit unzähligen historischen Pagoden, in dem aber ein paar reiche Burmesen teils auf ursprünglichen Mauerfragmenten "ihre" persönliche Pagode aufgebaut haben und so den wahren Wert dieser historischen Stätte herabmindern.

(Update 23. Oktober 2016)

 


 

Männersache

Der Besuch des Mahamuni Buddha Tempels in Mandalay befremdet mich irgendwie: Bis zum Allerheiligsten, einer der fünf Buddha-Statuen, die schon zu Lebzeiten von Buddha errichtet worden sein sollen (man rechne...), haben nur Männer Zutritt. Die Frauen beten im Vorraum und können höchstens über Videoscreen verfolgen, wie die Männer im innersten Tempel hauchdünne Blattgold-Plättchen an die Statue patschen. Ich ziehe es vor, im Vorraum zu bleiben. Nicht primär aus Solidarität mit den Frauen, gebe ich zu. Denn Frauen dürfen weder Buddha noch einem Mönch berühren. Bin ich froh, bin ich weder noch. Nein - mich ekelt davor, über meine ohnehin überknielangen Hosen für gutes Geld einen tausendfach gebrauchten und verschwitzten Leih-Sarong überzuziehen, um zum Heiligtum vorgelassen zu werden. Weil Kanitha unbedingt ein Handyfoto von der Statue möchte, arbeitet sich Housi mit ihrem Handy vorsichtig zum Heiligtum vor, wird dann aber wegen seiner "unschicklichen Kleidung" sanft zurückgepfiffen.

(Update 22. Oktober 2016)

 


 

1728 Stufen himmelwärts

Mir ergeht es wie einem Kind, das immer wieder fragt: "Wie wyt geit's no?" Und immer wieder lasse ich mich von Begleitern und Entgegekommenden auf die nächste Kurve, aufs nächste Plateau vertrösten. Der ganze Körper trieft in dieser sengenden Hitze. X-mal explodiert mir fast der Kopf, möchte den Bettel hinschmeissen und umkehren. Die nackten Füsse brennen. Frage mich: Weshalb tue ich mir das an?! Kann den Firlefanz rundherum kaum mehr ertragen. Aber unvermittelt stehe ich oben auf dem Gipfel des Mandalay Hill! Wow! Unter uns die zweitgrösste Stadt Myanmars.

Dann der Hammerschlag. Ein junger Mönch fragt mich, aus welchem Land ich komme. Immer noch fast ausser Atem gebe ich Auskunft. "Oh, Switzerland? In your country you say not 'Hello', you say 'Grüezi'!" Dankeschön. Bin ich so weit gereist, habe mit letzter Kraft im Schweisse meines Angesichts barfuss 1728 Treppentritte erklommen, um für ein "Züri" gehalten zu werden? Wirklich dankeschön, Mönch.

(Update 21. Oktober 2016)

 

 

Vorbehalte

Myanmar bereisen zu wollen braucht Zeit, aber auch viel Geduld. Die Leute sind zwar meist sehr nett und hilfsbereit, fast fürsorglich. Aber eine Unterhaltung mit den allermeisten ist schlicht unmöglich, kaum einer spricht etwas Englisch. Im Land, in dem sich die Frauen eine gelblichweisse Rindenpaste auf die Wangen schmieren und die Männer Röcke tragen ist alles etwas anders. Selbst in den Hotels ist Fremdsprachigkeit nicht selbstverständlich. So sind Missverständnisse geradezu vorprogrammiert.

Wir haben uns gestern über einen Vermittler für einige Dollars drei Sitzplätze in einem VIP-Bus von Yangon herkommend nach Mandalay erkauft. Morgens werden wir vom Vermittler an eine Ausfallstrasse des Highways gebracht. Aber da steht kein VIP-Bus, sondern nur ein verbeulter Kleinbus. Es sei ein Missverständnis, sagt der Vermittler. Housi nennt das Betrug - ein Streit entsteht. Der Hans Hauert haut verbal kräftig um sich! Der Vermittler verliert sein Gesicht und wird nun auch aggressiv. Die übrigen Fahrgäste, drei Frauen und ein Junge, ziehen sich verängstigt ins Wagenhintere zurück. Ich versuche deeskalierend zu wirken. Schliesslich fahren wir dann doch los, weil wir kaum eine andere Wahl haben. Die angespannte Situation im Wagen entkrampft sich erst nach Stunden, als mich bei einem abrupten Bremsmanöver ein Schwall kalten Wassers aus der Klimaanlage über meinem Kopf duscht: als ich tropfnass lachend hinter mich schaue, kichern die burmesischen Frauen hinter vorgehaltenen Händen plötzlich fröhlich drauflos. Das Eis ist gebrochen. Housi kocht während der ganzen 7stündigen Fahrt nach Mandalay - und schwört Rache...

(Update 20. Oktober 2016)

 

 

 

Kyaikhtiyo

Der Goldene Fels liegt auf einem Berg beim Städtchen Kyaikhtiyo, zwei Autostunden von Bago entfernt. Er ist wichtiger Wallfahrtsort der Buddhisten. Viele übernachten gar da oben. Die auf 1102 Metern üM gelegene Kuppe besteht aus Basaltgestein. Der Legende nach wird der Fels nur von zwei Haaren von Buddha im Gleichgewicht gehalten...

Ein kleines Mädchen will mich unbedingt am Arm anfassen, was scheinbar Glück bringen soll; seine Mutter fotografiert es zusammen mit mir und Housi.

Die Fahrt vom Städtchen zur Bergspitze dauert eine Stunde. Die Pilger werden auf Lastwagen, in 36er-Packs zusammengepfercht wie Vieh in halsbrecherischer Fahrt über steilste schmale Strassen hoch und wieder runter gekarrt. Wie Vieh benehmen sich denn auch die Menschen beim Ein- und Aussteigen - widerlich! Ich werde mir das jedenfalls nie mehr antun, so schön die Aussicht von diesem Berg aus auch ist und der Magic Rock in der Abendsonne leuchtet.

(Update 19. Oktober 2016)

 

 

 

Kolossal

Die Shwedagon-Pagoda ist das Wahrzeichen Yangons, ja, eigentlich Myanmars und ist mit ihren 99 Metern Höhe auch die grösste im ehemaligen Burma. Hunderte wenn nicht Tausende besuchen sie täglich, betende Buddhisten, jugendliche Nonnen (Bild unten links) und Mönche, nun aber auch ein paar Touris. Housi raunt mir zu: "Merksch? Mir faue uf!" Tatsächlich - alles was wir tun, wird verstohlen, teils sogar ganz neugierig beobachtet!

Auch Housis Lebenspartnerin Kanitha, eine gläubige Kambodschanerin, verrichtet da und dort ihre Gebete und vollzieht ihre Rituale. Sie besprüht dabei eine Buddha-Statue mit Parfüm. Sehr zum Aerger von Housi (Bild Mitte), der nicht verstehen will, dass sie das teure Parfüm, das er ihr geschenkt hat, einfach auf diese Weise opfert. Ein Dauerbrenner zwischen den beiden...

(Update 18. Oktober 2016)

 


 

Verspätet gelandet

Ein Spässchen der besonderen Art denken sich Housi und Kanitha aus, während sie auf dem Airport von Yangon in Myanmar fast 2 Stunden auf meine verspätete Maschine aus Bangkok warten müssen: Als ich nach den schier endlosen Grenzformalitäten den Ausgang betrete, ist Kanitha in die Reihe der wartenden und lamentierenden Taxidrivers eingereiht, die auf Ankömmlinge warten, hält ebenfalls ein Schild hoch und schreit meinen Namen! Housi benimmt sich dabei wie ein unflätiger Pressefotograf und tut so, als würde er meine Ankunft fotografieren. Sehr zum Erstaunen der übrigen unzähligen Wartenden. Dieses "Expat" bezieht sich übrigens auf ein Wort, das Housi in einem seiner letzten Mails verwendet hat, und das ich nicht verstanden habe. Nun kenne ich die Bedeutung...

(Update 18. Oktober 2016)

 


 

Ausblick

Die Sicht auf zwei Hochhäuser in einem Geschäftsviertel Bangkoks ist meine hauptsächliche Wahrnehmung der Aussenwelt vom Bett aus in Zimmer 882 während der letzten 5 Tage gewesen. Nicht nur weil ich die meiste Zeit krank gewesen bin, sondern weil ich es mir auch so eingerichtet habe! Dafür habe ich ganz viel geschlafen, je ein Buch von Andreas Föhr und Yrsa Sigurdardottir verschlungen - und mich zu erholen versucht! Bangkok befindet sich zurzeit immer noch im Ausnahmezustand wegen der Trauerzeit um den König: Viele Attraktionen sind nicht zugänglich. Alkohol gibts nicht zu kaufen. Tausende von Bars sind verrammelt. Gestern hat das "Hooter's" um die Ecke um 21 Uhr die Rollläden hochgezogen und begonnen, einen normalen Betrieb aufzuziehen, doch kurz vor 23 Uhr ist schon wieder Schluss gewesen. Die Polizei (oder ist es die Armee?) setzen diese verordnete Trauerzeit konsequent durch. Konsequent? Gestern habe ich vor dem Hotel an einem Tischchen einen Schlummerbecher getrunken - das Bierglas ist in eine Serviette eingewickelt serviert worden... An einem Nebentisch haben Engländer ungehindert Heineken aus unverhüllten Flaschen getrunken! Bezieht sich dieses Ausschank-Verbot nur auf einheimisches Bier? Da soll einer Thailand, seine Sitten und Gesetze verstehen!

Morgen geht's nun weiter: Ich fliege nach Yangoon in Myanmar (früher Burma) und werde am Airport von Kollege Housi Hauert und seiner Partnerin Kanitha erwartet, sie kommen von Phnom Penh her und landen 90 Minuten vor mir.

(Update 16.10.2016)

 


 

Trauerflor

Heute erreicht mich eine SMS von Kollege Nestor Stucki und seiner thailändischen Ehefrau Eh:"Wir trauern um den König!" Schon als ich Nestu vor Jahren nach seiner Auswanderung nach Koh Samui zum erstenmal dort getroffen habe, hat er wiederholt gesagt: "Es chunnt einisch nid guet, wenn der Chünig stirbt!" Nun, vielleicht behält er diesmal nicht recht - hoffentlich.

Hier in Bangkok läuft seit gestern alles etwas anders als gewohnt: Bars und viele Restaurants bleiben geschlossen, Alkohol darf nur sehr eingeschränkt verkauft werden. Jedes Geschäft, das etwas auf sich hält, stellt vor seinem Eingang ein Bild des verstorbenen Monarchen auf, das reich mit schwarz-weissem Trauerflor dekoriert wird, wie hier vor dem Sheraton Hotel an der Sukhumvit. Und im Dekorieren sind die Thais erfinderisch und einsame Spitze.

Zurzeit überschlagen sich die Meldungen und Meinungen um die Nachfolge des verstorbenen Königs. Obschon sich Thais nur sehr bedeckt zur Königsfrage äussern. Schliesslich ist das ein Tabu-Thema. Majestätsbeleidigung wird rasch mit Gefängnis bestraft. Da können auch ein paar unvorsichtige Touris ein Liedlein singen...

Wird Bhumibols Sohn Maha Vajiralongkorn neuer Monarch werden- oder doch nicht? In westlichen Medien habe ich gelesen, dass er das vom Vater versprochene Erbe gestern für die nächsten 30 Tage ausgeschlagen hat um in Ruhe trauern zu können.

Der Machtkampf um die Vorherrschaft in Thailand, der schon seit Jahren schwehlt, wird wohl demnächst einen Steppenbrand entfachen. Es sei denn, die Thailänder lassen ihr Problem mit Gelassenheit, Freundlichkeit und Wertschätzung des anderen Individuums einmal mehr ins Leere laufen.

(Update 14.10.2016)

 


 

Der König ist tot!

Zwei Tage habe ich den TV nicht ein einziges Mal eingeschaltet. Keine News reingezogen, weil ich mich so beschissen gefühlt habe.

Gegen Abend gehe ich doch mal raus, um etwas zu essen. Da schnappe ich einen Satz am Nebentisch auf - eine ältere Thai sagt zu einem Farang: "King died, 2 in the night!" Der König ist gestorben! Bhumibol war schon längere Zeit in ganz schlechter gesundheitlicher Verfassung. Nun ist sein Lebenslicht ausgelöscht. Kaum ein Monarch ist von seinem Volk so verehrt worden wie der thailändische König. Das zeigt auch dieser bildliche Ausriss aus der Bankok Post von heute morgen.

 

Insgeheim habe ich mir schon vor meiner Abreise gewünscht, dass er noch durchhalten möge während meiner Ferien. Was nun politisch aus Thailand wird, steht in den Sternen. Allein durch seine Existenz, sein Charisma, und vermutlich nicht primär durch Taten, hat der König dieses Land trotz grosser Zerstrittenheit unter den Familienclans immer irgendwie vor dem Chaos bewahrt. Die Nation ist einig im König gewesen.

Housi skypt mich aus Sihanoukville in Cambodia an: "Hey, was isch los z Thailand?" Dann verstehe ich ihn nicht mehr, die Verbindung bricht zusammen.

Vor Mitternacht gehe ich nochmal raus - es herrscht eine gespenstische Ruhe. Alle Restaurants und Bars, die sonst bis 2 Uhr geöffnet haben, sind geschlossen. Ueberall sitzen Menschen im Dunkeln und reden, wenn überhaupt, nur leise.

(Update 14.10.2016)

 


 

Flachgelegt

Seit nunmehr zwei Tagen liege ich flach. Fieber und Schüttelfrost trotz ausgeschalteter Aircon haben mich ins Bett gelegt. Zudem ist die Toilette im Zimmer mein bester Freund... Wahrlich Scheisse! Ausser an Liegen, Schlafen und gelegentlich etwas Lesen ist kaum an etwas anderes zu denken.

(Update 13.10.2016)

 


 

TG 971

Diesen Direktflug mit Thai Airways nach Bangkok habe ich für sage und schreibe 599 Stutz erworben - retour wohlverstanden! Wie kann das noch rentieren? Meistens habe ich zu dieser Jahreszeit ab 780 Franken hinblättern müssen.

Der Start zu diesem Tripp beginnt wenig verheissungsvoll: Im Grauholztunnel macht der Zug nach Zürich eine Notbremsung, so dass es die halben Passagiere fast von den Bänken haut. In den Lautsprechern versucht eine Stimme nach mehrmaligen Anläufen etwas zu sagen, das aber unverständlich bleibt. Nach zirka 6 Minuten fährt der Schlitten wieder an. Auch im Airport herrscht Chaos, denn die normalen Zugänge zu den Gates sind mit rotweissem Absperrband geschlossen. Ueberall bewaffnete Polizisten. Da stinkt was! Ich frage einen Uniformierten nach dem Grund der Absperrung. "Göhnd sie bitte sofort wyter!" herrscht er mich an. Die Maschine ist zumindest im hinteren Teil, wo ich mich eingecheckt habe, wenig belegt. Das ist doch wiederum erfreulich!

(Update 12. 10. 2016)

 

 

Unvergleichbarer Berner Teamspirit

Mit einiger Verspätung muss ich etwas nachschieben: Eine Szene hat mir am Eidgenössischen Schwingfest Hühnerhaut beschehrt, mich zutiefst gerührt. Nämlich die Art und Weise, wie die Berner Schwinger - inklusive der Könige Matthias Sempach und Kilian Wenger - spontan den soeben neu erkorenen Schwingerkönig Matthias Glarner gefeiert haben. Sportler, die jahrein, jahraus sonst Gegner sind, schmelzen plötzlich zu einem Konglomerat zusammen. So was gibt's echt nur im Schwingen, Leute!

Obiges Bild ist wohl eines meiner für mich wichtigsten, emotionalsten Fotos während meiner Karriere als Fotograf - auch wenn sich damit kein Preis gewinnen lässt. Doch diese interessieren mich ohnehin nicht sonderlich...

(Update 11.09.2016)

 


 

Fadengerade Diagnose

Zum heutigen Spiel YB-Thun ist auch die Meistermannschaft 1986 von YB eingeladen. Ich habe mich im Vorfeld extrem auf dieses Wiedersehen gefreut! Zu diesen Spielern habe ich stets einen sehr guten Draht gehabt. Man mag sich immer noch sehr gut aneinander erinnern. Und flachst munter drauflos. Tinu Weber sagt: "Ohni Blatter wär nie es Spiel aapfiffe worde!" Jean-Marie Conz ruft erstaunt aus: "Waaas? Du bist immerch noch dabei?!" Und Jüre Wittwer: "Gäu, bi de Schwinger bisch jitz wöhler aus bi üs Schütteler - die seckle dir nid geng dervo." Oder Lars Lunde: "Andreas, ich will nun endlich einmal ein ernsthaftes Gespräch mit dir führen." Schliesslich Dario Zuffi vorsichtig: "Gell - Aendu? Oder?"

Natürlich sind auch meine malträtierten Beine zwischendurch ein Thema, die ich wegen dem Scheuern noch nicht unter langen Hosen verstecken kann und zur Schau tragen muss. Bei entsetzten Fragen verweise ich auf keltische Grabhügel, Wald, Regen, Dunkelheit, Scheissjob und diese verdammten Brombeerstauden hin.

Torhüterlegende Urs Zurbuchen raunt mir beim Abschied diskret und schelmisch zu: "Resu, gib doch äifach zue, dass das Spure vom ene Sadomaso-Spieli sind!"

(Update 06.08.2016)

 


 

Spuren der Arbeit

So malträtiert können Fotografenbeine nach einem Einsatz aussehen! Gestern muss ich bei Dämmerung und strömendem Regen im "Chaunechwaud" bei Kallnach eine Begehung keltischer Grabhügel fotografieren. Weil ich irgendwann um meine Kamera fürchte und die Grabhügel ohnehin kaum auszumachen sind, beschliesse ich, mich von der Teilnehmer-Gruppe abzusondern und allein zur Waldhütte, wo mein Auto steht, zurückzukehren. Obschon ich nur zirka 120m vom Ziel entfernt bin, die Brille aber angelaufen ist und ich in dieser Dunkelheit ohnehin kaum mehr etwas erkennen kann, verlaufe ich mich und gerate im unwegsamen Gelände mitten in ein grosses Feld von Brombeerstauden - und das in kurzen Hosen und Turnschuhen! Die Ranken umschliessen meine Beine, und irgendwann erkenne ich: Da komme ich nur raus, wenn ich auf die Zähne beisse und mich mit aller Kraft vorwärtsdränge, ohne Rücksicht auf Verluste. Endlich erreiche ich leise schimpfend, flätschnass und blutend die Hütte.

 

An Schlaf ist nach dieser Tortur kaum zu denken - es brennt, zwickt und pulst in den Beinen. Heute morgen ziehe ich mit der Pinzette noch letzte Dornen aus der Haut, desinfiziere endlich meine Haxen und lasse sie anschliessend von Praktikantin Sheila Matti fotografieren..

(Update 05.08.2016)

 


 

Nur noch 365 mal schlafen!

Gerade als ich nach einem halbprivaten/geschäftlichen Tripp von der Grimsel-Passhöhe aus blindwütigem Erfüllungstrieb (für KWO-Repo) um 17 Uhr retour fahre, realisiere ich: Hey, in einem Jahr werde ich ja pensioniert sein!!! Geilo. Dann geht mich das Theater null und nichts mehr an. Und als es auf der Höhe von Meiringen - beim Abzweiger zum Brünig wie aus Kübeln zu giessen beginnt, kann ich einen Anflug von Genugtuung nicht verkneifen: Dieser Anlass wird mich mit Sicherheit nie mehr sehen! Mit all meiner Liebe zum Schwingen. Ich werde mich als Fotograf auch nie mehr mit diesem Event, mit seinen engstirnigen Leuten im OK abmühen müssen! Trotzdem: Auf meiner Talfahrt von der Grimsel versuche ich verzweifelt, Radio-Kontakt zum Geschehen auf dem Brünig zu halten, Das ist gar nicht so einfach! Und juble laut auf, als ich schliesslich über Radio BEO vom Sieg von Sempach Thömu erfahre. Dem mag ich das gönnen. Hätte es aber auch seinem Widersacher im Schlussgang, dem Kämpf Bärnu, gegönnt.

 

Daheim öffne ich zu Ehren des denkwürdigen Anlasses - Pensionierung, nicht etwa Brünig-Schwinget - einen Schämpis. Und freue mich, freue mich, freue mich: Nur noch 365mal schlafen und nie wieder Brünig. Viele Anlässe, die mir jahrzehntelang auf den Sack gegangen sind, kann ich nun abzählen. Andere - vor allem Schwinganlässe der etwas "bescheideneren" Art - werden mir hingegen wohl sehr fehlen...

(Update 31.07.2016)

 


 

Ein Furz vom Brünig

Da erhalte ich doch zwei Wochen vor dem Brünigschwinget eine Mail vom neuen Medienchef: "Ihre Akkreditierung für das Schwingfest ''Brünigschwinget' in Brünig Passhöhe OW vom 31.07.2016 wurde abgelehnt. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an den zuständigen Medienverantwortlichen."

Sofort wende ich mich natürlich einigermassen vor den Kopf gestossen an den neuen Medienchef per Mail:

 

"Guten Abend Herr Imfeld, Dass Ihr Schreiben weder eine Anrede, noch einen Gruss enthält, kann ich verschmerzen. Dass Sie meine Akkreditierung als Fotograf für den Brünigschwinget ablehnen nehme ich hingegen mit grossem Erstaunen zur Kenntnis. Als einen Affront sondergleichen empfinde ich, dass Sie dies tun ohne eine Begründung für diesen Entscheid zu nennen. Ihnen ist offenbar nicht klar, dass wir, Berner Zeitung/Thuner Tagblatt/Berner Oberländer/Langenthaler Tagblatt, seit Jahren über die namhaften Schwingfeste in unserem Einzugsgebiet online tickern und jeweils Bildstrecken (jeweils bis zu 50 Fotos) aufschalten sowie in den Printausgaben ausführlich über diese Anlässe berichten. Es gibt wohl kaum eine Zeitung, die dem Schwingsport so viel Platz einräumt.

Seit fast 40 Jahren bin ich beinahe jedes Jahr beim Brünigschwinget als akkreditierter Fotograf dabeigewesen und habe mich für Ihren Anlass ins Zeug gelegt. Dieses Jahr nun offenbar nicht mehr. Sie müssen's ja wissen.

Mit freundlichem Gruss Andreas Blatter"

 

Keinen Furz mehr vernehme ich vom Brünig, keine Antwortmail erhalte ich, man nimmt auch keine Telefonanrufe entgegen. Also bleibe ich dem Brünig in diesem Jahr fern. Und nun wohl bis in alle Ewigkeit.

(Update 30.07.2016)

 


 

Das war's

Die letzten Tage, Stunden in Asien zerrinnen mir wie Sand zwischen den Fingern. Wie schnell kann ein Monat sich davonschleichen. Es sind unübliche Ferien gewesen, verbunden mit Arbeit für unsere Reportage über das Auswandern. Sie soll am kommenden Samstag in der BZ im Zeitpunkt erscheinen. Gestern hat mir der Schweizer Botschafter noch ein kurzes Fotoshooting gewährt.

Meine Reisepartner haben gewechselt, etwas hat mich aber während den vier Wochen treu begleitet: Probleme mit Windows 10! Unter anderem kann ich im Explorer keine Bilder mehr öffnen; stets motzt das Zähni mit "Ungültiger Wert für Registrierung". Auch Solitaire und der Store lassen sich nicht mehr benutzen. Natürlich habe ich gegooglet und in verschiedenen Foren Tipps gesucht. Offenbar sind das häufig auftretende Probleme. Geholfen hat jedoch kein Ratschlag, ich bin gar nie soweit gekommen, dass ich hätte eingreifen können. Auch hat sich plötzlich der Norton verabschiedet, ich habe ihn aber wieder holen können. Kompleter Virenscan und Rückstellung des Systems haben auch keine Abhilfe verschafft. Ich höre den Kollegen Pelli schon gugaagen: "Da hilft numen eis - neu ufsetze!"

(Update 03.04.2016)

 


 

La Bambele

Zuerst habe ich geglaubt, mir würde es die 6 Tage allein in Bangkok langweilig. Mitnichten! Habe einfach die Seele und so "la bambele". Morgens um 9.30 Uhr Duschen, dann husch zum Frühstück im Hotel, anschliessend während dem Entleeren lesen und sofort wieder ins Bett, weiterschlafen, lesen, mit Housi in Cambodia skypen, dösen, schlafen, lesen, dösen, zirka um 19 Uhr auf die Gasse um etwas Feines zu essen. Mein Tagesablauf ist strickte strukturiert! Inzwischen habe ich drei Krimis der Isländerin Yrsa Sigurdardottir und einen von Urs Schaub gelesen. Heute nachmittag hat mich plötzlich ein "Güegi" gestochen, und ich habe mit der Ausgestaltung meines nächsten Buches "Du machen Klickklick!" begonnen. Wird wohl in Nachtarbeit ausarten. Schliesslich soll das Ding in 455 Tagen, exakt zu meiner Pensionierung, gedruckt sein. Zudem ist heute Tag der Arbeit.

(Update 01.05.2016)

 


 

Aus Süppli wird Kobe

Nach altem Brauch und guter Sitte nehmen Arbeitskollegin Daniela und ich bei Thailandaufenthalten jeweils im Gedenken aneinander ein Süppli. Nun: Diesmal ist aus dem Süppli ein Kobe-Steak mit Kartoffel in Folie und Gemüse geworden. Ich möchte mir ja nicht von Lästermäulern vorhalten lassen, ich berichte stets vom selben Essen. Das Fleisch vom Kobe-Rind ist eine Leckerei und passt in der Schweiz nicht in mein Budget. Dieses Tellerchen hier hat mich in Bangkok umgerechnet rund 24 Stutz gekostet! Das mindestens 3,5cm dicke "Tütschi" Fleisch ist jedoch nicht ganz so zart wie jene Angus-Steaks, die uns Nestor Stucki auf Koh Samui - Housi, Clödu und mir - vor drei Wochen hat kochen lassen. Und schade hat der thailändische Kellner in Unkenntnis der Sache den Sud vom Flambieren trotz meinem entsetzten Aufschrei gleich über alles auf dem Teller gegossen, inklusive Quark auf der Kartoffel! Halt eben doch wieder fast ein Süppli...

(Update 30.04.2016)

 

chuvitvogel chuvitunten

 

Im verwunschenen Garten

Wenn ich in Bangkok weile, zieht es mich immer wieder magisch in den Chuvit Garden an der Sukhumvit Soi 10. Ein seltsamer, schräger Ort in der Grösse eines Fussballfeldes. Eine Oase der Ruhe, des Verweilens, des Erholens, des Nachdenkens. Eine kleine Lunge von Bangkok. Chuvit Kamolvisit hat sie 2006 erschaffen. Allerdings nicht ganz freiwillig. Der Parlamentarier ist nämlich Besitzer dieses Grundstückes im Zentrum Bangkoks, das einen Millionenwert hat. Früher haben sich dort um die 120 verschiedenste Geschäfte befunden, meist Massage-Salons und Pool-Bars. In den frühen Morgenstunden des 26. Januar 2003 sind diese Gebäude mutwillig zerstört worden. Chuvit ist danach vor Gericht vorgeworfen worden, die Polizei für diese Räumung "gekauft" zu haben. Nach seinem Freispruch hat er sich verpflichtet, das Areal während 7 Jahren nicht zu überbauen und damit auf erklecklichen Profit zu verzichten. Inzwischen wird der seltsame, irgendwie verwunschene Garten inmitten des geschäftigen Treibens in Bangok seit 13 Jahren immer noch von Ruhesuchenden, Joggern, Meditierenden, Insider-Touristen, Müttern mit ihren Kindern gerne aufgesucht. Trotz restriktivenr Regeln: Lärmen, laut Sprechen, Herumfahren, Essen, Hunde (wie schön!) und anderes sind strikt verboten.

Früher ist der Garten aus zahlreichen Lautsprechern mit Vogelstimmen beschallt worden. Heute ist das nicht mehr nötig - die Vögel haben sich diesen kleinen Fleck Natur längst zurückerobert!

(Update 29.04.2016)

 

 

Tage des Zweifels

Kaum habe ich begonnen, mich mit Hua Hin, der wohl saubersten, sichersten Stadt Thailands, zaghaft etwas anzufreunden, beschleichen mich Zweifel. Nicht zum erstenmal übrigens. Will ich wirklich ab dem Stichdatum 31.07.2017 nach Asien dislozieren? Zumindest teilweise?

Die Zeit mit Clödu in Bangkok, Maha Sarakham, Hua Hin und Koh Samui, dann mit Housi ebenda, später wiederum in Hua Hin ist super gewesen. Wirklich! Aber Housi und ich haben uns mehrmals eingestehen müssen, dass wir nicht mehr dieselben Haudegen sind wie noch 2007, als wir gemeinsam zum erstenmal nach Thailand gekommen sind. Zu vieles hat sich verändert. Ich sags's unumwunden: Habe zurzeit einen mega Durchhänger! Aber spätestens am 3. Mai, wenn ich in Bangkok im Hotel wiederum lange Hosen und Socken anziehen muss, um mich auf die Heimreise zu begeben, wird sich in mir erfahrungsgemäss alles dagegen sperren - und ich möchte bleiben.

(Update 26.04.2016)

 


 

Gar nicht übel

Langsam beginne ich mich mit Hua Hin anzufreunden. Verlängere sogar meinen Aufenthalt hier etwas, nachdem ich nach Housis Abreise in ein etwas teureres, ruhigeres Hotel umgezogen bin. Housi besteht darauf, dass ich hier erwähne, dass ich und nicht etwa er das erste, lärmige und billige Hotel ausgesucht habe...

Allerdings entspricht mein neues Zimmer punkto Grösse lediglich dem Badezimmer eines Standardrooms im Fünf-Sterne-Etablissement Cape Nidhra Hotel, in dem ich zum Abschluss unserer Repo dessen General Manager, Christian Roeschli aus Winterthur, fotografiert habe. Dafür kosten die Zimmer auch das sechsfache als mein jetziges... Alle Mietobjekte verfügen dort über einen eigenen, von aussen nicht einsehbaren Pool trotz riesigem gemeinsamem Schwimmbecken direkt am Meer! Christian verrät nicht ohne Stolz, dass im Moment lediglich ein einziges der 60 Zimmer unvermietet ist - und das während der Low Season!

An Christians Seite zweimal durch die riesige Anlage zu gehen, wird für mich zum Spiessrutenlauf. Ich weiss nicht wie ich mich verhalten soll, denn überall machen die Angestellten nicht nur den traditionellen Wai (thailändischer Gruss mit aneinandergelegten Handflächen) auf Stirnhöhe und tiefe Bücklinge. Der Gärtner fällt dabei zweimal fast kopfvoran ins Gras. Die tiefen Ehrerbietungen gelten nicht etwa mir, sondern dem "Bi'bo'" (big boss auf Thinglish). Chrigu haben wir vor drei Wochen per Zufall in Heidi's Garden Restaurant beim "Fyrabebier" kennen gelernt. Er hat uns wertvolle Kontakte vermittelt.

(Update 25.04.2016)

 


 

Reinen Tisch machen

Nach einer 12stündigen äusserst strapaziösen Reise in sengender Hitze mit Taxi nach Maenam, einer Katamaran-Fahrt via Koh Phangan, Koh Tao nach Chumphon und einer schier nicht enden wollenden Busfahrt erreichen wir schliesslich Hua Hin - und das grösstenteils zusammen mit zugedröhnten Partygängern von der berüchtigten Full Moon Party auf Koh Phangan.

Heute ist Reinemachen angesagt. Wäsche waschen im kargen Hotelschlag und Nachfotografieren für unsere Repo, was bei der ersten ultrakurzen Visite vor zwei Wochen in Hua Hin nicht möglich gewesen ist. Housi wird morgen schon über Pattaya nach Kambodscha, seiner Wahlheimat, weiterreisen, und ich werde wohl ein zwei Tage darauf mein Zeltchen hier ebenfalls abbrechen und langsam, langsam den Heimweg über Bangkok in die garstige Schweiz antreten müssen. Was hat mir Tochter Nadja heute über Skype geschrieben? "Es schneielet, es beielet" in Thun! Pfui tuusig!

(Update 24.04.2016)

 


 

Wehmut

Schon oft habe ich nach einer Woche Koh Samui das Gefühl gehabt, jetzt reicht's, ich hab's gesehen! Ich mag mich doch nicht in allüberall von Musik beträufeln lassen, mag diese Touristen nicht mehr sehen (obwohl es zurzeit recht wenige hat). Immerhin sind es jetzt wiederum 13 Tage geworden!

Und doch befällt mich jedesmal eine seltsame Wehmut, wenn die Abreise naht. Habe ich mich von all denen verabschiedet, die mir hier etwas bedeuten?

Morgen in aller Frühe geht's mit Taxi, Fähre und Bus nach Hua Hin. Eigentlich habe ich diesen Abstecher dorthin zurück nur geplant, weil ich geglaubt habe, für unsere Repo noch Leute fotografieren zu können, die in unserer Geschichte zu Wort kommen. Aber die haben abgewunken. Nun gut: Housi ist noch nie in Hua Hin gewesen. Also ist der Trip dorthin nicht ganz für die Katz'.

(Update 22.04.2016)

 

 

Puppenstube

Die Vorliebe der Thailänderinnen für Puppen aller Art ist schier grenzenlos. Vermutlich jedoch nicht so gross wie in unseren Medien unlängst berichtet worden ist, dass eine Fluggesellschaft diesem Trend Rechnung trägt und eigens Puppenmahlzeiten und Puppensitzgelegenheiten anbietet. Aprilscherz oder geschickter Werbegag?

Das Hotel hingegen, in dem Housi Hauert zurzeit wohnt, strotzt vor wahrer Puppenliebe: seine Besitzerin hat wohl mehrere hundert Tonpuppen verschiedenster Grösse auf jeder freien Fläche, auf jedem Sims, auf Treppenstufen, in jedem Blumentopf und auf jeder Astgabel plaziert. Housi meint, es seien über tausend - wir haben aufgegeben, sie zu zählen. Nur gut, dass die nicht alle des nachts miteinander losplärren!

(Update 21.04.2016)

 


 

Fotoshooting

Nestor Stucki ist eine der Hauptpersonen in unserer Reportage für die Geld-Seite der BZ und Partnerblätter. Leider ist er vor ein paar Tagen krank geworden, muss sich Infusionen stecken lassen und Medis schlucken. Heute hat er freundlicherweise aber trotzdem eingewilligt, kurz mit seiner Frau Eh Stucki-Pathama und seiner legendären, zerschlissenen YB-Fahne vor seinem Wohnhaus in Lamai, aber auch drinnen, zu posieren. Hat sich danach jedoch gleich wieder entkräftet hinlegen müssen. Merci Nestu!

Clödu Chatelain hat Koh Samui und uns gestern abend Richtung Schweiz verlassen müssen - leider. Es ist eine famose Zeit gewesen mit ihm zusammen!

(Update 19.04.2016)

 


 

Freiluft-Dschungel-WC

Gewiss hat dieses Klosett schon bessere Zeiten gesehen, als das Häuschen darum noch gestanden hat auf der Passhöhe zwischen Lamai und Maenam. Aber wenn's pressiert, dann pressiert's. Inzwischen ist Housi Hauert aus Phnom Penh zu uns auf Koh Samui gestossen. Zu dritt - Housi, Clödu und ich - machen wir nochmals einen Versuch, mit den Motorbikes über die Berge auf die andere Seite der Insel zu gelangen, um unsere Repo über Auswanderer fortzusetzen. Diesmal mit mehr Erfolg. Beeindruckend immer wieder die Melodien aus hunderten von Vogelkehlen und tausenfaches Gezirpe von Insekten, das bisweilen an das Sirren einer Kreissäge erinnert.
(Update 17.04.2016)

 


 

Töfflibuebe

Ein verzückter Juchzer entfährt Clödu, als wir auf unseren Motorbikes von Lamai über die Berge Richtung Maenam durch üppige Palmenhaine fahren. In Maenam kommen wir allerdings nicht an, denn ich wähle als quasi "Ortskundiger" eine falsche Abzweigung, die uns auf eine steile und holprige Dschungelpiste führt und wir schliesslich umkehren müssen. Kommt dazu, dass meine Bremsen in den steilen Abfahrten kaum mehr Wirkung zeigen, und ich teils zu Fuss absteigen muss; dummerweise habe ich genau dieses schlecht gewartete Motorbike erwischt wie schon vor einem halben Jahr. Sprüche über diesen Faux-pas von der falschen Routenwahl werde ich nun wohl bis an mein Lebensende hören müssen...

(Update 14.04.2016)

 


 

Ausschluss

Angesichts des Vorgefallenen, einem Todesfall in der Familie, habe ich mich zurückgezogen (gestern abend schon vor 20 Uhr), eingeschlossen im Hotelzimmer, bis der Spuk hier irgendwann vorbei sein wird. Bin nur zur Nahrungsaufnahme zweimal kurz unter die Leute gegangen und um ein paar Alibi-Fotos zu machen, um mich etwas von der lähmenden Traurigkeit abzulenken.

Auch Clödu hat eine traurige Nachricht verdauen müssen: vor drei Tagen ist seine Schwiegermutter in spe nach kurzer Krankheit gestorben. Noch wenige Tage vor unserer Abreise hat er sie im Bündnerland mit seiner Freundin zusammen besucht.

(Update 14.04.2016)

 

 

Songkran - das Wasserfest

Es fällt mir schwer, meine grosse Traurigkeit mit dem Treiben hier zu vereinbaren. Aber so brutal, vielschichtig, ist das Leben offenbar.

Thailand war gestern und ist heute ein Tollhaus! Früher war das Wasserfest, der südasiatische Neujahrstag, ein religiöser Ritus: Gläubige besuchten unter anderem ältere Familienmitglieder und wuschen ihnen mit wohlriechendem Wasser die Hände. Generell gesehen ist Songkran die Zeit der Säuberung und Erneuerung; viele Thais unterziehen aus diesem Anlass ihre Wohnung einer Generalreinigung. Heute ist das Wasserfest allerdings entartet und roh. Man besäuft sich, schmiert sich Kreide ins Gesicht und bewirft sich mit Wasser. Und die blöden Touristen setzen noch einen drauf, kaufen sich überdimensionierte Wasserpistolen und tragen diese schussbereit wie Kalaschnikows auf Brusthöhe. Niemand kann Songkran entgehen, es sei denn, er schliesse sich ein paar Tage ein. Auch wir bekommen wohl oder übel unser Fett ab; auf dem Bild unten rechts wird mein Reisebegleiter Clödu von einer Angestellten eines unserer Stammlokale mit Eiswasser geduscht.

(Update 13.04.2016)

 

 

Land ahoi

Nach einer fast 14stündigen Autofahrt mit viel Verkehr, einer Übernachtung in Hua Hin und einer 70minütigen Fahrt mit der Fähre von Donsak nach Koh Samui sind wir gestern am Lamai Beach gestrandet.

Soeben erreicht mich ein SMS von meinem Brüetsch mit trauriger Nachricht.

(Update 11.04.2016)

 

 

Sensationelle Tage fernab vom Touristenstrom

Der Aufenthalt im Wongsuwan House ist kurz, aber schlicht wunderbar! Nok und Richu fangen für uns vor dem ersten Abend das Nachtessen aus dem eigenen Fischteich. Frischer kann ein Essen nicht sein. Nach dem frugalen Mal mit Fisch, Laab Moo, selbst angebautem Reis und verschiedenem Thai-Gemüse gibt es selbstgebrannten Mangoschnaps zum Verdauen. Und am zweiten Abend futtern wir nebst rotem Curry auch die spezielle Rösti Thai Style à la Richu und Nok.

Zwei Tage lang finde ich hier keine Internetverbindung, obschon das über den selben Router beim letzten Besuch hervorragend geklappt hat. Auch eine Verbindung über einen Handy-Hotspot ist nicht erfolgreich. Handys hingegen kommen problemlos über den Router ins Netz. Es muss an meinem Laptop liegen. Selbst eine Systemwiederherstellung bringt keine Abhilfe.

Heute morgen fährt uns Richu frühmorgens um 6 Uhr mit dem Auto nach Hua Hin. Auf der Autobahn auf der Höhe von Bangkok werden wir an einer Mautstelle von der Polizei angehalten. Wir sind am falschen Schalter eingereiht und erst noch auf der falschen Autobahn Richtung Innenstadt. Mit meinem Gequatsche habe ich unseren Driver zu sehr abgelenkt. Unser Wagen muss wenden und wird von einem Polizisten auf dem Töff mit Blaulicht spektakulär gegen die Fahrtrichtung zur nächsten Ausfahrt zurückgebracht. Zuerst finden wir das absolut lustig, bis uns der Halsabschneider 1000 Baht Busse abknöpft. Ohne Quittung natürlich. So kommt der korrupte Tschugger zu einem willkommenen Aufgeld für Songkran, dem thailändischen Wasserfest, Neujahr.

(Update 09.04.2016)

 

 

Im Wongsuwan House

Ein einstündiger Flug bringt uns nach Khon Kaen im Osten Thailands. Richard "Richu" Schober, der ausgewanderte Heimberger, holt uns am Flughafen ab. Vor drei Jahren ist hier, mitten im Landwirtschaftsgebiet, ein kleines Paradies mit einem Wohnhaus, zwei Bungalows, zwei Fischteichen, samt Mangobäumen, Bananen- und Ananasstauden entstanden, das Richu mit seiner Partnerin Nok und ein paar Tieren bewohnt, unter anderem mit Kakadu Rico. Neben dem Wongsuwan House wollen die beiden demnächst im Nachbardörfchen ein kleines Restaurant für Einheimische eröffnen, wo Nok auch ihre feinen Backwaren feilbieten kann. Beim hervorragenden Nachtessen im Isaan Style, das uns Nok zubereitet, erklärt uns Richu, dass er jedesmal beim Reisschöpfen in Ehrfurcht an die mühsame Arbeit des Setzens der Reispflanzen zurück denke, seit er selber zum Eigengebrauch Reis anbaue.

(Update 08.04.2016)

 


 

Ritual in Bangkok

Wie ich es seit Jahren am ersten Abend in Bangkok zu tun pflege, schlendern wir entlang der Sukhumvit zur Soi 14 zum etwas versteckten Suda Restaurant, einem kleinen Geheimtipp für Insider. Clödu und ich futtern Chicken in Pandanusblätter eingewickelt, was dem so fritierten Fleisch einen leichten, nussartigen Geschmack verleiht, dazu Wasserspinat und Reis. Auch meinem Kumpel mundet es.

(Update 08.04.2016)

 

 

 

Ab ins Land des Lächelns

Der Flug TG 971 mit Thai Airways ist super! Clödu Chatelain und ich haben beide je eine Dreier-Sitzgruppe für uns, so dass wir uns zwischendurch hinlegen können. Überhaupt ist mir noch nie ein Flug von Zürich nach Bangkok so kurz vorgekommen, trotz der zehneinhalb Stunden Flugzeit. Clödus Thailand-Erfahrungen gehen in ein früheres Leben zurück: er hat sich 1983 für eine Stelle in einem Reisebüro in Bangkok beworben, hat die Übung aber nach zwei Wochen schon wieder abgebrochen.

Weil das nun fast 30 Jahre her ist, habe ich ihm schon vor dem Abflug Tipps gegeben: "Brüskiere die Thailänder nicht mit deiner sauertöpfischen Miene, sondern lächle. So werden dir viele Türen aufgehen."

Clödu übt während des ganzen Fluges wacker und lächelt die wieselflinken Porzellan-Flight-Attendants freundlich an - und bekommt stets ein Lächeln zurück. Nach der Landung beim Warten auf die Passkontrolle trübt er den Erfolg allerdings etwas: "Mir tuet richtig d Schnure weh vo däm blöde Lächle!"

(Update 06. 04 2016)

 


 

Und noch was: WEG!

Bald hau' ich ab - mit Clödu, Richtung Thailand. Gebucht ist! 05.04.2016 - SCB hin oder her. TG 971. Den Clödu Chatelain kenne ich schon von der Schulzeit her. Sind um ein Jahr versetzt im Gielechloschter Viktoria zugeschliffen und zugehauen worden von damals lehrenden Übeltätern. Seit Jahren arbeitet er als Wirtschaftsredaktor und Berater in Geldfragen beim selben Unternehmen wie ich. Die Idee zur gemeinsamen Reise ist unverkrampft spontan eines Mittags in der Kantine geboren worden. Vielleicht entsteht während unserer gemeinsamen Zeit in Südostasien eine Repo über Auswanderer. Aber vielleicht lassen wir auch einfach unsere Seelen an der Wärme baumeln - SCB hin oder her. Ich freue mich jedenfalls. Auch der sonst eher wortkarge Clödu sagt mal in einem äusserst gesprächigen Moment: "Langsam fan i mi a fa fröie!" (Update 12.03.2016)

 


 

Überwältigt!

Ob ich's wohl schon herumerzählen darf? Ach, ich tue es einfach, so "chrybelig" bin ich. Schliesslich hat das schon eine Unzahl Leute vor mir erfahren. Jetzt muss es auch aus mir raus: Im August werde ich nochmals Grossvater. Jupiduuuuu! Und auf einen Streich gleich zweifach - Zwillinge sind unterwegs! Tochter Nadja hat mir heute einen Hinweis auf das freudige Ereignis gegeben. Kaum sind sie und ihr Partner Walter nach Thun in eine gemeinsame Wohnung gezogen, müssen sie sich schon wieder um ein grösseres Logis bemühen.

(Update 05.03.2016)

 


 

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